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2. Februar – endlich können die Haare ab!
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Im ersten Monat des Mondjahres machen in den Medien jedes Jahr Geschichten die Runde, dass irgendwo in China ein Frisörbesuch zum Familienstreit geführt hat. So wurde vor etwa drei Wochen aus der nordostchinesischen Provinz Jilin berichtet, dass ein Mann seinen Onkel mütterlicherseits (chin. Jiu Jiu) in Rage brachte, da er sich heimlich einen neuen Haarschnitt gegönnt hatte.
Der Grund für diesen nicht ungewöhnlichen Konflikt ist ein chinesisches Sprichwort, welches über die Jahrhunderte zu einem handfesten Aberglauben geworden ist: Wer sich vor dem zweiten Tag des zweiten Monats nach dem Mondkalender seine Haare schneiden lasse, dessen Onkel mütterlicherseits werde sterben.
Die Nutznießer des Aberglaubens sind natürlich die Friseure. Sun Yongcheng, Geschäftsleiter eines großen Friseursalons in der nordostchinesischen Metropole Shenyang, freut sich jedes Jahr über die Gästeflut Anfang Februar nach dem Mondkalender.
„Im Vergleich zu den normalen Tagen haben wir am zweiten Tag des zweiten Monats etwa vier- bis fünfmal so viele Reservierungen, und dann kommen noch die Gäste ohne Termin hinzu. Unsere Frisöre haben nicht mal Zeit zum Essen."
Frisör A-Gui verrät uns, dass es verschiedene Formen dieses Aberglaubens gibt.
„Wenn sich Kinder an diesem Tag die Haare schneiden lassen, dann werden sie gesund aufwachsen. Für die Erwachsenen verheißt es viel Glück im neuen Jahr. Bei den Männern bezeichnen wir es als „Ti Long Tou", also „Drachen-Haarschnitt". Die Frauen sollen hingegen erst am dritten Tag des zweiten Monats zum Frisör gehen und sich einen „Ti Feng Tou", einen „Phönix-Haarschnitt" verpassen."
Wang Zuoyi ist Experte für alte Sitten und Gebräuche Chinas. Er erklärt die historische Bedeutung des Haareschneidens am zweiten bzw. dritten Tag des zweiten Monats .
„Von alters her werden Männer und Frauen in China als Drachen bzw. Phönixe bezeichnet. Beide Tiere sind glückverheißend. Bei einem traditionellen chinesischen Haarschnitt wird der Kopf zunächst gesenkt und die Haare auf der Kopfrückseite geschnitten. Dann erst hebt man den Kopf wieder an. Nach dem Mondkalender nähert sich ab dem zweiten Tag des zweiten Monats der Frühlingsbeginn. Egal ob man die Schule besucht, ein Geschäft betreibt oder das Feld bestellt, es wird für alle Zeit die Köpfe zu erheben, rauszugehen und die frische Luft zu spüren."
In Nordchina wird dieses Volksfest noch von weiteren Aktivitäten begleitet. In der Hauptstadt Beijing soll man an diesem Tag beispielsweise „Long Dan" essen, wörtlich übersetzt „Drachen-Galle". Dabei handelt es sich um eine Art frittierten Kuchen. Li Qiuhua, Generaldirektorin der bekannten Beijinger Imbiss-Kette Huguosi, erzählt uns den Hintergrund dieses Brauchs.
„Am zweiten Tag des zweiten Monats hebt der Drache seinen Kopf. Wenn man an diesem Tag die „Drache-Galle" isst, dann wird man ein glückliches Jahr haben. Deswegen werden bei uns an jedem Eryueer mehr als zehntausend Portionen der „Drachen-Galle" verkauft."
Die „Drachen-Galle" besteht aus klebrigem Reismehl, der zunächst zu einem Teig geknetet und dann in kleine ovale Stücke geschnitten und frittiert wird.
Im Nordosten Chinas wird an diesem Tag traditionell „Zhu Tou Rou" gegessen, also Fleisch vom Schweinekopf, da es eine traditionelle Opfergabe für den Drachenkönig ist. Dazu isst man Nudeln als Hauptspeise, denn Nudeln haben in China noch einen anderen Namen, nämlich „Long Xu", der „Drachenbart".
Verfasst von: Zhu Liwen
Gesprochen von: Lü Xiqian



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