Wann genau er geboren wurde, ist noch immer nicht mit letzter Sicherheit geklärt. Dasselbe gilt für die Ursache seines Todes im Jahr 1227. Nach der gängigsten Theorie erlag er den Folgen eines Reitunfalls. Das Reich, das er auf dem Rücken seines Pferdes schuf, sucht größenmäßig bis heute seinesgleichen. Für seine Anhänger war er schlicht der „Sohn des Himmels", für seine Feinde dagegen einfach nur ein blutrünstiger Schlächter. Die Rede ist von Temüdschin, besser bekannt als Dschingis Khan.
Der als Halbwaise aufgewachsene Mongolenführer war bereits zu Lebzeiten eine Legende. Sein Leben wurde schon mehrfach verfilmt und in etlichen Romanen verarbeitet. Der deutsche Komponist Ralph Siegel verewigte es gar in einem Lied, das am Eurovision Song Contest 1979 nur knapp am Podest vorbeischrammte. Noch etwas älter als Siegels Evergreen ist das „Mausoleum", das die chinesische Regierung Dschingis Khan im Jahr 1954 in Ejin Horo, etwa 50 Kilometer südlich der Stadt Ordos, errichtet hat.

Prunkbau im Niemandsland
Die imposante Gedenkstätte, die auf einer leichten Anhöhe inmitten des abgelegenen Ejin Horo-Graslands im Autonomen Gebiet der Inneren Mongolei steht, wird zu Chinas 40 Top-Sehenswürdigkeiten gezählt. Ein monumentaler Torbogen mit der Inschrift „Mausoleum von Dschingis Khan" markiert den Eingang zur 20.000 Quadratmeter großen Anlage, die stark an das Sun Yatsen-Memorial in Nanjing erinnert.

Auf den Torbogen im klassischen Stil folgt ein kreisförmiger Platz mit einem Durchmesser von fast 70 Metern, dessen Mittelpunkt ein bronzenes Reiterstandbild des legendären Mongolenherrschers bildet. Nach 99 Stufen, die der traditionellen Vorstellung der Mongolen vom 99-stöckigen Himmelspalast entsprechen und Glück verheißen sollen, erreicht der Besucher schließlich das „Mausoleum", das mit seinen dunkelgelb-blauen Kuppeldächern aus der Distanz aussieht wie drei überdimensionale Jurten.

In seinem Innern freilich erinnert nur wenig an die traditionelle Behausung der Mongolen. Statt mit Baumwolle und Wollfilz sind die Säulen und Wände mit Gold und gigantischen Fresken verkleidet, auf denen der wundersame Aufstieg des einfachen Nomadensohns zum Herrscher über alle Mongolen geschildert wird.
Nur dem Namen nach ein Mausoleum
Im Vergleich dazu mutet die Marmor-Statue von Dshingis Khan in der Haupthalle des „Mausoleums" geradezu bescheiden an. Wer dahinter jedoch wie im Mao-Mausoleum in Beijing den einbalsamierten Leichnam des mongolischen Nationalhelden erwartet, der wird bitter enttäuscht. Obwohl es sich laut Duden bei einem „Mausoleum" eigentlich um ein „Grabmal" handeln müsste, wird in Ejin Horo nicht einmal ein Haar, geschweige denn die sterblichen Überreste von Dschingis Khan aufbewahrt.
Der Grund ist ganz einfach: Das Grab des berühmtesten Mongolen aller Zeiten wurde bis heute trotz fieberhafter Suche nicht gefunden. Allein im 20. Jahrhundert scheiterten über 100 Expeditionen. Selbst der Einsatz modernster Satellitentechnik aus Japan erwies sich als völlig nutzlos. Vermutet wird die letzte Ruhestätte von Dschingis Khan nach neuester Erkenntnis in der Nähe seines mutmaßlichen Geburtsorts, rund 320 Kilometer nordöstlich der mongolischen Hauptstadt Ulan Bator.
Der Legende nach wurde der Mongolenführer von seinen Dienern in einem silbernen Sarg zusammen mit unermesslichen Schätzen begraben. Um den Bestattungsort vor Plünderern zu schützen, sollen die Diener nach Erfüllung ihrer Mission von Soldaten umgebracht worden sein. Diese wiederum soll dasselbe Schicksal ereilt haben, nachdem sie mit den Hufen ihrer Pferde die letzten Spuren des Grabs in der Steppe verwischt hatten.



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