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Auf die Plätze, fertig, los! - Taubenrennen in Beijing
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Auf einem Dach in einem östlichen Vorort von Beijing machen sich Tauben für das tägliche Training bereit.
Liu Zhen schickt den Schwarm in die Lüfte. Bald kreisen die Vögel über seinem Haus. Es ist alles Teil des täglichen Trainings von Liu Zhens Tauben, mit denen er jährlich im Frühling und Herbst an Tauben-Wettrennen teilnimmt.
„Meine Tauben sind ein wenig schwach, deshalb können sie nur in kleinen Kreisen über meinem Haus fliegen. Wenn Tauben einen starken und gesunden Körper haben, können sie große Kreise fliegen. Manchmal können sie so weit fliegen, dass man sie während der täglichen Übung nicht mehr sehen kann."

Liu Zhen sieht den kreisenden Vögeln zu, dann bläst er in eine leuchtend orange Pfeife, um den Tauben das Signal zur Heimkehr zu geben.
Mit ein wenig Vogelfutter ist Liu Zhen in der Lage, die Tauben wieder in den Stall zu locken.
Taubenrennen sind auf dem Weg, ein großes Geschäft in China zu werden. Mit einer Vielzahl von Vereinen, die saisonale Wettbewerbe veranstalten, zieht die Branche Teilnehmer aus allen Gesellschaftsschichten an. Einige größere Wettkämpfe bieten sogar Gewinne im Wert von einer Millionen Yuan RMB, umgerechnet ungefähr 148.000 Euro.
Yao Dongliang, Manager eines Vereins für Taubenrennen, sagt, Taubenrennen sei ein ernstes Geschäft geworden.
„Die Methoden und Technologien, mit der die Zeit und Entfernung einer Taube berechnet werden, haben sich sehr verändert. Vorher wurde ein versiegelter Gummistreifen an das Bein der Taube gebunden. Wenn die Taube zurück war, mussten die Teilnehmer die Zeit und Entfernung schriftlich festhalten. Heutzutage werden bei den Rennen elektronische Technologien verwendet. Indem man ein kleines Etikett am Bein der Taube scannt, kann die Zeit und Entfernung der Taube automatisch berechnet werden, wenn sie zurückfliegt."
Über Nacht fährt ein Lkw mit den Vögeln zum Startpunkt des Wettkampfs. Die Tauben werden an einen ländlichen Ort außerhalb Beijings gebracht. Dort werden sie freigelassen und diese fliegen zum Haus ihrer Besitzer zurück. Sobald der Lkw am Startpunkt ankommt, öffnen Mitarbeiter die Käfige. Tausende von Tauben fliegen aus allen Ecken des Wagens und erheben sich in die Lüfte.
Sobald die Tauben weg sind, macht sich auch der Lkw auf seine lange Reise zurück nach Beijing. Wegen des starken Verkehrs der Hauptstadt kommen die Vögel jedoch häufig schneller in der Stadt an.
Auf seinem Balkon schaut Wettkampfteilnehmer Liu Zhen nervös in den Himmel. Das heutige Rennen geht über 300 Kilometer. Seine Tauben brauchen dafür normalerweise etwa dreieinhalb Stunden. Aber der Himmel ist bewölkt und er erklärt, dass dies den Orientierungssinn der Vögel beeinflussen könne.
„Ich nutze sowohl ausgewachsene als auch junge Tauben für die Rennen, sie sind wie Erwachsene und Kinder. Die jungen Tauben haben eine schwächere Fähigkeit, sich an kompliziertes Wetter anzupassen. Die ersten, die zurückkommen, sind normalerweise die ausgewachsenen Tauben und jene, die bereits an mehr als einem Rennen teilgenommen haben."
Nach viereinhalb Stunden wird Liu nervös. Er ruft andere Wettbewerbsteilnehmer an, um zu wissen, ob ihre Tauben nach Hause gekommen sind.
Nach fünf Stunden ist endlich eine Taube am Horizont zu sehen. Liu nimmt seine Pfeife und beginnt zu zwitschern. Er führt den Vogel in den Taubenstall und geht zu seinem Laptop, um die Platzierungen des Wettbewerbs anzusehen.
Dieses Mal gibt es allerdings kein Preisgeld für Lius Vögel. Am Ende fanden nur neun seiner 30 Vögel wieder zurück in den Stall. Das ist eines der Risiken, den die Teilnehmer der Taubenrennen begegnen müssen. Aber es ist nicht genug, um sie davon abzuhalten, ihr Hobby auszuüben. Und so ist es in Beijing schon seit Generationen der Fall.
Verfasst von: Liu Xinyue
Gesprochen von: Liu Xinyue



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