Die Gartenform der "Landschaft in einer Teekanne", die dem Grundsatz "Obwohl der Garten klein ist, sind alle verschiedenen Szenerien vorhanden" folgte und seit der zweiten Hälfte der Tang-Dynastie eine eigene Tradition bildete, erreichte in der Song-Dynastie ein hohes Niveau und entwickelte sich zu einer vollendeten Kunstgattung. Zwar war die räumliche Ausdehnung des Literatengartens im Vergleich mit früher um einiges kleiner, doch selbst ein winziger Hausgarten konnte mit einer reichhaltigen landschaftlichen Szenerie aufwarten?Bächlein, Erdhügel, Quelle, Teich, kleine Inseln, Blumen und Bäume, Felsen, Pavillons, Hallen - nichts durfte fehlen. Die Schwierigkeiten, die sich dabei ergaben, den Facettenreichtum der Natur durch eine vortreffliche und abwechslungsreiche Anordnung von Hügeln, Gewässern, Gesteinsformationen und Vegetation sowie durch eine vortreffliche und abwechslungsreiche Anordnung von Hügeln, Gewässern, Gesteinsformationen und Vegetation sowie durch anspruchsvolle Gebäudeformen auf dem engen Raum einer "Teekanne" wiederzugeben, kann man sich kaum vorstellen. Doch die Meister der Song-Zeit trieben die Gartenkunst mit zuvor noch nie dagewesener Kreativität und später unerreichtem Kunstsinn zu höchster Schönheit. Genau in dieser Zeit erreichte denn auch die traditionelle chinesische Ästhetik ihren Höhepunkt.
Die meisten und auch typischsten Privatgärten der Song-Dynastie, eine große Anzahl von Beamten-, Eunuchen- und Literatengärten eingeschlossen, befanden sich in den Gegenden um Luoyang und Kaifeng sowie um Suzhou und Hangzhou. Die Vielfalt der Details in den Gärten jener Zeit - gereimte Spruchpaare an den Säulen der Gebäude, mit Inschriften versehene längliche Tafeln, Pfeilerbasen, innerhalb und außerhalb der Gebäude aufgestellte Bonsais, Goldfischschalen, Bodenbeläge und andere ergänzende, der Zierde dienende Einzelheiten - übertraf nicht nur alles Vorherige, sondern war in der Ausführung von unvergleichlicher Feinheit, welche später nie wieder erreicht wurde.
Die über 300 Jahre der Song-Dynastie können als Reifeperiode in der Entwicklung der chinesischen Park und Gärten gelten. Das in jener Zeit auf amtliche Anordnung zusammengestellte Werk yingzao Fashi ("Regeln der Architektur") gibt ziemlich ausführlich Auskunft über den damaligen Wissensstand der Holznutzung und erlaubt uns eine Einblick in die Grundprinzipein antiken chinesischen Architekturdesigns. Ihr modularer Aufbau beweist, wie fortgeschritten die Holzbautechnik in der Song-Dynastie war. Die Vielfalt der Formen und Gebäudetypen in der Architektur fand sich auch in der Malerei wieder, und ihr minuziöser, feiner Stil kontrastierte deutlich mit der gewaltigen Kühnheit der Tang-Dynastie.
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