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Experten zufolge könnte China in naher Zukunft eine umfassende Senkung der Zinssätze vornehmen müssen, angefangen bei den Kreditzinsen für Hauskäufer und private Unternehmen bis hin zu den Einlagenzinssätzen. Diese Einschätzung vom Montag begründeten sie damit, dass die Ankurbelung der Inlandsnachfrage zu einer der wichtigsten politischen Prioritäten geworden sei.
„Eine frühzeitige Senkung der Zinssätze würde dazu beitragen, die Schuldenlast von Unternehmen und Haushalten zu verringern, ihre Finanzierungsnachfrage anzukurbeln und – was noch wichtiger ist – ein glasklares politisches Signal zur Stabilisierung des Wirtschaftswachstums zu senden“, erklärte Jacqueline Rong, Chefvolkswirtin für China bei BNP Paribas. Chinas Zentralbank (PBOC) werde bis Ende des Jahres wahrscheinlich eine moderate Senkung der wichtigsten Benchmark-Sätze – also des Zinssatzes für mittelfristige Darlehen (MLF) und der Leitzinsen (LPR) – vorantreiben, während sie gleichzeitig die Geschäftsbanken dazu ermutigen könnte, die Zinssätze für ausstehende Hypotheken zu senken, so ihre Einschätzung. Die Neufestsetzung der Zinssätze für ausstehende Hypotheken könnte die Konsumausgaben wirksam ankurbeln. BNP Paribas geht davon aus, dass chinesische Haushalte rund 165 Milliarden Yuan (22,9 Milliarden US-Dollar) an jährlichen Hypothekenzahlungen einsparen würden (entspräche 0,6 Prozent ihres Gesamteinkommens), wenn alle ausstehenden Hypotheken auf die Zinssätze neu aufgenommener Hypotheken umgestellt würden.
Rongs Kommentare folgen auf mehrere politische Signale der Zentralbank, die darauf abzielen, die finanzielle Belastung der Marktteilnehmer zu verringern. Auf einer Arbeitssitzung der PBOC in der vergangenen Woche wurde die Notwendigkeit betont, einen Rückgang der Finanzierungskosten für Unternehmen und Haushalte zu fördern und die Banken dazu zu ermutigen, die Zinssätze für bestehende Hypotheken in geordneter Weise anzupassen.
Zou Lan, Leiter der geldpolitischen Abteilung der Zentralbank, sagte am Freitag, dass die Bank auch einen marktbasierten Anpassungsmechanismus für Einlagensätze nutzen werde, um den Banken dabei zu helfen, ihre Kosten vernünftig einzudämmen, was nach Ansicht von Experten auf die Möglichkeit weiterer Einlagensatzsenkungen hindeutet.
Da die Geschäftsbanken ihre Kreditzinsen senken, werde ihre Gewinnspanne weiter gedrückt, so dass eine Senkung der Einlagenzinsen unumgänglich sei, erläuterte in diesem Zusammenhang etwa Lou Feipeng, ein Forscher an der Postal Savings Bank of China.
Wu Chaoming, stellvertretender Direktor des Chasing International Economic Institute, schränkte ein, eine moderate Lockerung der Geldpolitik würde zwar dazu beitragen, die Kostenbelastung der Unternehmen zu verringern, aber es seien noch weitere Anstrengungen erforderlich, um das Problem der unzureichenden Nachfrage vollständig zu lösen.
Die Behörden auf verschiedenen Ebenen haben bereits eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, um den Wohnungsmarkt zu stabilisieren, den Konsum zu fördern und die Entwicklung privater Unternehmen zu unterstützen, nachdem auf einem hochrangigen Treffen im Juli Anstrengungen zur aktiven Ausweitung der Binnennachfrage gefordert worden waren.
Die positiven politischen Signale haben Experten zufolge mittlerweile dazu beigetragen, die Markterwartungen zu steigern und zu ersten Anzeichen für eine Verbesserung der Inlandsnachfrage zu führen. So stieg der offizielle Einkaufsmanagerindex (PMI) für das verarbeitende Gewerbe beispielsweise von 49 im Juni auf 49,3 im Juli.
Quelle: german.china.org.cn