Minderheit im eigenen Land
Das mit viel Liebe gestaltete Museum mit seinen riesigen Bauten kann jedoch auch nicht verbergen, dass die Hui heute in ihrer eigenen Heimat eine Minderheit sind. Nur ein Drittel der Bevölkerung des 1958 gegründeten Autonomen Gebiets Ningxia sind Muslime. In Yinchuan machen die Hui etwas mehr als ein Viertel der Gesamtbevölkerung aus. Die Mehrheit bilden die Han. Viele von ihnen sind die Nachfahren derer, die in den 1960er und 1970er Jahren aufs Land geschickt wurden. Andere hat es in der Hoffnung auf ein besseres Leben an den „Silberstrom" verschlagen, wie Yinchuan wörtlich heißt.
Heute gilt die Wüstenstadt in China als ein Paradebeispiel für das friedliche Miteinander der verschiedenen Ethnien. Anders als das 1.700 Kilometer weiter westlich gelegene Urumqi blieb Yinchuan bisher von Unruhen verschont. Für Guo Changjiang hat das vor allem mit dem Ziel der wirtschaftlichen Entwicklung zu tun, das hier alle ungeachtet ihrer ethnischen Zugehörigkeit verfolgen würden. Eine weitere wichtige Rolle spielen laut dem Chef von China National Radio in Yinchuan auch die diversen Begünstigungen, welche die Hui als nationale Minderheit in Ningxia genießen, beispielsweise die Befreiung von der staatlichen Ein-Kind-Politik oder ihre bevorzugte Behandlung bei der Hochschulaufnahmeprüfung „Gao Kao", die für die berufliche Karriere in China extrem wichtig ist. Wenn er mit einer Hui verheiratet wäre, sagt Guo lachend, dann würde er sein Kind als Hui und nicht als Han registrieren lassen.
Mit Sicherheit gefallen dürfte den Hui auch die wirtschaftliche Annäherung an die arabische Welt, die von Ningxias Regierung schon seit längerem betrieben wird. Yinchuan hat bereits den Zuschlag zur dauerhaften Ausrichtung des „China-Arab States Economic and Trade Forums" erhalten, die wichtigste Plattform für den Wirtschaftsaustausch zwischen China und den Ländern des Nahen Ostens. Um mehr arabische Unternehmen anzulocken, soll in Yinchuan in den nächsten Jahren nun auch noch eine finanziell attraktive Sonderwirtschaftszone entstehen. Der Entscheid darüber liegt derzeit bei der Zentralregierung.
Mini-Tiananmen
Das grüne Licht aus Beijing gilt allerdings nur noch als Formsache, da der Staatsrat den Projektvorschlag bereits gutgeheißen hat. Eine Zusage aus der fernen Hauptstadt wäre auch deshalb verdient, weil sich Ningxia und Yinchuan in der Vergangenheit stets als verlässliche Partner für die Zentralregierung erwiesen haben.
Architektonischer Ausdruck für diese politische Loyalität sind das wuchtige Südtor und der Platz davor im Zentrum von Yinchuan. Über dem geschloßenen Tor, das einst zur Stadtmauer gehörte, prangt heute wie auf dem „Tor des Himmlischen Friedens" in Beijing ein Porträt von Staatsgründer Mao Zedong. Nahezu identisch mit dem „Tiananmen" sind auch die beiden Inschriften „Lang lebe die Kommunistische Partei Chinas" (links) und „Lang lebe die Volksrepublik China" (rechts) sowie die Tribünen für die Ehrengäste zur Abnahme von Paraden an den beiden seitlichen Enden des Tores.


Nicht ganz so groß wie sein berühmtes Beijinger Vorbild, aber noch immer sehr imposant, ist der Platz vor dem Südtor aus dem Jahr 1953. Seine Ähnlichkeit mit dem „Platz des Himmlischen Friedens" hört allerdings spätestens an seinen Seiten auf. Anstatt von der „Großen Halle des Volkes" und dem Nationalmuseum wird der Mini-Tiananmen von Yinchuan nur von Läden, Fastfood-Restaurants und Wohnhäusern flankiert.





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