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Ding Junhui – Das Snooker-Wunderkind ist erwachsen geworden
  2015-06-08 14:50:49  cri


Die Regeln von Snooker sind wohl nur den wenigsten wirklich klar, das ist auch in China nicht anders. Doch einen Snooker-Profi kennen hier alle, die zumindest einmal eines der vielen Billardsalons des Landes von innen gesehen haben:

Ding Junhui. Der heute 28-Jährige hat es Ende 2014 als erster Asiate auf Rang 1 der Snooker-Weltrangliste geschafft – in China ist er schon seit über einem Jahrzehnt ein Superstar.

Als neunjähriger begann der Mann aus Jiangsu im Osten Chinas mit dem Snooker. Sein Vater erkannte das Talent des Sohnemanns und die Familie entschied sich alles auf eine Karte zu setzen: Das Haus wurde verkauft, die Karriere des kleinen Ding akribisch geplant. Damals wurden er und seine Eltern noch von allen Seiten belächelt, heute ist Ding Junhui der ganze Stolz seiner Heimatstad.

„Nachdem er so berühmt geworden ist, waren wir echt erstaunt. Denn als er klein war, und wir hörten, dass er Snooker trainiert, dafür sogar nach Guangzhou fährt, dachten wir, was soll das bringen? Dann eines Tages hörten wir, dass er ein Weltklasse-Spieler sei. Da waren wir baff. Das ist in unserem Stadtteil natürlich einmalig.

Doch der Weg in die Weltspitze des Snooker war kein Kinderspiel, auch nicht für das „Wunderkind", wie er in den chinesischen Medien schon früh genannt wurde. Acht Stunden am Tag beugte er sich über den Tisch und verfeinerte sein Spiel. Mit 15 gewann Ding als jüngster Spieler aller Zeiten die Asiatischen Meisterschaften und wurde ein Jahr später, 2003, Profi.

Zwei Jahre danach wurde er auf einen Schlag vom Snooker-Talent zum nationalen Star. Ding gewann als 18-Jähriger sein erstes Ranglistenturnier auf der Profitour, natürlich die China Open in seiner Heimat.

Etwa 110 Millionen Menschen sahen dieses Match – Zuschauerzahlen die alles in der Snooker-Welt da gewesene pulverisierten.

Als Ding auch noch bei den prestigeträchtigen UK Championships triumphierte, wurde er schon mit seinem Vorbild, dem Engländer Ronnie O`Sullivan verglichen – für viele der beste Snooker-Spieler aller Zeiten. Doch nach weiteren Turniersiegen verlor das chinesische Wunderkind irgendwann seine jugendhafte Leichtigkeit. Auch den Umgang mit dem Druck und vor allem mit den Medien musste Ding Junhui erst lernen.

„Hat doch jeder gesehen, dass ich superschlecht gespielt habe. Ich habe keine Lust mehr, etwas zu sagen."

Kein Wunder, die internationale Snooker-Gemeinschaft, die englische Sprache, alles eine neue Welt für den jungen Chinesen – und dazu noch die immensen Erfolgserwartungen aus der Heimat. Der zurückhaltende Ding erschien vielen als gefühlskalt und unnahbar. Doch mit den Jahren wurde aus dem weinenden Jüngling, wie bei der Masters-Finalniederlage 2007 gegen Vorbild O`Sullivan, über die Jahre ein zwar immer noch reservierter, aber doch offener Mann, der sich auch außerhalb Chinas wohl fühlt. Das Pokerface am Tisch hat er aber beibehalten.

Mit der neuen Lockerheit in den Interviews und dem Pokerface im Wettkampf kamen auch die Erfolge zurück. In der Saison 2009 holte er zum zweiten Mal die angesehenen UK Championships und in der Saison 2013/2014 hatte er seine bislang beeindruckendste Siegesserie hingelegt. Er gewann vier große Weltranglistenturniere Erfolge – das war zuvor das letzte Mal 1990 einem Snooker-Profi gelungen. Nach dieser Hochphase und auf Platz drei der Weltrangliste stehend, peilte er naturgemäß das nächste Ziel an.

„Es ist nicht weit entfernt, doch je näher man der Spitze ist, desto härter wird es. Der letzte Schritt ist der schwierigste. Aber ich habe die Chance, die Nummer eins der Welt zu werden."

Und er sollte recht behalten. Um den Jahreswechsel 2014/2015 wurde Ding Junhui, das chinesische Wunderkind, auf Platz 1 der Weltrangliste geführt. Zwar nur für insgesamt rund drei Wochen, aber immerhin. Ein wichtiger Titel fehlt dem 28-Jährigen jedoch bis heute: ein Sieg bei der Snooker-Weltmeisterschaft. Aber 28 ist im Snookersport ja beileibe noch kein Alter.

Text und Sprecher: Kamil Wysocki

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