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Wer sich ein Tattoo stechen lässt, will es normalerweise auch für die Ewigkeit behalten, weshalb man sich auch gut überlegen sollte, was man sich wohin stechen lässt. Auf Jill Robinsons rechtem Schulterblatt gibt es eine Tätowierung, die zwei chinesische Zeichen zeigt, nämlich „月熊",was auf deutsch soviel bedeutet wie „Mond Bär". Dieses Tattoo soll also nicht den Geliebten aus der Jugendzeit gedenken, sondern einem Bären …
Vor zwanzig Jahren unternahm Jill Robinson, Gründerin von Animals Asia, eine Busreise in Guangzhou. Diese Busreise sollte ihr Leben verändern und führte auch zu einem besseren Verständnis für Tierschutz in China und in Vietnam.
Was Jill an diesem 17. April 1991 sah, sollte er nie wieder vergessen. Während der Farmer eifrig frische Bärengalle an die Busreisenden verkaufte, stahl Jill sich weg und schlich ein paar Steinstufen hinab in einen düsteren Kellerraum. Sie konnte es rascheln hören und auch seltsame ploppende Geräusche waren zu vernehmen. Nachdem sie sich an die Dunkelheit gewöhnt hatte bot sich ihr eine Horrorszene …
„Die Mondbären wurden in einer kleinen Kiste eingesperrt. Die Bären waren nackt und hatten keine Zähne mehr. Als ich näher heranging, berührte mich plötzlich etwas an der Schulter."
Einer der Bären streckte eine große Tatze durch die Gitterstäbe. Instinktiv griff Jill danach und nahm sie in ihre Hände. Jill sagte, der Bär hätte sich töten können, zumal Menschen nichts anderes für ihn bedeuten als Schmerz, doch habe er einfach nur ihre Finger gedrückt.
"Als unsere Hände sich berührten, wollten mir die Bären einfach nur etwas mitteilen."
In diesem Augenblick wusste Jill, dass sie die Wahl hatte. Und sie beschloss zu handeln. Jill nannte diesen Bären „Hong" und schwor, alles zu tun um der barbarischen Bärengalleindustrie das Handwerk zu legen.
Bärengalle wird seit Jahrtausenden in der Traditionellen Chinesischen Medizin eingesetzt, doch die industrielle Produktion begann in China erst in den frühen 1980er Jahren. In Nordkorea wurde ein Verfahren zur Gewinnung von Galle aus lebendigen Bären entwickelt. Dieses Verfahren fand seinen Weg nach China, wo es von Unternehmern aufgegriffen wurde und sie schließlich damit begannen, Mondbären in Käfige einzusperren und ihnen täglich die Galle abzuzapfen.
Jill begann ihre rastlose Arbeit in China, baute ein Netz Beziehungen auf und verhandelte mit Regierungsstellen über das Ende dieser grausamen Praxis. Sie fand heraus, dass man Bärengalle auch durch preisgünstigere und ebenso wirksame Kräuter und synthetische Stoffe ersetzen kann. Sie arbeitete auch mit Ärzten der traditionellen und der westlichen Medizin in China und in der ganzen Welt zusammen, um Alternativen zu fördern.
Durch ihre Bemühungen konnten die Bären seit 1994 befreit werden. 1995 schloss das chinesische Forstministerium eine zweite Farm, deren Machenschaften Jill ebenfalls aufgedeckt hatte. 1996 kamen die neun Bären dieser Farm in eine Rettungsstation nach Panyu in Südchina, nachdem sie operiert worden waren und sich wieder erholt hatten. Diese wurde vom International Fund for Animal Welfare geführt, bei dem Jill und andere Mitarbeiter von Animals Asia damals gearbeitet hatten. Nach fünf Jahren, im Jahr 1998, hatte Jill Robinson Animals Asia Foundation in Hongkong offiziell gegründet. 2000 hatte Animals Asia das erste Rettungszentrum in Chengdu gegründet.
Das Rettungszentrum in Chengdu ist ein Zufluchtsort für die geschundenen Bären, mit naturnahen Rehabilitationsbereichen und Bambuswaldgehegen, in denen die Bären sich für den Rest ihres Lebens geschützt fühlen und viel Spaß und Anregung haben können. Gleichzeitig dient das Zentrum auch der Forschung und Bildung.
Neben dem Kampf gegen die Bärengallefarmen widmet Animals Asia sich auch dem Wohl anderer Tiere. Sie fördern Mitgefühl und Respekt für alle Tiere und arbeiten daran, einen langfristigen Wandel in den Köpfen zu erreichen.
In den vergangenen 15 Jahren hat sich der Tierschutz in China auch dramatisch verändert.
„Es ist wirklich ein langer und mühsamer Prozess. Die Wohlfahrt der Tiere hat sich damals nur langsam entwickelt. Vor 30 Jahren gab es in China nur eine Hilfsorganisation für Tiere. Heutzutage gibt es hier bereits 1000 solcher Organisationen. Es hat sich schon viel verändert. Viele solche Organisationen engagieren sich in dieser Arbeit. Das Wohlergehen von Bären ist heutzutage eines der Meistdiskutierten Thema in China. Wir freuen uns sehr darüber."
Leider misslang Jills Versuch, Hong und die anderen 31 Bären im Jahr 1994 aus der ersten von ihr besuchten Bärengallefarm zu retten. Man sagte ihr, die Farm sei umgezogen und niemand wisse, wohin.
„Alles hat wegen diesem Bären angefangen, mein Traum zur Rettung der chinesischen Bären mit Anima Asia, doch habe ich Hong seitdem nicht mehr gesehen."
Jill Robinson tätowierte sich dann „月熊" auf die Stelle, wo „Hong" ihr Schulterblatt berührte. Das ist ihr Versprechen an „Hong": Der Grausamkeit an Tieren ein Ende zu setzen.
Die Nachforschungen von Animals Asia legen nahe, dass im Jahr 2013 noch über 20.000 Bären in Farmen gefangen waren. Die Provinzen, in denen die meisten Bärengallefarmen betrieben werden, sind Heilongjiang und Jilin im Norden und Sichuan und Yunnan im Südwesten. Die Nachfrage nach Bärengalleerzeugnissen kommt hauptsächlich aus China, Japan, Südkorea, Nordkorea, Vietnam, Malaysia. Aber auch in Australien, Indonesien, Laos, Myanmar, Singapur, den USA und Kanada können Produkte aus Bärengalle gekauft werden.
Um den Status quo zu verändern, benötigt sie jedoch auch eine Menge finanzielle Unterstützung.
„Die Rettung der Bären kostet ungefähr eine Millionen US Dollar jedes Jahr. Wir haben 280 Mitarbeiter in Chengdu. Wir brauchen das Geld nicht nur, um uns um die Bären zu kümmern sondern auch, um die ganze Organisation bezahlen zu können. Wir unterhalten noch andere Programme, zum Beispiel den Schutz von Hunden und Katzen, das kostet alles sehr viel Geld."
Deutsch-sprechende Spender seien sehr freigiebig, erzählt sie.
„Deutschland ist nach England, Australien, und den USA, das Viert-spendabelste Land der Welt. Die deutsche media Gruppe hat uns auch sehr geholfen. Alexandra Oetker ist eine gute Partnerin. Sie hat viele Betten gespendet. Zudem hat sie uns andere Organisationen, Mediengruppen oder spendable Personen vorgestellt."
Ein weiteres Beispiel ist Familie Christian and Sabine Riedmayer aus Würzburg, die AAF in den letzten zwei Jahren viel gespendet haben. Sie haben nicht nur viel Geld für die Bären gegeben, sondern sich auch viele gute Ideen für uns ausgedacht, wie man den Bären in China und Vietnam helfen könnte. Sie verkaufen, zum Beispiel, Bärenbrot, Wein oder Süßigkeiten in ihrem Supermarkt. Außerdem haben sie Teil ihres Umsatzes gespendet.
„Die Deutschen können ganz einfach auf unserer Webseite mit uns in Kontakt treten. Wie habe in München ein kleines Büro. Jedes Jahr fliege ich nach Deutschland um einen Vortrag zu halten und Spender zu treffen."
Text und Interview: Wang Yaqi
Übersetzt von: Wang Jun
Korrigiert von: Felix Lehmann
Gesprochen von: Yin Fan



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