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Taicang – eine chinesische Heimat für deutsche Firmen
  2015-10-29 15:51:13  cri

Rund 48 Kilometer nordwestlich der Metropole Shanghai liegt in der Provinz Jiangsu die Stadt Taicang. Von hier aus leitete Zheng He, ein berühmter chinesischer Seefahrer, sieben große Expeditionen über alle Weltmeere und erreichte dabei vermutlich bereits vor Kolumbus Amerika. Die traditionellen Saiten- und Holzblasinstrumente aus Jiangnan, dem Gebiet südlich des Jangtse-Deltas, stammen ebenfalls aus Taicang. Gleichzeitig ist Taicang bekannt für seine angenehmen Lebenskonditionen und wurde vier Jahre in Folge zur „glücklichsten Stadt" Chinas erklärt.

Taicang befindet sich mit seinen rund 700.000 Einwohnern im Jangtse-Delta – einer der wichtigsten chinesischen Regionen für den Werkzeugmaschinenbau. 1993 hat sich das erste deutsche Unternehmen, Kern-Liebers, in der für chinesische Verhältnisse kleinen Stadt niedergelassen. Gut 20 Jahre später sind 220 deutsche Unternehmen in Taicang zu Hause, darunter große Namen wie die Schäffler AG, Bayer, Siemens und Trumpf. Sie prägen die Hafenstadt so sehr, dass man von einer „Heimat deutscher Firmen mitten in China" spricht.

Der stellvertretenden Bürgermeisterin von Taicang, Lu Yan, zufolge spezialisieren sich die deutschen Unternehmen in Taicang hauptsächlich auf Feinmechanik, Autozubehör und moderne Werkstoffe.

„Warum ist Taicang für deutsche Firmen attraktiv? Neben dem Standortvorteil, einer fundierten industriellen Basis und den konkurrenzfähigen Kosten hat sich Taicang in den letzten über 20 Jahren darauf konzentriert, ein internationales, dynamisches und gesundes Geschäftsumfeld sowie ein angenehmes und nachhaltiges Lebensumfeld zu schaffen."

Während sich Institute wie das Deutsch-Chinesische Kooperationszentrum für Umwelttechnik, das Deutsche Ausbildungszentrum für Werkzeugmechaniker und das Vertretungsbüro der deutschen Auslandshandelskammer (AHK) im chinesischen Taicang niedergelassen haben, veranstaltet die Taicanger Stadtregierung seit 2008 in unterschiedlichen deutschen Städten einen „Taicang-Tag", um sich jedes Jahr erneut vielseitig in Deutschland zu präsentieren. Diese Präsentation hat nicht nur die Stadt Taicang in Deutschland immer bekannter gemacht, sondern auch die bilaterale Kooperation in allen Bereichen intensiviert. Rudolf Scharping, der deutsche Ex-Verteidigungsminister und geschäftsführender Gesellschafter der Rudolf Scharping Strategie Beratung Kommunikation GmbH (RSBK), schildert seinen Eindruck der Stadt:

„Ich muss zunächst sagen, ich bin bisher schon einige Mal in Taicang gewesen, wegen deutscher Unternehmen, wegen der Zusammenarbeit mit chinesischen Unternehmen und ich habe immer von den deutschen Unternehmen nur ein großes Lob gehört, über Taicang als Standort und über die Verwaltung und die politische Führung in Taicang, wenn es um ausländische Unternehmen, insbesondere um deutsche Unternehmen geht. Der große Vorteil ist, dass die erste Ansiedlung eines deutschen Unternehmens in Taicang schon über 20 Jahre zurückliegt. Das heißt deutsche Unternehmen finden hier andere Unternehmen aus Deutschland, mit denen man eine Brücke nach Taicang bauen kann. Und auf der anderen Seite: In Taicang gibt es sehr viele erfahrene Leute, was die Zusammenarbeit mit ausländischen, in diesem Fall mit deutschen Unternehmen angeht."

Dieser Meinung kann der Vorsitzende der DUSA – European Association Suzhou, Lothar Grad, nur zustimmen:

„Wir sehen eigentlich gerade in Taicang eine hochprofessionelle Administration, die sehr positiv, sehr unterstützungsgerichtet ist und die spezifische Anreize bietet, das zu machen. Wir sehen schon, dass eben eine sehr intensive Förderungspolitik betrieben wird. Gleichzeitig sehen wir auch, dass in den letzten zwei Jahren natürlich eine, ja, eine Veränderung der Förderrichtung. Also es wird heute eben weniger die reine Produktion gefördert, sondern sehr viel stärker Forschung, Entwicklung, Werkzeugbau. Also die Entwicklung letztendlich von neuen Technologien um eben die Wertschöpfungskette auszudehnen und letztendlich auch mehr Verwaltung hinzukriegen."

Darüber hinaus haben die Deutschen ihre Kultur und Gepflogenheiten in den Ort mit dem geschichtlich bedeutenden Hafen gebracht. Die Lebensweise, der Humanitätsgedanke und andere Charaktereigenschaften der Deutschen werden durch umfangreiche Veranstaltungsserien wie „Deutschland und China – Gemeinsam in Bewegung ", das „Oktoberfest", die „Messe der wissenschaftlichen und technischen Errungenschaften deutscher Unternehmen" und „Chinesisch-deutsche Freundschaftsfußballspiele" in die Taicanger Kultur integriert. Auch die Idee, ein Germantown in Taicang zu errichten, will die lokale Regierung in naher Zukunft verwirklichen.

„Aufgrund des Entwurfs eines deutschen Stadtplaners haben wir bereits mit den Vorbereitungen angefangen. Mit Unterstützung unserer deutschen Partner wird das Projekt ungefähr drei Jahren dauern. In diesem Germantown werden vor allem das Ausbildungssystem und der Gesundheitsdienst nach deutschem Vorbild eingerichtet. Auf einer Fläche von etwa 100.000 Quadratmetern können Deutsche dann ein neues Zuhause finden. Aber nicht nur die deutschen Mitarbeiter von Unternehmen in Taicang, auch die Einheimischen werden sich in dieser modernen, zivilisierten und gemütlichen Gemeinschaft wohlfühlen."

Übersetzt von: Ruan Jiawen 

Gesprochen von: Li Zheng

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