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Zwei Wochen China – Ein etwas anderer Schüleraustausch
  2014-12-04 11:02:52  cri

Zwei Wochen Schüleraustausch in China, für viele undenkbar, für Schüler des St.-Georg-Gymnasiums im nordrheinwestfälischen Bocholt jedoch Realität. Schon seit 2001 haben alle zwei Jahre etwa 20 Schüler aus zwei Jahrgangsstufen die Gelegenheit an einem Austausch mit der Wuxi Highschool No. 1 in der ostchinesischen Provinz Jiangsu teilzunehmen. Auch unsere Reporterin Sabrina Sicking kam 2008 auf diesem Weg zum ersten Mal nach China und hat sechs Jahre später die Teilnehmer auf ihrem Weg durch Beijing begleitet.

Bocholt ist eine kleine unscheinbare Stadt an der deutsch-niederländischen Grenze mit rund 71.000 Einwohnern. Dennoch hat sie etwas Besonderes zu bieten, zumindest beim St.-Georg Gymnasium. Die Schüler der 10. und 11. Klasse erhalten hier alle zwei Jahre die Gelegenheit, für zwei Wochen nach China zu gehen. Früher hatten noch die Schüler der 12. und 13. Stufe diese Chance. Heute sind sie also noch etwas jünger, wenn es auf die Reise geht. Jedes andere Jahr nehmen dann eben diese Schüler für zwei Wochen auch einen Teilnehmer aus China von der Wuxi Highschool No.1 bei sich zu Hause auf.

Die Aktivitäten für die deutschen Schüler in China sind auch im Jahr 2014 vielfältig. Neben der Stadt Wuxi und ihren Sehenswürdigkeiten stehen Tagesreisen in die umliegenden Städte sowie mehrere Tage in Beijing und Shanghai auf dem Programm. Bei den ganzen Besuchen in Parks und Tempeln bleibt allerdings nur ein Tag, den die deutschen Schüler mit den chinesischen Austauschfamilien verbringen. Während die einen das für viel zu wenig halten, ist es für andere, als seien sie ein weiteres Mitglied der Familie, wie die 15-jährige Josefine erzählt.

„Ich bin da rein gekommen und die Mutter hat mich sofort umarmt und alle anderen auch und ich habe mich sofort gefühlt, als wäre ich selber ein Familienmitglied. Ich wurde gefüttert und alles Mögliche. Ich saß mit den Großeltern zusammen, wir haben zusammen gekocht und zusammen gegessen und gelacht. Ja, also ich war sofort ein Familienmitglied."

Für die deutschen Schüler ist es natürlich dennoch eine Umgewöhnung. Sie sind in einer fremden Kultur mit fremdem Essen und einer Sprache, die sie weder verstehen, noch selber sprechen können. Zwar haben die Schüler im Vorfeld einen kleinen China-Crashkurs bekommen, wirklich auf das Reich der Mitte vorbereiten konnte er sie aber nicht. Eine besondere Herausforderung für die Begleitpersonen sieht Volker Erdmann trotzdem nicht. Er ist Lehrer am St-Georg-Gymnasium und für den China-Austausch zuständig. Er begleitet die Schüler 2014 bereits zum zweiten Mal.

„Als ich zum ersten Mal hier war, vor zwei Jahren, war es so, dass ich erstaunt darüber war, wie modern das Land ist und wie westlich das Land eigentlich ist. Aber so, dass man sagen würde, wenn ich jetzt dieses Land mit einer Schülergruppe bereise, habe ich eine besondere, habe ich besondere Herausforderungen, fällt mir jetzt so spontan nichts ein, was das unterscheiden würde von einem Schüleraustausch in Frankreich zum Beispiel."

Aber China ist eben nicht Frankreich, und vieles von dem, was die Schüler in diesen zwei Wochen erleben und sehen, wird schon bald von ihrem Alltag verdrängt. Doch gibt es für jeden ganz eigene Highlights, die auch Jahre später noch in der Erinnerung sind. Für die einen ist es das Essen, für andere ein bestimmter Tempel. Auch der Kontakt zu den Austauschpartnern kann einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Für viele ist aber die Große Mauer die Sehenswürdigkeit, die sie am meisten beeindruckt hat. Die 16-jährige Julia versucht zu erklären, warum das chinesische Wahrzeichen ihr so gefällt.  

„Weil ich mir die ganz anders vorgestellt hätte. Zum einen halt überhaupt nicht so voll und wirklich so besucht. Und an anderen Stellen, dass sie einfach so verdammt steil war, dass es so anstrengend war da hochzulaufen. Das hätte ich überhaupt nicht gedacht, weil es ja auch schwierig ist, das irgendwie überhaupt zu bauen oder zu konstruieren."

Nach zwei Wochen Kulturschock und vielen unterschiedlichen Erlebnisberichten für die Freunde in Deutschland sind sich die Schüler aber einig: Wer die Chance hat, durch einen Austausch nach China zu gehen, sollte sie nutzen. Noch bieten nur wenige Schulen diese Gelegenheit, doch das könnte sich in Zukunft ändern. Eins ist jedenfalls sicher, ein Schüleraustausch in China ist eine interessante Erfahrung, die einem keiner nehmen kann. Aus persönlicher Erfahrung kann ich sagen: Er kann ein Leben verändern. Er kann dafür sorgen, dass man sich in das Land verliebt und dort eine Arbeitsstelle sucht. Ohne diesen Austausch könnte ich jetzt nicht für sie berichten. Das war Sabrina Sicking für Radio China International.

Geschrieben und gesprochen von: Sabrina Sicking

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