Die Privatgärten der Ming- und der Qing-Dynastie befanden sich hauptsächlich im wohlhabenden, von einer langen humanistischen Tradition geprägten Jiangnan, der Ebene am Unterlauf des jangtse, und um damaligen politischen Zentrum Beijing. Alle bis heute erhaltenen repräsentativen Privatgärten befinden sich in diesen beiden Gebieten. Allein in der alten Jiangnaner Stadt Suzhou gab es zu Beginn des 20. Jahrhunderts über 170 Gärten, wovon noch über 60 vollständig erhalten sind, darunter der erhabene, elegante "Garten des Bescheidenen Beamten" (Zhuo Zheng Yuan), der mit Korridoren und Gebäuden verzierte und mit bizarren Steinformationen ausgeschmückte "Garten des Verweilens" (Liu Yuan), der hügelige und von klaren Wassern umgebene "Pavillon der Azurblauen Welle" (Cang Lang Ting ) und der vornehme, kunstvolle "Garten des Meisters der Netze" (Wangshi Yuan). Jeder Garten ist ein Gesamtkunstwerk aus Gebäuden, Landschaft, Blumen und Bäumen. Die Anlagen vereinen die Schönheit von Landschaft, Architektur und Malerei und sind nicht nur Vorzeigestücke chinesischer Gärten, sondern auch wertvolle Schätze der Weltkultur.
Die Privatgärten in Jiangnan
Die berühmtesten Privatgärten südlich des Unterlaufs des Jangtse sind die von Suzhou, Yang zhou, Wuxi, Zhenjiang und Hangzhou. Während der Ming- und Qing-Zeit erreichten die feudale Wirtschaft und Kultur Suzhous eine Blütezeit. Die Gartenbaukunst wurde reifer, eine Reihe von Gartenbaumeistern trat ins Rampenlicht und die Gartenbauaktivitäten erreichten einen Höhepunkt. Mit ihrer feinen Gestaltung widerspiegeln die Gärten Suzhous das tiefgründige chinesische Kunstkonzept, die Natur als Vorbild zu nehmen und sie zu übertreffen. Der "Löwenwald", der "Garten des Bescheidenen Beamten", der "Garten des Meisters der Netze" und der "Pavillon der Azurblauen Welle" wurden deshalb von der UNESCO in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen. Die Gärten in Yangzhou sind vor allem Wohnhofgärten. In der Blützezeit konnte man in allen Gassen innerhalb der Stadt solche Gärten finden, und an den Flussufern in den Außenbezirken reihte sich Gartenvilla an Gartenvilla. Bis zur Qianlong-Ära in der Qing-Dynastie (1736 - 1795) wuchsen diese zum berühmten Gartenbezirk am Shouxi-See mit den 24 Szenerien zusammen. Damals gab es in Yangzhous sogar mehr Parks als in Suzhou, was der Stadt den Lobspruch "Yangzhous Gärten sind die besten auf Erden" einbrachte. Leider fielen viele davon Kriegsunruhen zum Opfer. Hangzhou dagegen verfügt über das berühmte Landschaftsgebiet des Westsees (Xihu). Der Westsee bildet den Mittelpunkt für die weiteren Gärten innerhalb der Stadt, die sich aber thematisch von ihm abheben. Am besten verdeutlicht das 1907 errichtete Guo-Gut, "der Garten Nummer eins am Westsee", die Ästhetik der chinesischen Gartenbaukunst. Damals erfreute sich der Gartenbau großer Beliebthiet, und man setzte Landshaftskunst gleich mit Ethik. Ein Garten muss verwinkelt sein, Freundschaft verlangt jedoch nach Geradlinigkeit. Das Anlegen eines Gartens dient der moralischen und charakterlichen Vervollkommnung, denn hier haust die Tugend. Der künstlerische Entwurf der Parks bot den Familiennachkommen ein ideales Umfeld, um zu lesen, Gedichte zu rezitieren oder Melodien zu komponieren. Hier erhielten sie Anregungen für das Leben außerhalb des Mutterhauses und konnten einen edlen und aufrichtigen Charakter heranbilden. Man kann zu Recht sagen, dass die tiefere Bedeutung eines Gartens in den Gefühlen und der Vernunft liegt, die in ihm stecken.
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