Bedingungen für den Bau von Privatgärten in Jiangnan
Die Privatgärten der Ming- und der Qing-Dynastie konzentrierten sich auf die Region Jiangnan. Das war kein Zufall, sondern war begründet in den natürlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Voraussetzungen, die dort vorherrschten. Dass gerade in Jiangnan so viele Privatgärten entstanden, lässt sich nicht von der Tatsache trennen, dass hier die besten Naturbedingungen vorherrschen. Jiangnan ist eine sehr fluss- und seenreiche Gegend, die mit einem Netz von Wasserläufen durchzogen ist. Der Wasserreichtum machte es einfach, Gewässer in den Gärten zu speisen. Im gemäßigten Klima mit frostfreien Wintern und einer hohen Luftfeuchtigkeit gedeihen immergrüne Bäume hervorragend, und es herrscht eine große Artenvielfalt von Gräsern und Blumen. Deshalb können die Jiangnaner Gärten mit einer solchen Pflanzenpracht aufwarten.
Am Unterlauf des Jangtse werden auch viele Steinarten abgebaut: In Nanjing, Yixi, Kunshan, Hangzhou und Huzhou gibt es "Gelben Stein", während man in Suzhou seit alters her "Seestein" aus den Flüssen und Seen gewinnt. Die jahrhundertelange Bearbeitung durch das Wasser bewirkte, dass sich in diesem Gestein helle und dunkle Stellen abwechseln und seine Oberfläche gemasert ist, dies brachte bizarre Formen hervor. Dieses hochqualitative Material wurde seit den Anfängen für "Berge" in den Gärten benutzt. In Jiangnan konnten also für das Aufschichten von "Bergen", für Gebäude und die Vegetation örtliche Materialien verwendet werden, und das Wasser brauchte nocht aus großer Entfernung hergeleitet zu werden.
Jiangnan war auf dem Land wie in den Städten dichter bevölkert als der Norden Chinas. Weil hier himsichtlich des Klimas, der Bodenbeschaffenheit und der Rohstoffvorkommen hervorragende Naturbedingungen zusammentreffen, aber auch wegen der besonderen geographischen Lage, wurde diese Region seit jeher als "Heimat von Fisch und Reis" gerühmt. Ihre Bedeutung für die chinesische Wirtschaft wuchs allmählich, besonders nach der Eröffnung des Kaiserkanal in der Sui-Dynastie, der den Norden und den Süden des Landes verband. Damit lag Jiangnan an der Schnittstelle zweier Hauptwasserstraßen, dem Jangtse und dem Kaiserkanal, und wurde zu einer Drehscheibe für das großflächige chinesische Hinterland im Westen und Norden. Die in Suzhou und Hangzhou produzierte Seide war schon seit der Han-Dynastie (206 - 220) berühmt, derweil sich die 2400 Jahre alte Stadt Yangzhou, die das Südende des Kanals markierte und als Umschlagplatz für Schiffsfracht diente, in der Tang-Dynastie zu einem wichtigen, für den Handel mit dem Ausland offenen Hafen entwickelte. Mittlerweile zum Handels- und Schifffahrtszentrum Jiangnans aufgestiegen, wurde Yangzhou in der Ming- und der Qing-Dynastie erst recht zu einem Sammelplatz für reiche Händler. In jener Zeit war Jiangnan das höchstenwickelte Gebiet Chinas in Sachen Landwirtschaft, Handwerk und Handel.
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