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Die Blüte städte und der ländlichen Gebiete in Jiangnan brachte einen allmählichen Aufschwung der lokalen Baubranche mit sich und trieb den Fortschritt der Baumaterialien und -techniken voran. Die anhaltende Bautätigkeit führte zur Herausbildung vieler Handwerke. Besonders die Tischler, Ziegelbrenner und Maurer aus Jiangnan waren für ihre exzellente Arbeit berühmt. Viele geschichkte Arbeiter und Handwerksmeister wurden für Bauarbeiten im Kaiserpalast herangezogen. In der Ming- und Qing-Zeit stammten viele hervorragende Handwerker und Techniker, die in Norden arbeiteten ursprünglich aus dem Süden, wobei es aber zwischen beiden Landesteilen große Unterschiede im Stil und in der Technik gab.
Das Anlegen eines Gartens war ein kulturelles Vorhaben, für das nicht nur materielle Bedingungen erfüllt sein mussten, sondern auch eine Ansammlung von kulturellen Kräten nütig war. Jiangnan hatte eine lange, tief reichende Han-chinesische Kulturtradition und war seit alters her ein Zentrum des Humanismus, das Generationen rechtschaffener, fähiger Persönlichkeiten hervorbrachte. Gleichzeitig zogen die entwickelte Wirtschaft und Kultur von Jiangnan und das blühende Stadtleben Gelehrte aus allen Landesteilen an, wie die berühmten Dichter Bai Juyi und Su shi, die nacheinander als Vorsteher der Lokalregierung von Hangzhou amteten. Sie leiteten nicht nur das Bauprojekt am Westsee, welches den Aushub von Schlamm, die Errichtung von Dämmen, die Begrünung der Seefer und das Anlegen von Szenerien umfasste, um aus dem Westsee einen Landschaftspark zu machen, sondern hinterließen auch zahlreiche Gedichte, die diesen See priesen, und bereicherten so die damalige Gesteswelt. Als in der Südlichen Song-Dynastie (1127 - 1279) die Reichshauptstadt nach Lin An (in das heutige Hangzhou) verlegt wurde, folgten viele Beamte und Gelehrte nach, die mit ihren Gedichten den dortigen Schreibstil berühmt machten. So kam die Landschaftsdichtung und -malerei, die einen direkten Einfluss auf die Gartenbaukunst hatte, in Jiangnan groß in Mode.
Die vortrefflichen natürlichen, wirtschaftlichen und kulturellen Bedingungen boten die besten Voraussetzungen für das Anlegen von Gärten. Ab der Südlichen Song-Dynastie strömten Beamte, reiche Händler und Gelehrte scharenweise nach Hangzhou und Suzhou, und der Gartenbau erfreute sich großer Beliebtheit. Das Prüfungssystem, über das die Ming- und die Qing-Dynastie ihre Verwaltung rekrutierten, brachte nicht wenige Gelehrte aus Jiangnan in die Hauptstadt, wo sie einen Regierungsposten übernahmen. Im Alter zog es diese Gruppe von Literatenbeamten in ihre Heimat zuzück, wo sie Grundstücke für das Errichten von Privatgärten erwarben. In der Spätphase der Qing-Dynastie, als die Kriegswirren im Norden kein Ende nahmen, flohen die Beamten und Händler in den Süden nach Jiangsu und Zhejiang. Sie kauften sich ein Stück Land und legten Wohnanlagen mit Gärten an, um sich von den Unruhen fernzuhalten. Die Privatgartenbesitzer waren entweder selbst Dichter und Maler oder Mäzene, die sich mit Künstlern umgaben. Sie nahmen nicht nur die Verwaltung ihrer Güter selbst in die Hand, sondern waren immer auch an der Planung ihrer Görten beteiligt. Dies waren die Gründe dafür, dass die Privatgärten in Jiangnan in der Ming- und der Qing-Dynastie einen Höhepinkt erreichten.
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