CRI: Gab es dann schon einmal Unfälle, oder mehr als brenzlige Situationen?
Sascha: Ich hatte einige brenzlige Situationen, aber ich bin mit heiler Haut davongekommen. Zweimal, das ich mich noch von der Maschine gepackt habe, weil ein Taxifahrer rechts einen Fahrgast gesehen hat und sich in letzter Sekunde entschieden hat, den doch noch mitzunehmen…
Johannes: Die zehn Kuai waren mehr wert als Du, Sascha. Lachen
Sascha: Aber wir haben ein Mitglied, das ist unser „kleine Alex", ein Schwergewicht von 150 Kilo, und der ist auf seinem Roller gestartet und hat, glaube ich, in den ersten drei Wochen sechs Unfälle gebaut.
Johannes: Und danach mussten die Straßen repariert werden… Lachen
Sascha: Aber es ist glücklicherweise, toi toi toi, noch niemanden etwas Schlimmeres passiert. Wir haben im Club ein paar Hinweise: wenn wir auf Tour gehen, wird nicht getrunken, wir kucken, dass alle einen Helm aufhaben; wir kucken, dass wenn wir zusammen fahren, wir ein Grundverständnis von Regeln haben. Und wenn es dann mal lecker geschmeckt hat am Abend und das Bier bei einem mehr als eins, dann schnappen wir uns schon die Kollegen und passen auf, dass sie nach Hause kommen. Wir wollen das jetzt nicht fokussieren, dass da einer einen Unfall baut.

Vespa im Wespen-Look
CRI: Ich habe das heute von hinten mitverfolgen können, wenn da acht, neun, zehn Motorräder entlangkurven auf den Straßen, alle mit Kluft, das macht schon Eindruck; und Ihr macht auch Krach! Wie empfindet Ihr die Resonanz der Autofahrer, der Fußgänger, der Fahrradfahrer in Peking?
Johannes: Na gut, wir laufen natürlich ein bißchen auffällig durch die Gegend, und mit den Motorrädern, wie Du gesagt hast, klar, das trägt auch dazu bei. Aber prinzipiell ist die Resonanz eigentlich gut. Von dem schlechten Fahren der Autofahrer abgesehen - aber das hat nichts mit uns zu tun – kriegst Du öfter schon mal den Daumen gezeigt, und ich habe bisher das Gefühl, dass das ganz gut ankommt. Manche kucken halt emotionslos, wie das öfter mal hier in China vorkommt, bleiben mal stehen und kucken uns an… Aber es hält sich das alles im Rahmen, eigentlich ist die Resonanz gut.
CRI: Und woher kommt der Name, die „Expendables"? Habt Ihr Euch da einfach abends in der Kneipe etwas einfallen lassen oder hat das einen bestimmten Grund?
Johannes: Ich sag` mal so: wir sind ja alle aus dem Ausland, wir sind hier hergekommen und haben mit zwinkerndem Auge gesagt: „als Kanonenfutter an die chinesische Front geschickt worden", oder eben „die Verzichtbaren", die in ihrem Land überflüssig waren. Und dann gab es irgendwann den schönen Film dazu, aber das war mehr eher Zufall…
Ich sag` mal, wir mögen unseren Namen gerne. lacht
CRI: Ein guter Name, auf alle Fälle. Gibt es in Beijing noch andere Motorradclubs oder seid Ihr die einzigen?
Carsten. Es gibt noch andere. Hm, da muss ich gerade mal überlegen, wie hießen die?
Sascha: Die „Mad Dogs".
Carsten: Mad Dogs. Aber ansonsten eigentlich relativ wenige. Es ist schon so, dass man darauf angesprochen wird: hey, was ist denn das überhaupt? Was habt Ihr denn für Kutten an? Und dass die meisten eigentlich nichts damit anfangen können.
Johannes: Das ist definitiv richtig. Und es sind immer mehr Motorradfahrer auf der Straße, gerade im Sommer, das sieht man schon. Ich denke, das hat auch mit dem steigenden Einkommen zu tun, dass sich mehr Chinesen größere Maschinen kaufen, ist ja auch ein gutes Investment. Aber Clubs sieht man eigentlich fast gar nicht.
Sascha: Damals gab es das hier nämlich nicht, dass es viele passionierte Motorradfahrer zuhauf in Peking gab. Vor zehn Jahren gab es dann mal den einen oder anderen. Oder dann gab es mal ein paar koreanische Studenten in Wudaokou, die ein bißchen Geld mitgebracht hatten und die sind dann abends auf dem Ring, auf dem äußeren Stadtring, halt ihre Rennen gefahren. Aber so vermehrt, dass man sich ein Motorrad oder einen Roller kauft, dass ist eigentlich erst in den letzten drei, vier, fünf Jahren angestiegen.



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