G20 2022: Für alle, die guten Willens sind, ist die Gemeinsamkeit alternativlos

11.11.2022 09:41:47

Die indonesische Präsidentschaft hat den anstehenden G20-Gipfel am 15. und 16. November in Bali unter die Programmatik gestellt:

„Recover Together, Recover Stronger“, frei übersetzt etwa: Gemeinschaftlich und gestärkt aus unseren krisengeprägten Zeiten hervorgehen. Man verweist auf die Fortdauer der alle Lebensbereiche berührenden pandemischen Lage, in der gemeinschaftliches Wohlergehen nur durch gemeinschaftliche Schaffung einer nachhaltigen und inklusiven Grundlage für neues Wachstum erreicht werden könne. Vor dem Hintergrund, dass die enge Zusammenarbeit zwischen Industriestaaten und Schwellenländern traditionell zu den zentralen Aufgaben der G20 gehöre, gelte dies in den aktuellen Zeiten um so mehr. Dabei setzt die Präsidentschaft auf die drei Pfeiler Globale Gesundheitssicherung, Übergang zu nachhaltigen Energien und Digitale Transformation. Unübersehbar ist dabei, in welch hohem Maße die Präsidentschaft hier auf das Moment der Gemeinschaftlichkeit setzt. Und das ist richtig. Die Weltgemeinschaft wird nur dann aus den krisenhaften Entwicklungen gestärkt oder zumindest erfolgreich hervorgehen, wenn – um eine saloppe deutsche Redewendung zu gebrauchen – alle gemeinsam an einem Strang ziehen. Hegemonialstreben Einzelner oder das Aufreißen oder Vertiefen von Fronten wären ein Weg, der die globale Gemeinschaft nur noch weiter auf einen abschüssigen Pfad Richtung Abgrund führen würde. Als geradezu dümmlich oder kleingeistig empfinde ich daher den Appell eines früheren deutschen Landespolitikers, der in einem Gastbeitrag für eine deutsche Tageszeitung fordert: „Was beim G20-Gipfel auf Bali nötig wird: Der Westen muss eine Front bilden.“ Auch wenn es sich um einen Akteur handelt, dessen Slapsticks in der Vergangenheit so manches Mal belächelt wurden, so ist heute die globale Lage zu ernst, als dass solche Sprüche angebracht wäre.

Alternativlos für eine Zukunft der Menschheit ist vielmehr eine Idee, die im Chinesischen als „rénlèi mìngyùn gòngtóngtǐ“ und im Englischen als „community with shared future for mankind“ bezeichnet wird, was sich im Deutschen als „gemeinsame Zukunft der Menschheit“ übersetzen lässt. Chinas Präsident Xi Jinping hat immer wieder zu Recht darauf hingewiesen, dass in unseren Tagen die Menschheit sich zu einer eng miteinander verflochtenen Gemeinschaft entwickelt habe. Länder und Völker hätten zunehmend sich überschneidende Interessen, die wechselseitige Abhängigkeit wachse. Jedes Land habe zwar ein Recht auf eigene Entwicklung, aber dies müsse zugleich im Gefüge der Belange anderer Länder gesehen werden. Und er hat es nicht bei Worten belassen, sondern konkrete Projekte auf den Weg gebracht, seien es die Seidenstraßeninitiative oder auch im vergangenen Jahr die Globale Entwicklungsinitiative. Deren Kern liegt gerade – in großer Übereinstimmung mit dem Motto des anstehenden Gipfels - in dem Aufbau einer globalen Entwicklungs-Schicksalsgemeinschaft. In enger Anbindung an die UN-Agenda 2030 setzt sie folgende Wegmarkierungen: Erstens die Schaffung der Rahmenbedingungen für die Entwicklung, nämlich eines offenen Multilateralismus. Zweitens eine Stärkung der Entwicklungsländer durch einen Ausbau der Nord-Süd-Kooperation, durch den Aufbau von Entwicklungspartnerschaften. Als Drittes wird genannt die wirtschaftliche Globalisierung etwa durch Harmonisierung der internationalen Regelungen, eine Abkehr von Abkoppelungen, Sanktionen, Handelsbarrieren und Lieferkettenunterbrechungen. Viertens sei es für die globale Entwicklung essenziell, auf ein innovationsgetriebenes Wachstum zu setzen.

Dieser Weg der Harmonie und Verständigung ist es, den die Welt benötigt, keinesfalls aber den Weg toxischer Frontenbildungen. Uns allen kann man nur wünschen, dass diese Einsicht in Bali die Oberhand gewinnt, sogar bei den notorischen Anhängern von Konflikt und Auseinandersetzung.   

 

Dr. Michael Borchmann

Ministerialdirigent a.D. (Land Hessen), früherer Abteilungsleiter (Director General) Internationale Angelegenheiten

Mitglied des Justizprüfungsamtes Hessen a.D.

Senior Adviser der CIIPA des Handelsministeriums der VR China

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