Wir über uns Kontakt Jobs Fragen? Archiv
Immer mehr Mischehen in China
  2014-07-09 10:35:57  CRI

 

 

2013 heirateten nach Angaben des Ministeriums für Zivile Angelegenheiten rund 55.000 Festlandchinesen einen Partner aus dem Ausland. In dieser Zahl eingeschlossen sind auch die Eheschließungen zwischen Festlandchinesen und Chinesen aus Hongkong, Macao und Taiwan. Im Jahr 2010 waren es noch zwölf Prozent weniger.

Der prozentuale Anteil der Männer und Frauen unter den chinesischen Ehepartnern geht aus der Statistik des Ministeriums für Zivile Angelegenheiten allerdings nicht hervor. Ebenfalls nicht ersichtlich sind das Alter sowie die Herkunftsländer der ausländischen Ehegatten.

Doch warum wollen immer mehr Chinesen Ausländer heiraten? Zhang Yuchen ist Journalistin und arbeitet bei der chinesischen Tageszeitung „China Daily". Sie hat sich mit dem Thema auseinandergesetzt und zwei wichtige Gründe festgestellt:

"Ein Grund ist, dass China heute offener ist. Deshalb kommen immer mehr Ausländer. Sie wollen hier leben und die chinesische Kultur noch besser kennenlernen. Einer Statistik zufolge ist die Zahl der Ausländer, die in China leben, in den vergangenen zehn Jahren um 35 Prozent gestiegen."

Ehe-Expertin Zhou Xiaopeng von der bekannten Dating-Webseite baihe.com erklärt, dass im Vergleich zu chinesischen Männern Aussehen und Alter der Frau für ausländische Männer weniger wichtig sind. Aus diesem Grund heiraten zunehmend mehr gut ausgebildete chinesische Frauen Männer aus dem Westen. Zudem erwähnt Zhou auch das ungleiche Geschlechterverhältnis, das sich in China im Zuge der Ein-Kind-Politik ergeben hat. Gemäß der jüngsten Volkszählung betrug das Verhältnis zwischen männlichen und weiblichen Geburten in China 118 zu 100. Mangels Alternative würden in abgelegenen und weniger entwickelten Regionen immer mehr Männer ausländische Frauen heiraten, so die Ehe-Expertin.

Wenn Ehepartner aus unterschiedlichen Ländern kommen, müssen sie meist mehr Schwierigkeiten überwinden. Ein Problem kann die Zustimmung der Eltern sein. Jonathan Alpart ist Moderator des Musikprogramms „The Sound Stage" von CRI und hat eine chinesische Frau. Er kann sich noch gut an das erste Treffen mit den Schwiegereltern erinnern.

"Meine Frau hat zunächst unsere Beziehung geheim gehalten. Ihre Mutter wäre nicht einverstanden, da sie sehr traditionell ist und viele Vorbehalte gegenüber Ausländern hat. Auch heute ist sie nicht glücklich über unsere Beziehung. Der Vater ist da offener. Obwohl ich Ausländer bin, beurteilt er mich objektiv und positiv. Das hat uns schließlich zum Happy End verholfen."

Neben dem Widerstand von außen kann die unterschiedliche Kultur auch intern zu Konflikten führen. Laut Alpart ist der kulturelle Unterschied tatsächlich ein großes Problem. Sehr viel Geduld und Verständnis nennt er als maßgeblich für Misch-Beziehungen:

"Ich komme aus Texas. Wenn ich dort eine Handtasche tragen würde, würde man wahrscheinlich auf mich schießen. Aber in China ist es ganz normal, dass der Mann die Tasche seiner Partnerin trägt. Bei einer unserer Verabredungen am Anfang wollte meine Frau, dass ich ihre Tasche nehme. Ich wollte das nicht und sie war sauer. Denn sie hatte das Gefühl, dass ich mich nicht um sie kümmern möchte. Und ich dachte, dass sie mich unter ihre Kontrolle bringen wollte." 

Trotz solcher Streitigkeiten hat eine Mischehe auch Vorteile, nämlich das Bewusstsein beider Ehepartner zu erweitern. Die Ehe bildet eine untrennbare Einheit und besteht aus zwei Hälften. Jeder bringt das ein, was er hat, sowohl die schlechten, als auch die guten Dinge. Wenn man die Differenzen gut und angemessen behandeln kann, wird die Ehe eine glückliche sein. Wie zum Beispiel die von US-Schauspieler Jonathan Kos-Read, in der Volksrepublik bekannt unter seinem chinesischen Namen „Cao Cao", und seiner chinesischen Frau:

"Viele denken, dass sich die Kultur der USA und Chinas total unterscheiden. Ich finde die Differenz nicht so groß, und all dies liegt in den Kleinigkeiten. Wir haben genauso Streit im Alltag wie andere Eheleute. Dabei spielen die kulturellen Unterschiede keine große Rolle."

© China Radio International.CRI. All Rights Reserved.
16A Shijingshan Road, Beijing, China