Hunderte von Essläden und kleineren Verkaufsständen sind über das muslimische Viertel in der Mitte von Xi'an verteilt. Einheimische und Touristen drängen sich in die schmalen Gassen, um die besondere Atmosphäre zu genießen und die preisgünstigen Leckerein zu probieren.
Wang Zhuo, ein Tourist sagt:
„Es ist eine hektische Straße. Ich bin lange unterwegs gewesen, um das Essen hier zu probieren. Sache wie Paomo-Lammfleisch, Jiasan Teigtaschen, die ich in meiner Stadt nie gesehen habe. Es sind viele Muslime mit kleinen weißen Käppchen da. Die islamische Atmosphäre ist ganz deutlich spürbar."
Wang Hengming, ein anderer Tourist:
„Es gibt eine sehr große Auswahl an Essen. Man kann praktisch alles finden, was man möchte. Und es ist wirklich sehr günstig. Die Läden neben der Moschee, es ist sehr typisch für Xi'an. Es ist reich an Kultur und Geschichte."

Das berühmteste Essen ist wohl Paomo, eine Suppe mit Lammfleisch, Nudeln und Brotstücken. Andere Favoriten sind gepökeltes Lamm- oder Rindfleisch oder die Jiasan Teigtaschen.
Der 63jährige Liu Jianwen ist ein alteingesessener Bewohner des Viertels.
„Es gibt über 130 Arten von Essen hier. Außer den drei lokalen Spezialitäten haben wir unterschiedlichste Arten von Frühstuck. Kalte Nudeln, gedämpftes Lammfleisch mit Resimehl und gebratenen Reis mit eingelegtem Gemüse. Wir haben auch den muslimischen Feuertopf, scharfen Dressing, gebratenes Lammfleisch, Fisch und Leber sowie alle möglichen Arten von Gebäck."
Liu Jianwen – selbst ein Hui – erzählt vom Beitrag der Muslime zum Wohlstand der Tang-Dynastie – des goldenen Zeitalters des alten China.
„China und Persien waren durch die Seidenstraße verbunden. Viele Perser kamen über Land oder über See nach Xi'an. Die Vorfahren der Muslime in dieser Straße haben Edelsteine und Essen verkauft. Viele von ihnen haben Kinder gekriegt und sind für immer geblieben."
Etwa ein hundert Tausend chinesische Muslime wohnten in den 13 Straßen in der Nähe von sieben Moscheen. Das Gebiet in der Nähe der Gotteshäuser war traditionell der Wohnort der chinesischen Muslime. Und es ist auch der Ort, wo das kulinarische Erbe des islamischen Viertels ihren Anfang nahm.
Nach 1.400 Jahren ist muslimsiches Essen nicht mehr aus Xi'an wegzudenken.

Eines der beliebtesten Restaurants der Stadt verkauft die Jiasan Guangtang Baozi, die bereits erwähnten Teigtaschen. Teig so dünn wie Papier wird dabei mit Fleisch, Gewürzen und einer leichten Soße gefüllt.
„Wenn man nach Xi'an kommt, sollte man auch die Jiasan Teigtaschen probieren."
Der Besitzer des Restaurants Jia Zhiliang, auch unter dem Namen „Herr Jiasan" bekannt, hat die besonderen Kochrezepte seiner Vorfahren bewahrt. Er hat sie zusammen genommen und eine eigene Marke kreiert. Obwohl die Schlange vor seinem Geschäft nicht abreißt, bleibt „Herr Jiasan" beim Kochen den Vorschriften des Koran treu.
„Unsere Teigtaschen sind ein muslimisches Gericht. Die Essenz des muslimischen Küche ist die Sauberkeit beim Essen und die moralischen Standards der Ehrlichkeit."
Als ein Muslim glaubt er an die Ehrlichkeit als die höchste Tugend. Sie ist auch verbindlich für das Verhalten in seinem Restaurant. Er sagt, dass sich das trotz des Einflusses von anderen Marken nicht ändern wird. So muss Rind- und Lammfleisch nach den islamischen Vorschriften zubereitet werden. Und das Trinken von Alkohol ist selbstverständlich tabu.
„Wie man sieht ist Trinken in unserem Restaurants strengstens verboten. In manchen Restaurants in anderen Städten erlauben sie das Trinken, weil sie sich nicht an die moralischen Regeln halten. Aber in meinem Restaurant halte ich mich an den reinen Islam."
Da die Marke „Jiasan" mittlerweile in ganz China bekannt ist, will „Herr Jiasan" sein Geschäft in der ganzen Stadt ausbreiten. Aber er will dabei sehr sorgsam vorgehen, da er seine hohen moralischen Ansprüche kompromittieren will, was bei einem zu schnellen Wachstum durchaus passieren kann.

„Jiasan" ist nur eines der typischen muslimischen Restaurants in Xi'an. Das Essen repräsentiert nicht nur das kulinarische Erbe von Xi'an, sondern auch die einzigartige Kultur der muslimischen Hui-Chinesen.
Übersetzt von Jörg Pensin
Gesprochen von Chen Yan



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