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Stop! Bei Rot über die Ampel
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Es ist der 9. April, 11 Uhr, als der Bus Nr. 300 an der Station Gongzhufen in Beijing hält. Elf Passagiere steigen aus. Während sechs von ihnen ordnungsgemäß über die vorgesehene Fußgängerbrücke laufe, drücken sich die anderen Fünf durch eine Lücke in der Straßensperre durch. Nach einer kurzen Verweilpause überqueren sie in einer kleinen Gruppe die viel befahrene Straße – ohne Zebrastreifen und unter Missachtung der roten Ampel. Eine gefährliche Szene, die jedoch alltäglich in den Straßen von Beijing zu beobachten ist.
„(Gehen Sie normalerweise über die Fußgängerbrücke, um die Straße zu überqueren?) Nein, seit Jahren nicht. (Und warum nicht?) Es ist mir zu weit. Ich gehe zur U-Bahn und möchte lieber schnell durch diese Lücke in der Absperrung durch."
„(Wenn Sie sich beeilen, gehen Sie also nicht über die Fußgängerbrücke?) Nein, es ist zu weit. (Zunächst haben Sie sich nicht getraut, die Straße zu überqueren. Warum dann später?) Dann kamen andere Leute dazu. Wenn ich alleine bin, traue ich mich nicht rüber. Erst wenn andere dabei sind."
Bequemlichkeit scheint also ein Motiv zu sein. Doch es gibt natürlich auch viele vorbildliche Passanten, die einen längeren Fußmarsch auf sich nehmen.
„Es ist mir egal, wenn ich einen Umweg gehen muss. Die Verkehrsregeln müssen befolgt werden."
„Einfach die Straßen zu überqueren ist zu gefährlich. Ich bin schon älter und muss mehr für meine Sicherheit sorgen."
Li Wei ist Taxifahrer in Beijing. Auch er kennt die „Straßenüberquerung chinesischen Stils" nur zu gut. Er verweist auf die Gefährdung anderer Straßenteilnehmer.
„An Zebrastreifen und Kreuzungen sind fast überall Fußgänger zu sehen, die ohne Beachtung der Ampeln die Straßen überqueren. Wenn dann plötzlich jemand vor meinem Wagen steht, muss ich eine Notbremsung hinlegen und gefährde damit auch meine Passagiere."
Fahrzeughaltern droht in Beijing beim Überfahren einer roten Ampel ein sechs Punkteabzug. Ab dem 6. Mai sollen nun auch solche Straßenverkehrsverstöße durch Fußgänger geahndet werden. Beim Überqueren einer roten Ampel müssen Passanten künftig 10 Yuan RMB blechen.
Viele Beijinger heißen die neuen Strafmaßnahmen für gut. Sie hoffen auf eine bessere Verkehrsumgebung.
„Ich finde das gut. Denn sobald einer vorgeht, folgen die anderen. Das Überqueren der Straßen ohne Beachtung der Ampeln führt zu Verkehrschaos."
Wie immer gibt es natürlich auch kritische Stimmen. Die chinesische Zeitung „Global Times" schrieb, die Geldstrafen könnten das Phänomen nicht grundsätzlich ändern. Der Sachverhalt solle nicht ausschließlich auf die Fußgänger abgewälzt werden. Parallel sollten Ampeln und Straßen durch die Behörden noch zweckmäßiger geplant und entworfen werden.
Übersetzt von: Liu Xinyue
Gesprochen von: Yu Yue



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