Startseite | Nachrichten | Zeitgeschehen | Chinesischkurs | China ABC | Inet Radio | Frage der Woche | Paralympics 2008 in Beijing | Sendeplan
 

-Empfangsbericht
-Feedback   -Archiv

Die Grotten von Dazu: Stein gewordene Religion
   2007-06-13 14:29:10    Seite drucken   cri

In Dazu im Regierungsbezirk der südwestchinesischen Metropole Chongqing werden in buddhistischen Grotten die abstrakten Gebote der buddhistischen Sutren durch lebensechte Statuen anschaulich.

Wer auf einer Reise nach Dazu kommt und vor den Statuen steht, den überkommt nicht nur Ehrfurcht, sondern der Reisende beginnt auch spontan, die Kunst und die künstlerische Technik der Jahrhunderte alten Steinskulpturen zu bewundern. Die Bauarbeiten in den Grotten zogen sich über mehr als 300 Jahre hin. Heute sind die meisten Statuen an einem Berghang des Baoding-Gebirges zu finden. Unsere Reiseleiterin Yang Qin sagt:

"Die Motive der Statuen in den Grotten im Kreis Dazu zeigen hauptsächlich Ausschnitte der buddhistischen Geschichte. Heute gibt es in Dazu mehr als 50.000 Statuen zu sehen. Die meisten von ihnen befinden sich an den Berghängen des Baoding-Gebirges, des Beishan-Gebirges, des Nanshan-Gebirges, des Shimen-Gebirges und des Shizhuan-Gebirges. Die Grotten und Statuen im Baoding-Gebirge stammen hauptsächlich aus der Südlichen Song-Dynastie. Viele von ihnen wurden von Mönchen geschaffen. Einer der Mönche widmete sogar ab seinem 19. Lebensjahr sein ganzes weiteres Leben dem Grottenbau."

Grottenbau war in der chinesischen Vergangenheit ein beliebter Weg, seine Frömmigkeit gegenüber Buddha zu zeigen. Eine Grotte zu bauen drückte die Hoffnung aus, nach dem Tod vom Buddha ins Paradies geholt zu werden.

Buddha ist der allgegenwärtige Gott des Buddhismus. Seine Statue ist überall in Dazu zu sehen. Bei der Gestaltung einer Buddhastatue muss man strenge Regeln einhalten. Dazu Reiseleiterin Yang Qin:

"In der Regel soll ein Buddha lockige Haare, strahlende Augen, ein vollschlankes Gesicht und lange Ohren haben. Seine Finger müssen sehr geschmeidig gestaltet werden."

Aber in einigen Grotten sieht der Buddha wie ein ganz normaler Mensch aus. Wir erfahren, dass es sich in diesen Fällen zum einen um einen Buddha während seines Lebens vor dem Erreichen des Nirwana handelt. Zum anderen soll ein menschlich aussehender Buddha seine Anhänger überzeugen, dass der Geist des Buddhas allgegenwärtig ist. Die Künstler haben mit Szenen aus dem alltäglichen Leben abstrakte religiöse Werte verdeutlicht. Zum Beispiel erzählen einige Bilder eine Geschichte, in der es um die Viehzucht geht. Ein Hirte symbolisiert die Menschen, seine Kühe die Seele der Menschen. Im ersten Bild versucht der Hirte, mit aller Kraft eine widerborstige Kuh zu bändigen, indem er an den Zügeln reißt. Im zweiten Bild schlägt der Hirte die Kühe mit der Peitsche. Die Buddhisten glauben, die Peitsche sei ein Symbol für die buddhistischen Gebote. Man könne ausschließlich mit den buddhistischen Geboten die menschliche Seele im Zaum halten. Im dritten, vierten, fünften und sechsten Bild werden die Kühe immer gehorsamer und der Hirte lässt mit seinen Züchtigungen immer mehr nach. Im letzen Bild liegt die Kuh auf der Weide. Dies wird als die höchste Dimension der buddhistischen Meditation angesehen. Die menschliche Seele ist in absoluter Freiheit angekommen. Peitsche und Zügel sind nicht mehr nötig, weil die menschliche Seele durch Meditation die buddhistischen Gebote vollständig versteht und akzeptiert. Wenn ein Mensch diesen Zustand erreicht, bleibt er von den Störungen und dem Wandel der Außenwelt völlig unberührt.

Karma und Seelenwanderung sind zwei wichtige Bestandteile des Buddhismus. Sie werden durch ein sich drehendes Rad symbolisiert. Die Drehung des Rades lässt sich weder anhalten noch umkehren. Sie ist das Symbol der Verkettung und des Zusammenhangs zwischen Ursache und Wirkung.

Die Allgegenwart und die Bedeutung des Buddhas lässt sich auch daran erkennen, dass die Boddhisattwa Guanyin mit mehr als 1.000 Armen und Augen dargestellt wird. In einer der Grotten breitet die barmherzige Göttin ihre 1.007 Arme aus. Die vielen ausgestreckten Arme umrahmen ihr Gesicht wie das Rad eines Pfaus. Jede ihrer vielen Hände ist mit einem Auge versehen. Mit ihren vielen Armen ist die Göttin jederzeit bereit, armen Menschen zu helfen. Und mit ihren 1.007 Augen beobachtet sie jede einzelne Tat jedes einzelnen Menschen auf der Erde.

Lebendigkeit und Anschaulichkeit lassen sich auch an kleinen Details der Statuen ablesen. In der Yuanjue-Grotte macht uns unsere Reiseleiterin Yang Qin auf zwölf Boddhisattwa-Statuen aufmerksam:

"Diese zwölf Boddhisattwa stellen der Reihe nach Fragen an den Buddha. Jeweils einer der Boddhisattwa kniet vor dem Buddha nieder, um seine Frage an ihn zu richten. Die Künstler haben beim Bau der Grotte über dem Buddha ein Loch angebracht. Durch dieses Loch fällt das Licht wie von einem Scheinwerfer auf den knienden Boddhisattwa. Der Lichtstrahl hebt das Motiv der Grotte, die Bedeutung und den Wechsel von Frage und Antwort, hervor.

Entlang der Wände in der Grotte laufen Entwässerungskanäle, in denen sich seit Jahrhunderten Regenwasser und Feuchtigkeit sammeln und nach außen abgeleitet werden. Deshalb ist die Grotte auch heute noch in einem guten Zustand. Ich darf Sie auf den lebendigen Ausdruck der Boddhisattwa aufmerksam machen. Sehen Sie den Kopfschmuck und die Kleidung der zwölf Boddhisattwa? Sie sind so detailgetreu dargestellt, dass man sogar die Struktur und die Beschaffenheit der Stoffe zu fühlen meint."

Ehrfürchtig wird der Besucher auch, wenn er vor der Huayan-Grotte steht. In dieser Grotte stehen drei mehr als sieben Meter hohe Statuen. In der Mitte steht der Träger der Hoffnung, an seiner rechten Seite steht der Boddhisattwa der Vernunft und zu seiner Linken steht der Boddhisattwa der Weisheit. Dazu erklärt unsere Reiseleiterin Yang Qin:

"Alle drei neigen sich leicht nach vorn, damit die Besucher den Eindruck bekommen, sie würden uns von oben beobachten. Der eine Boddhisattwa trägt eine siebenstufige Pagode auf seiner flachen Hand. Allein die Pagode ist einen Meter fünfundachtzig hoch und wiegt mehr als 400 Kilo. Auffallend ist auch, dass die Künstler die Statuen nicht mit den richtigen Proportionen gestaltet haben. Die Köpfe sind etwas zu groß und die Unterschenkel etwas zu lang, so dass sie im richtigen Verhältnis erscheinen, wenn man vom Boden zu ihnen hinaufschaut."

Vor einer der Grotten treffen wir Hilde Andresen aus Frankfurt am Main. Sie hat zwar bisher nur einen kleinen Teil der Grotten besichtig, ist aber schon jetzt von der Größe und der interessanten Geschichte der Grotten beeindruckt:

"Bis jetzt ist es überwältigend. Die Grotten sind ja einmalig. Es ist einmalig, so etwas zu sehen. Auch die ganze Geschichte darüber zu erfahren, ist großartig."

Ihr Mann erwartet voller Spannung die für den Abend geplante Bootstour auf dem Yangtze:

"Wir freuen uns auf die Schifffahrt auf dem Yangtze. Wir sind gespannt, wie der Damm aussieht. Wir werden uns überraschen lassen. Wir haben den Damm bereits auf Fotos gesehen. Es gibt sehr viele Staudämme auf der Welt, aber der Staudamm am Yangtze, der Drei-Schluchten-Damm, ist weltweit der größte."

     mehr zum Thema Ihre Meinung

Not Found!(404)

Not Found!(404)