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Die Milch macht's – in China vor allem die deutsche?
  2014-09-17 14:30:04  cri

Das Gerücht, Chinesen würden keine Milch trinken, weil sie sie nicht vertragen, gehört längst in die Schublade der widerlegten Vorurteile. Milch und Milchprodukte werden gerade in den vergangenen Jahren immer stärker nachgefragt. Doch chinesische Konsumenten haben ein gestörtes Verhältnis zu Molkereiprodukten aus dem eigenen Land, aus gutem Grund. Der chinesische Milchproduktegigant Mengniu war neben anderen Herstellern 2008 in einen Melanin-Skandal verwickelt. Sechs Babys starben, mehr als 53.000 waren betroffen. Auch das beherzte Show-Milch-Trinken vom damaligen Mengniu CFO Yao Tongshan hat das Vertrauen chinesischer Konsumenten nicht zurückgewinnen können.

Und dann kam auch noch der Schlag aus dem Ausland: Fünf Jahre nach dem Melanin-Skandal erlitten im Sommer 2013 Lieferanten aus Neuseeland einen herben Rückschlag. Bis zu diesem Zeitpunkt stammten laut BBC, wohl auch als Reaktion auf 2008, nahezu alle Milchpulverimporte von der „grünen Insel" im Pazifik. Doch in Milchpulvern der Marke Fonterra wurden gefährliche Bakterien gefunden. China stoppte alle Importe. Eine Ursache für den Boom deutscher Marken in chinesischen Supermärkten?

Zhu Liwen ist Mutter einer kleinen Tochter. Vor 2008 hat die 33-Jährige immer zum chinesischen Produkt gegriffen. Seit die Kleine alt genug ist, kauft sie nur noch deutsche Milch. Die meisten Familien ohne Kinder würden immer noch zur chinesischen Milch greifen, sagt Zhu, denn sie schätzen die Gefahr für Erwachsene nicht so hoch ein. Aber bei Kindern wolle niemand ein Risiko eingehen. Für Zhu Liwen kommt auch noch ein anderer Punkt dazu. „Milch aus Deutschland schmeckt einfach besser", sagt sie.

Die Nachfrage nach Milchprodukten aus Deutschland steigt stetig. „Gründe dafür sind die hohe Qualität, das hohe Vertrauen, was den Produkten entgegengebracht wird – made in Germany zieht nicht nur bei Autos – und der gute Preis", weiß Dr. Björn Börgermann vom deutschen Milchverband. Interessant ist für Börgermann die Entwicklung der Preise, denn Milch aus dem Ausland ist in der Volksrepublik heute nicht mehr nur Privileg für Besserverdiener. Noch vor wenigen Jahren kostete der Liter importierte H-Milch in Beijing umgerechnet mindestens drei Euro. Mittlerweile starten die Preise dank dem großen Angebot bei nicht einmal der Hälfte. Dennoch dürften diese Margen deutsche Bauern, die seit Jahren über den Verfall der Preise im eigenen Land klagen, aufatmen lassen. Börgermann meint jedoch, „wenn man sich den Ausfuhrwert anschaut, so erhält den Löwenanteil der Differenz zwischen dem Preis in China und dem Verkaufspreis ab Werk in Deutschland nicht die deutsche Molkerei." Grundsätzlich gebe es aber auch keine Klagen zu diesem Aspekt, denn „in 2013 hatten wir den höchsten Erzeugerpreis seit 20 Jahren in Deutschland", erklärt Börgermann noch. Die Erträge für die Landwirte seien so gut gewesen, dass sie auch Superabgaben vielfach in Kauf genommen hätten. Letztendlich sei der Einzelhandel für die Preisentwicklung verantwortlich. Das ist in China nicht anders als in Deutschland.

Deutschland erzeugt so viel Milch wie nie zuvor. Der weltweite Export kurbelt die inländische Produktion an. In der Tat hat sich laut Milchverband die Ausfuhr von deutscher Konsummilch und Milchpulver seit Januar 2013 verdoppelt. H-Milch von Oldenburger, der Export-Marke des größten deutschen Molkereiunternehmens DMK, Weidendorf oder Suki, die kaum bekannt ist in Deutschland, steht in der Volksrepublik schon seit einiger Zeit hoch im Kurs. Und es kommen immer neue Anbieter hinzu. Ob sich das Geschäft vor dem Hintergrund der zunehmenden Konkurrenz noch lohnt bzw. inwiefern sich die chinesische Regierung gegenüber neuen Importeuren verhält, dazu wollte sich die seit Mai in Beijing ansässige Molkerei Ammerland, die in über 55 Länder weltweit exportiert, nicht äußern.

Die lokale Milchindustrie bemüht sich, erstklassige Produkte anzubieten. Mengniu hat seine Investitionen in Milchlieferanten erhöht. Viele Probleme entstehen durch die dezentralisierte Milchproduktion. Selbst der größte Molkereibetrieb des Landes, Modern Dairy, deckte mit der Lieferung von 97,5 Prozent seiner Rohmilch im Jahr 2011 nur sieben Prozent der Nachfrage von Mengniu ab, schrieb das Wall Street Journal. Die Qualitätskontrolle gestaltet sich schwierig.

Die chinesische Nachrichtenagentur Xinhua berichtete im Mai von stärkeren Regularien des Zentralamts für Qualitätsüberwachung, Inspektion und Quarantäne (AQSIQ) für Milchprodukte aus dem Ausland. Demnach dürfen ausschließlich behördlich registrierte Unternehmen ihre importierte Ware verkaufen. Diese Produkte müssen chinesischen Standards entsprechen und von der Behörde nach einer Prüfung genehmigt werden. 1122 ausländische Milchprodukte-Hersteller waren laut Xinhua bis Erscheinungsdatum des Berichts registriert.

Solange sich auf dem chinesischen Markt nichts grundlegend ändert und Bio-Milch, die zwar aus inländischer Produktion erhältlich, mit 4 Euro 80 pro Liter für viele aber einfach zu teuer ist, sehen die Chancen für die Deutschen auch in Zukunft gut aus. Das bestätigt Dr. Björn Börgermann vom Michverband. „Drittlandexporte werden weiter an Bedeutung zunehmen, sind aber nur ein Standbein von vielen, auch wenn wir noch nie so viele Milchprodukte nach China exportiert haben wie im letzten Jahr."

Text und Fotos, Marie Müller-Diesing

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