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Quanzhou – ein historischer Hafen für Kulturen
  2015-11-19 15:22:13  cri

Die Stadt Quanzhou liegt im Südosten der chinesischen Provinz Fujian. Sie grenzt im Norden an Fuzhou und im Süden an Xiamen. Im Osten ist Quanzhou durch das Meer von der Insel Taiwan getrennt. Die Stadt war in der Vergangenheit lange Zeit ein wichtiger Hafen Chinas. Während der Tang-Dynastie war Quanzhou einer der größten Häfen der Welt und galt als Ausgangspunkt der historischen maritimen Seidenstraße.

In der Vergangenheit kamen Zehntausende Geschäftsleute, Missionare, Abgesandte und Reisende aus Asien, Afrika und Europa nach Quanzhou in der chinesischen Provinz Fujian, den großen Hafen des Ostens, um ihren Traum von Reichtum zu verwirklichen. Die Führerin des Seeverkehrsmuseums von Quanzhou, Wu Qiuwen, erklärt:

„Die frühen Einwohner der Stadt Quanzhou waren Angehörige der Minyue-Nationalität. Sie haben sich schon in alten Zeiten sehr gut auf Seefahrt und Schiffbau verstanden. Dies war die Voraussetzung für die maritime Seidenstraße. Der Hafen Quanzhou wurde damals „Zaitun" genannt. Auf Arabisch wird es „Zayton" ausgesprochen und bedeutet Olivenbaum. In der Tang-Dynastie begann sich der Handelshafen zu entwickeln und während der Song- und der Yuan-Dynastie erlebte die Stadt ihren Höhepunkt."

Während der Song- und der Yuan-Dynastie wurde Quanzhou als größter Hafen im Osten gepriesen. Auch der internationale Handel entwickelte sich dort prächtig und Quanzhou wurde zu einem Zentrum für internationalen Kulturaustausch. Händler und Reisende aus aller Welt haben nicht nur große Profite mitgenommen, sondern auch ihre Religionskulturen mitgebracht. Auf diesem Weg strömten alle wichtigen Religionen der damaligen Zeit, also Islam, Hinduismus, Katholizismus, Nestorianismus, Manichäismus und das Judentum nach Quanzhou. In einer Halle für religiöse Steinschnitzereien des Seeverkehrsmuseums werden hunderte Schnitzereien von ausländischen Händlern, Missionaren und ihren Nachfahren aus der Song- und der Yuan-Dynastie aufbewahrt.

„Die Integrierung von Religionen in Quanzhou ist sehr hoch. Christentum, Katholizismus, Islam, Buddhismus, Daoismus und Konfuzianismus sind alle mit eingeschlossen. Die Schnitzereien zeigen, dass kaum eine Religion alleine existiert hat. Sie alle beweisen zwei bis drei Religionen zur gleichen Zeit. Es ist auch zu sehen, dass sich Ausländer und Einheimische in der Song- und der Yuan-Dynastie sehr gut verstanden haben. Verschiedene Religionskulturen sind dabei auch miteinander verschmolzen."

Michael Rowlands, Professor der Universität London, sagte bei einem Besuch des Museums:

„In diesem Museum kann man so viele interessante Exponate sehen. Die Kulturen, die Kunst und die Geschichte besitzen große Anziehungskraft. Sie zeigen die häufigen Kontakte zwischen verschiedenen Staaten. Damals kamen so viele ausländische Händler nach Quanzhou, was mich sehr überrascht. Ich möchte noch mehr darüber erfahren."

Wu Qiuwen zufolge wurde der Aufschwung des Hafens in Quanzhou durch den Einfluss eines „Meerverbotes" in der Ming- und der Qing-Dynastie beendet. Viele Einheimische wurden dadurch dazu getrieben in andere Regionen Südostasiens zu ziehen. Inzwischen ist Quanzhou daher hauptsächlich Heimat von Emigranten mit chinesischen Wurzeln. Viele ältere Generationen chinesischer Auswanderer kehren nach Quanzhou zurück, um ein Gefühl von Heimat zu suchen.

Han Shanyuan besucht das Museum mit einer Gruppe aus Singapur. Er ist der ehemalige Redakteur von „Lianhe Zaobao", einer chinesischsprachigen Tageszeitung aus Singapur. Er ist voller Stolz, wenn er über die traditionelle Kultur seines Vaterlandes spricht.

„Es gibt bei uns in Singapur viele Kulturverbände, wie den Jinjiang Verband, den Nan'an Verband und den Tong'an Verband. In jedem Verband werden jährlich Kulturklassen veranstaltet. Sie reisen nach China, um etwas über die Kultur zu lernen. Ich finde, wir Chinesen sollten unsere Kultur und unser Nationalbewusstsein bewahren."

Die tiefgreifende Kultur und Geschichte von Quanzhou zögen sie immer wieder an, so Han Shanyuan weiter. Dieses Mal wolle die Kulturklasse die Geschichte der Reise vom Admiral Zheng He in den Westen erforschen. Zheng unternahm mit großen Flotten zwischen 1405 und 1433 sieben große Expeditionen in den Pazifik und den Indischen Ozean.

„Wir haben über chinesische Geschichte und Kultur gelernt und haben das Gefühl, dass Zheng He sehr offen war. Er war Muslim, aber respektierte den Volksglauben an die Himmelskönigin Matsu. Von seinem offenen Denken sollten wir lernen. Viele Menschen auf der Welt haben ein falsches Verständnis von China und glauben, dass China geschlossen sei. Wenn sie nach Quanzhou reisen und über die chinesische Geschichte lernen, merken sie, wie offen China in der Tang- und der Song-Dynastie war und auch wie willkommen Händler und kulturelle und religiöse Persönlichkeiten in China waren. In der Tang-Dynastie war Quanzhou gemeinsam mit der Hauptstadt Chang'an eine internationale Metropole."

Offenheit und eine tolerante Kultur sind Eigenschaften von Quanzhou, die die Aufmerksamkeit von immer mehr Leuten anziehen. Und wer einmal in Quanzhou ist, wird sehr schnell merken, dass Toleranz und Harmonie die „Schlüsselwörter" der Stadt sind.

Übersetzt von: Yu Yue

Gesprochen von: Xi Jing

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