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201503-Wutong
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"Die Sheng ist eines der ältesten chinesischen Blasinstrumente und kann auf eine Geschichte von über 3000 Jahren zurückblicken. Shengstücke klingen zwar sehr gut, werden aber von den Leuten heute kaum beachtet. Als ich noch ganz klein war, wurde mir die chinesische Volksmusik nahe gebracht. Und ich glaubte, dass es viele Entwicklungsmöglichkeiten gibt."
Wu Tongs ganze Familie ist mit alten chinesischen Instrumenten beschäftigt, sie werden sowohl gespielt als auch gebaut. Als Wu fünf Jahre alt war, musste er die Sheng lernen, ein Instrument, das nicht unbedingt zu seinen liebsten zählte. Mit elf, nachdem er zum ersten Mal auf dem Blasinstrument improvisierte, sprang der Zauber über.
1990 ging Wu ans Zentrale Musikkonservatorium. Die meiste Zeit seines Studiums verbrachte er mit der Gruppe „Again", einer Rockband, die er mit einigen Kommilitonen gegründet hatte.
"Again" verwendete als erste Band chinesische Idiome in der Rockmusik. Dabei kamen auch viele chinesische Musikinstrumente wie die Pipa ins Spiel. Damals zeigte Wu großes Interesse daran, die Stereotypen der chinesischen Musik zu brechen. Und die Rockmusik war für ihn eine gute Wahl. Vier Alben hatte „Again" veröffentlicht, bevor Wu klar wurde, dass die Rockmusik seine Entwicklung beschränkte. Was er suchte, war eine noch offenere musikalische Idee.
Im Jahr 2000 kam eine neue Chance, als er zur Teilnahme an dem Seiden-Straße-Ensemble eingeladen wurde. Gegründet hat dieses Ensemble, das Musiker aus aller Welt zusammen bringt, der bekannte chinesische Cellist Yo-Yo Ma. Austausch und gemeinsames Musizieren stehen im Vordergrund. Wo Tong erklärt:
"Das Ensemble sieht wie eine UNO in Miniformat aus, da sich dort Musiker aus verschiedenen Ländern versammeln. Man könnte das als eine Musikutopie bezeichnen, aber wir machen ziemliche Fortschritte bei der Umsetzung unserer Ideen. Wir spielen schon seit über zehn Jahren zusammen. "
Neben dem Blasinstrument Sheng aus China kann man in dem Ensemble traditionelle Musikinstrumente aus verschiedenen Ländern bewundern: Duduk, ein Holzblasinstrument aus Armenien, die japanische Bambusflöte Shakuhachi und auch Morin khuur, die mongolische Pferdekopfgeige, um nur einige zu nennen.
Diverse musikalische Stile und Traditionen haben das Blickfeld von Wu Tong erweitert. Heute hat er das Bedürfnis, sich wieder mehr mit der Musik seiner Kindheit auseinanderzusetzen, beispielsweise der chinesischen Oper, aber auch Pop-Musik.
"Als ich einmal auf der Bühne die Sheng spielte, begleitete mich ein Musiker aus Indien spontan mit seiner indischen Trommel. Wir hatten noch nie zusammen gespielt. Wir haben sozusagen über unsere Instrumente miteinander kommuniziert. Das war wirklich eine außergewöhnliche Erfahrung."
Während eines Auftritts in den Vereinigten Staaten improvisierte der Musiker auch einen Jimi Hendrix-Song mit der Sheng:
"Wenn wir genug Geduld haben, können wir Harmonie zwischen der traditionellen und modernen Musik finden. Was mir am meisten an Crossover gefällt, ist die Toleranz von und der Respekt für verschiedenste Stile und musisches Denken. Obwohl Musiker aus verschiedenen Regionen verschiedene Stile mitbringen, wollen wir im Grunde alle das gleiche ausdrücken. Crossover-Musik ist der einfachste Weg, Völkern zu zeigen, dass wir alle harmonisch zusammenleben können.
Wu Tong singt heute nicht mehr bei "Again". Er hat eine neue Gruppe namens „Magpie" gegründet, die traditionelle chinesische Musik mit Instrumenten wie Geige, Pipa, Gitarre und Sheng neu interpretiert.
"Ich bin sehr glücklich, in einem Zeitalter zu leben, in dem Musiker so viele verschiedene kulturelle Hintergründe erleben dürfen. Die Ideen, die ich aus der Tradition ziehe, geben mir mehr Kraft für die Zukunft. Was für eine Musik ich auch spiele, es wird immer darum gehen, dass ich Chinese bin und meine Lebenserfahrungen teile."
Übersetzt von Zhang Chen
Gesprochen von Xi Jing



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