
Bei den Olympischen Spielen in Rio gibt es einen neuen Trend, den man unter anderem auf dem Körper des amerikanischen Schwimmers Michael Phelps deutlich sieht. Die mysteriösen blauen oder braunfarbigen Flecken auf dem Oberkörper des Schwimmstars sind vielen Personen unerklärlich, Chinesen aber kennen sie ganz genau. Es sind Flecken des chinesischen Schröpfens.
Das Schröpfen ist eine Therapie aus dem Bereich der Naturheilkunde. Ziel ist, schädliche oder krankmachende Stoffe aus dem Körper zu entfernen. Zur Linderung von Schmerzen werden Glasglocken, sogenannte Schröpfgläser oder Schröpfköpfe, direkt auf die betroffenen Hautpartien aufgesetzt. In dem Hohlgefäß wird klassischerweise durch das Erhitzen der Luft und das blitzschnelle Aufsetzen auf die Haut ein Unterdruck erzeugt. Die Haut wird durch den Sog nach oben gezogen. Was bleibt, sind runde Hämatome.
Schröpfen ist in Rio nicht mehr nur ein Geheimrezept der chinesischen Sportler. Viele ausländische Athleten finden diese alte chinesische Naturheilmethode sehr hilfreich und sind Fans geworden. Neben Michael Phelps setzen auch die Sportler der US-amerikanischen Turnmannschaft und der weißrussische Schwimmer Pavel Sankovich auf das Schröpfen, um ihren Körper zu entlasten, die Muskeln zu lockern und Schmerzen zu lindern.
Michael Phelps erklärte zu den Vorteilen des Schröpfens: „Ich nutze Schröpfen seit einer ganzen Weile. Vor den Wettbewerben mache ich es, um Schmerzen zu lindern. Früher hatte ich nie solche braunen Flecken. Die Flecken tauchen da auf, wo es am meisten weh tut."
Der US-amerikanische Turner Alex Naddour hat das Schröpfen bei seiner Teilnahme an der Turn-Weltmeisterschaft 2014 in der südchinesischen Stadt Nanning kennengelernt. Der Empfehlung eines Freundes folgend ging er zum Schröpfen und fand es sehr hilfreich. Seitdem kann er nicht mehr ohne die chinesische Therapiemethode. Er kaufte in den USA über einen Online-Versand eigene Schröpfgläser. Er sagte, das Geld sei es absolut wert. Schröpfen helfe ihm bei der Erhaltung seiner Gesundheit.
Obwohl die Wirksamkeit des Schröpfens nicht eindeutig wissenschaftlich nachgewiesen ist, verhindert dies nicht, dass immer mehr Menschen es anwenden. Ein Vertreter des Internationalen Schröpfverbands erklärte, in den vergangenen drei Tagen sei die Nachfrage nach Schröpfgläsern um 20 Prozent gestiegen. Die Zahl der Therapeuten, die eine Qualifikation fürs Schröpfen bekommen wollten, habe um 50 Prozent zugenommen.



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