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201606-verboteneliebe
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Endlich hat man es in die Hochschule geschafft. Endlich ist man die schweren Hausaufgaben los, die Freiheit kann genossen werden. Zum Hochschulleben gehören Studium, soziale Arbeit, Nebentätigkeit und natürlich auch süße Liebesbeziehungen. Liebe geht über alles, hat nichts mit der Hautfarbe, dem Alter oder dem Körper zu tun, so glauben viele. Doch für manch andere hat Liebe auch ihre Grenze.

Professor Yan Yiming an der Beijinger Universität für Ingenieurwissenschaften hat jüngst mit einem Artikel Affären zwischen Lehrern und Studenten den Kampf angesagt. Den Hintergrund bilden Campus-Skandale, die durch Medien immer wieder der breiten Öffentlichkeit bekannt werden. Seitensprung, Familienstreit oder Erpressung … Hinter solchen Schlagwörtern stehen Affären zwischen Hochschullehrern und Studenten. Für Professor Yan geht das zu weit. Denn Lehrer und Studenten seien in einer Beziehung nicht gleichgestellt. Die „verbotene Liebe" könnte das gute Bildungsumfeld verderben.
„Lehrer haben Macht und können das Studium der Studenten maßgeblich beeinflussen. Liebesbeziehungen zwischen Lehrern und Studenten könnten von beiden Seiten instrumentalisiert werden. Sie gefährden die Unterrichts- und Forschungsaktivitäten an Hochschulen und sollten deswegen streng verboten werden."
Seine These wirkte auf viele wie ein Stein, der mit großer Wucht ins Wasser stürzt. Am lautesten hört sich das Echo so an:
„Reden wir denn nicht immer von der Freiheit der Liebe?"
„Lässt sich die Zuneigung füreinander wirklich durch ein Verbot unterbinden?"
Laut Meinungsumfragen verschiedener Quellen sprechen sich bis zu 90 Prozent der Internetuser gegen den Professor aus. Einige warnen vor der Verwechselung von Hochschulskandalen und Liebe zwischen Lehrern und Studenten. Für sie ist die Liebe nicht zu tadeln, wenn sie keinen praktischen Absichten unterworfen ist. Der Internetuser Baiyutangbao hinterlässt zu einem entsprechenden Artikel der Zeitschrift Vista seinen Kommentar:
„Ich erzähle euch eine wahre Geschichte. Ein guter Kumpel hat sich an der Oberschule in seine Lehrerin verliebt. Sie ist acht Jahre älter als er. Davon hat er den Eltern aber nie erzählt. Und dann war er schon 30 und schien immer noch ledig. Die Eltern fingen schon an, ihn zur Partnersuche zu drängen. Schließlich stellte er zwei Jahre später plötzlich seine damalige Lehrerin vor. Die Eltern waren so froh, dass er eine Freundin hatte. Dass sie einmal seine Lehrerin war, war total egal. Und im zweiten Jahr der Ehe haben sie Zwillinge bekommen."
Jia Yang, ein qualifizierter Psychotherapeut weist darauf hin, dass in vielen anderen Ländern, wie den USA, Japan und Deutschland, die Liebe zwischen Lehrern und Studenten ganz offiziell streng unterbunden ist. Bei Aufdeckung der verbotenen Affäre droht dem Lehrer die Kündigung. In Japan muss man sogar mit einer lebenslangen Suspendierung rechnen.
„Studenten haben meist einen geringeren Sozialisierungsgrad. In einer Beziehung mit Lehrern sind sie oft in der schwachen Position. Eine Trennung würde sich gravierend auf die Studentin auswirken und ihre Zukunft maßgeblich verändern."
Darüber hinaus stößt die Liebe an ihre Grenzen, wenn es um gegenübergestellte Menschengruppen geht, wie zum Beispiel Gläubige und Pfarrer, Ärzte und Patienten, Vorgesetzte und Angestellte oder Anwälte und Kunden. Therapeut Jia nimmt sein Gewerbe als Beispiel.
„In unserer Branche kann sich auch Zuneigung zu Patienten entwickeln. Mit der Offenlegung der eigenen Innenwelt könnten die Patienten Gefühle für ihre Therapeuten aufbauen. Deshalb schreibt der Verhaltenskodex für Psychologen vor, dass Beziehungen zwischen ihnen und ihren Kunden erst zwei Jahre nach dem Abschluss der Behandlung gestattet sind."
BWL-Student Chen Xie bringt es, was die Uni betrifft, auf den Punkt:
„Jeder hat ein Recht auf die Liebe. Aber Liebesbeziehungen zu Lehrern können nicht makellos sein. Wenn sie nach dem Studienabschluss stattfinden, ist es durchaus OK. Aber bis dahin lieber Vorsicht walten lassen."
verfasst und gesprochen von Li Zheng



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