M: Bis zu den 1980er Jahre kauften die Chinesen oft Stoffe und gingen in eine Schneiderei, um ein Kleid anfertigen zu lassen. Heutzutage gibt es auf dem Markt Kleider in allen Formen und zahlreicher verschiedener Marken. Es ist daher nicht weiter erstaunlich, dass die Chinesen nicht mehr so oft in die Schneiderei gehen wie dies in der Vergangenheit der Fall war. Es gibt aber nach wie vor Schneidereien wie etwa in der südchinesischen Stadt Hangzhou, deren Geschäft gut läuft.
F: Die "Hongye-Schneiderei" ist eine einfache Schneiderei. Im zehn Quadratmeter großen Zimmer sieht man eine Nähmaschine, Scherenschnitte und verschiedene Stoffe. Die junge Zhou Xiaoyan arbeitet als Lehrling in dieser Schneiderei.
"Ich führe Hilfsarbeiten aus. Wir messen und nähen Knöpfe an. Ich arbeite gerne hier, weil ich Kleider mag. Wir stellen Alltagskleidung, Arbeitsklamotten und auch Kostüme her."
M: Neben der Nähmaschine von Zhou Xiaoyan liegen viele Kleiderzeitschriften. Die angehende Schneiderin schaut sich gerne die Entwürfe und Kombination von Kleidern in den Zeitschriften an. Daneben macht sie den Kunden auch gerne Vorschläge. Viele Kunden würden ihre Kleider anhand von Zeitschriften auswählen. Sie kämen mit Bildern in die Schneiderei, um besondere Kleider anfertigen zu lassen.
F: Zhou Xiaoyan hat viele Kunden bedient und kennt die aktuellen Modetrends bestens. Vor der Schneiderei hat sie ein paar trendige Kleider aufgehängt, die viele Kunden anziehen. Die Kundin Tan Xiaode würdigt die Kleider der Schneiderei, in der Zhou Xiaoyan arbeitet:
"Die Kleider hier sind sehr schön und modern. Ich wähle die Form selbst. Die Kleider passen mir auch gut. Wenn sie mir nicht passen, kann ich sie auch zurückbringen und ändern lassen."
M: Gemäß Wang Ying, der Direktorin der Kleidungs- und Textilabteilung der Hangzhouer Wirtschaftskommission, ist Hangzhou ein traditioneller Standort für die Stoffproduktion in China. Die lokale Regierung wolle hauptsächlich die Kleiderverarbeitung entwickeln. Seit dem Jahr 2002 habe die Regierung der Kleidungsindustrie jedes Jahr drei Millionen Yuan RMB für Forschungszwecke, den Bau von Produktionsanlagen sowie die Ausbildung von Personal zur Verfügung gestellt. Seit dem Jahr 2006 belaufe sich die jährliche Unterstützung der Kleidungsindustrie durch die Regierung sogar auf 20 Millionen Yuan RMB. Die lokale Regierung wolle das Label "made in Hangzhou" in ganz China bekannt machen.
F: Um die Kleidungsindustrie weiter zu entwickeln, finanziere die lokale Regierung auch die Ausbildung von Fachpersonen, erklärt uns Wang Ying von der Hangzhouer Wirtschaftskommission:
"Wir offerieren auch Ausbildungskurse fürs Fachpersonal. Die Schneider in den Fabriken senden wir in die Hangzhouer Fachhochschule für Bekleidungstechnik. Sie bezahlen nur die Hälfte der Schulkosten. Die andere Hälfte wird von der Regierung getragen. Sie müssen am Ende ihrer Ausbildung aber das vom Arbeitsamt anerkannte Qualifikationszeugnis erhalten. Hierfür gibt es ein strenges staatliches Prüfungssystem."
M: Zhou Xiaoyan begrüßt diese Maßnahme sehr. Sie will sich zuerst in der "Hongye-Schneiderei" weiter bilden und sich dann für die Teilnahme am Ausbildungsprojekt der Regierung bewerben.
"Ich habe bis anhin nur einige wenige Techniken erlernt. Ich befasse mich im Moment mit dem Basiswissen, später möchte ich eine systematische Ausbildung erhalten."
F: Zhou Xiaoyan liest im Moment viele Modezeitschriften. Sie hat auch bereits selbst erste Entwürfe in einem Heft gezeichnet. Falls sie später das Qualifikationszeugnis der Hangzhouer Fachhochschule für Bekleidungstechnik erhalten sollte, möchte sie ihre eigene Schneiderei eröffnen und selbst Kleider entwerfen und produzieren. Es würde sie sehr glücklich machen, wenn sie einst Leute in von ihr entworfenen Kleidern sehen könnte, so die Lehrtochter der "Hongye-Schneiderei".