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G20 Gipfel: „Eine Erde, eine Familie, eine Zukunft“

06.09.2023 13:12:20

„Eine Erde, eine Familie, eine Zukunft“, eine Vision, die mich beim Lesen spontan an die Botschaft des chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping von der „Menschheit mit geteilter Zukunft“ erinnerte. Aber: Diese „Vision“ ist nicht chinesischen, sondern indischen Ursprungs. Sie entstammt einem alten Sanskrit-Text der Upanishaden, der altindischen Weisheitstexte. Sie umschreibt den hohen Wert alles menschlichen, tierischen und pflanzlichen Lebens und die enge Verbundenheit all dieses Lebens. Der aktuelle indische G20-Vorsitz hat dies zum Thema des diesjährigen G20-Gipfels gewählt, der am 9. und 10. September in der Hauptstadt des Vorsitzlandes Neu-Delhi stattfindet. Und die Punkte, die das Vorsitzland erörtert haben möchte, fügen sich gut in das Thema ein. So etwa Grüne Entwicklung, beschleunigtes und robustes Wachstum für alle Länder, beschleunigte Arbeit an den nachhaltigen Entwicklungszielen der Vereinten Nationen, weltweite technologische Transformation oder auch die Schaffung moderner multilateraler Institutionen (wie übrigens auch von UN-Generalsekretär António Guterres kürzlich nachdrücklich auf dem BRICS-Gipfel gefordert).

Also ein Thema und eine Programmatik, die sehr verheißungsvoll klingen. Voraussetzung für eine für alle fruchtbare Umsetzung ist allerdings, dass alle Akteure der G20 gewillt sind, an einem gemeinsamen Weg zu arbeiten, dass in der Vergangenheit doch wiederholt zu beobachtende Versuche unterlassen werden, Gräben aufzureißen, Fronten zwischen unterschiedlichen politischen Systemen aufzubauen und damit Streit und Konflikt zu befeuern.

Dass ein harmonisches Miteinander bedeutender staatlicher Akteure weltweit möglich ist, hat doch noch jüngst im August der BRICS-Gipfel in Johannesburg bewiesen. Staaten naturgemäß mit nicht völlig deckungsgleichen Interessen, aber mit der großen Bereitschaft eines gemeinsamen Weges. Und die Attraktivität dieses Weges dokumentiert sich in der großen Zahl der Beitrittswünsche, in der in einem ersten Schritt beschlossenen Aufnahme der Länder Argentinien, Äthiopien, Ägypten, Saudi-Arabien, Iran und der Vereinigten Arabischen Emirate. Südafrikas Staatspräsident Cyril Ramaphosa bilanzierte zum Abschluss: „Mit diesem Gipfel hat BRICS ein neues Kapitel aufgeschlagen. Ein neues Kapitel, um eine faire Welt zu schaffen. Eine gerechte Welt. Eine Welt, die alle miteinschließt und die wohlhabend ist.“ Oder,  um nochmals António Guterres zu zitieren: „Wir bewegen uns auf eine multipolare Welt zu,  und das ist eine positive Sache".

Ich wünsche mir, dass auf dem anstehenden G20-Gipfel die Einsicht zur Notwendigkeit eines harmonischen Weges auch bei denjenigen reifen möge, die in der Vergangenheit Wege von gestern beschritten, nämlich die Wege von Zank, Streit, Sanktionismus und Spaltung. Das bekannte Zitat des deutschen Dichters Johann Peter Hebels „Denn Frieden ernährt, aber Unfrieden verzehrt“ ist doch so schwer nicht zu verstehen. Möge diese Einsicht bei den Beratungen in Neu-Dehli präsent sein, sehr präsent.


Dr. jur. Michael Borchmann

Ministerialdirigent a.D. (Land Hessen), früherer Abteilungsleiter (Director General) Internationale Angelegenheiten

Mitglied des Justizprüfungsamtes Hessen a.D.

Senior Adviser der CIIPA des Handelsministeriums der VR China

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