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Eine gelehrte Frau, die Konfuzius Buch "Gespräche" populär macht
   2007-04-05 16:38:55    Seite drucken   cri

Dr. Yu Dan ist Professorin an der Beijinger Pädagogischen Universität. Sie ist Expertin für Film und Fernsehen und hat lange Zeit als Programmplanerin und Regisseurin beim Zentralen Chinesischen Fernsehen (CCTV) gearbeitet. Ende 2006 tat sie etwas bis dahin völlig Neues, sie interpretierte in einer CCTV-Sendung das Buch von Konfuzius mit dem Titel "Lun Yu" (Gespräche). Die Sendung erfreute sich einer außergewöhnlich hohen Einschaltquote. Yu Dan war über Nacht berühmt geworden. Kurz danach wurde das Buch "Yu Dans Interpretation von Lun Yu (Gespräche)" veröffentlicht. Der Verkauf dieses Buches war außerordentlich gut. Dazu Gu Qing, stellvertretender Chefredakteur des Chinesischen Buchverlags:

"Warum verkaufte sich das Buch so gut? Ein Klassiker und effektive Medienarbeit sind entscheidend für den Erfolg des Buches, finde ich. Frau Yu Dan versteht es ziemlich gut, einen Klassiker der traditionellen Kultur den Menschen näher zu bringen. Dank ihres Engagements ist das Interesse der Chinesen an der traditionellen Kultur wachgerufen worden."

Das Buch "Lun Yu" (Gespräche) ist eine Sammlung aphoristischer Aussprüche von Konfuzius und kurzer Gespräche zwischen Konfuzius und seinen Schülern. Verfasst wurde das Buch etwa im 3. oder 4. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung. Das Buch ist ein wichtiger Klassiker der konfuzianischen Schule. In den letzten Jahren ist in China die traditionelle Kultur wieder in den Focus der öffentlichen Aufmerksamkeit gerückt. Yu Dan wurde vom CCTV gebeten, in der Sendung "Podium von hundert Schulen" das Buch "Lun Yu" mit einfachen Worten und in verständlicher Form zu interpretieren. Yu Dans Interpretation hat sich dann aber als äußerst erfolgreich erwiesen. Dazu meinte Yu Dan:

"Um antike Klassiker in der heutigen Zeit populär zu machen, reicht es nicht, dass die klassischen Bücher in den Bücherregalen stehen. Wichtig ist eine zeitgenössische Interpretation dieser Bücher. Als ich Studentin war, wurden antike Klassiker als das Allerhöchste betrachtet und hoch geehrt. Um die Klassiker populär zu machen, dürfen sie nicht unzugänglich sein, sondern sie müssen der Bevölkerung nähergebracht werden."

Yu Dan ist in eine Intellektuellenfamilie hinein geboren. Ihr Vater ist Forscher für Literatur und Geschichte. Schon als Vierjährige kam sie mit dem Buch "Lun Yu" in Berührung. An der Uni hat sie später antike chinesische Literatur studiert. Yu Dan weiß nicht genau, wie oft sie bis heute das Buch "Lun Yu" gelesen hat. Jedes Mal konnte sie neue Lehren und Erkenntnisse aus der Lektüre ziehen.

Yu Dan vertritt die Ansicht, daß antike Klassiker in der Tat nicht realitätsfremd sind. Ihre Interpretation im Fernsehen war eine Mischung von realen Beispielen und persönlichen Eindrücken und Erfahrungen. Yu Dan entzückte die Zuschauer durch ihre große Belesenheit. Alles, ob russische Fabeln, buddhistische Legenden oder aktuelle Nachrichten konnte sie geschickt zum eigenen Nutzen anwenden. Anders als Vorlesungen an der Uni müsse ihre Fernsehinterpretation allen über 15 Jahre alten Menschen verständlich sein, meinte Yu Dan. Außerdem sollte dadurch das Interesse möglichst vieler Menschen an dem Buch "Lun Yu" geweckt werden, so die junge Professorin. Obwohl die Sendung von Yu Dan tief in der Nacht beziehungsweise früh morgens gesendet wurde, war das Interesse der Fernsehzuschauer doch enorm groß. Dieser Erfolg habe mit ihren beruflichen Erlebnissen zu tun, meinte Yu Dan. Sie fuhr fort:

"Ich habe in Film-und Fernsehbereich promoviert, habe mich also seit mehr als 10 Jahren mit der Mediumwissenschaft beschäftigt. Ich kenne mich in diesem Bereich sehr gut aus. Der Erfolg der Fernsehinterpretation von "Lun Yu" war dennoch aufschlußreich für mich. Die philosophischen Ideen von "Lun Yu" können leicht verständlich gemacht werden, wenn man mit einfachen Worten den tiefen Sinn des Buches ausdrücken und konkrete Beispiele geben kann."

Die siebenteilige Fernsehserie von Yu Dan hat den Wunsch der Zuschauer bei weitem nicht befriedigen können. Auf Wunsch der Fernsehzuschauer wurde Yu Dans Buch über "Lun Yu" herausgegeben. Das Buch sei nur eine Sammlung ihrer persönlichen Eindrücke und Ansichten, sagte Yu Dan. Sie hoffe, daß ihr Buch alle zum Lesen klassischer Lektüre anregt. Wörtlich sagte Yu Dan weiter:

"Mit diesem Buch wollte ich allen Lesern meine persönlichen Eindrücke vermitteln und alle zum Lesen klassischer Lektüre und zum Nachdenken anregen.

In meinem Alter und anhand meiner bisherigen Ausbildung fühle ich mich nicht in der Lage, das Buch "Lun Yu" komplett zu interpretieren. Was ich tun kann, ist die Verbreitung meiner eingenen Ansichten. Das tue ich auch gerne."

Am Tag der Herausgabe des Buches "Yu Dans Interpretation von Lun Yu (Gespräche)" standen um sechs Uhr früh die Leser draußen vor der Buchhandlung Schlange, um ein Exemplar mit dem Autogramm von Yu Dan zu kaufen. Als Yu Dan am Mittag begann, Autogramme zu verteilen, warteten schon mehrere tausend Leser in eisiger Kälte. Neun Stunden lang hat Yu Dan ununterbrochen Autogramme geschrieben, sie kam nicht zum Essen und Trinken. Daran erinnernd sagte Yu Dan mit tränenden Augen:

"Ich ging mich verbeugend durch eine enge Gasse, die von vielen Lesern gebildet wurde und die mir Beifall spendeten. Diese Szene war für mich erschütternd. Es waren unglaublich viele Leute, sie waren nicht zu mir, sondern zu Konfuzius gekommen. Ich hegte großen Respekt vor den Lesern, die in Wind und Kälte auf mich warteten. Ich halte mich für einen unwichtigen Träger und Verbreiter der klassischen Literatur. Aber genau deswegen stehe ich im Mittelpunkt der öffentlichen Aufmerksamkeit."

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