2012 gewann China in London alle fünf olympischen Goldmedaillen im Badminton. Lin Dan, der als chinesischer Badminton-Einzelspieler bereits im Jahr 2008 in Beijing Gold holte, hat in London erfolgreich sein zweites olympisches Gold gewonnen. Er ist damit der einzige Spieler, der an Olympischen Spielen zweimal die Badminton-Einzelmeisterschaft für sich entschieden hat.
15:21, 21:10 und 21:19! Im Badminton-Einzelfinale in London besiegt Lin Dan mit 2:1 seinen malaysischen Rivalen Lee Chongwei und gewinnt seine zweite olympische Goldmedaille im Badminton-Einzel.
Vor den Olympischen Spielen 2012 in London verrät er in einem Interview, dass er sich nicht mehr so sehr für die Ergebnisse der Spiele interessiere.
„Ich habe in zwölf Jahren drei Mal an den Olympischen Spielen teilgenommen. Das ist sehr gut für mich. Ich bin sehr stolz darauf. Das Badminton-Herreneinzel ist eins der wettbewerbsintensivsten Spiele. Ich bin froh, dass ich in den letzten zwölf Jahren meine Fitness halten konnte. Ich denke heute nicht so viel über die Ergebnisse der Spiele nach. Ich will einfach die begrenzte Zeit nutzen, um zu trainieren. Ich will auch alles tun und anderen zeigen, was ich durch mein Training gelernt habe."
Lin Dan hat es geschafft und Geschichte geschrieben. Nach Gold in Beijing 2008 gewann er 2011 in Guangzhou seine erste Goldmedaille bei den Asiatischen Spielen. Damit ist er der erste Badmintonspieler, der bei allen jetzigen wichtigen Spielen, nämlich den Olympischen Spielen, der Weltmeisterschaft, dem Weltcup, dem gemischten Sudirman Cup, dem Thomas Cup, der All England Meisterschaft, den Asiatischen Spielen, der Asiatischen Meisterschaft und den Chinesischen Nationalen Spielen, Gold geholt hat.
Der Spitzensportler kam 1983 in der südchinesischen Provinz Fujian auf die Welt. Im Alter von fünf Jahren begann er Badminton zu spielen. Seine Eltern hofften eigentlich, dass er sich für das Klavier begeistern könnte. Aber ein Freund seiner Mutter, ein Badminton-Trainer, entdeckte sein sportliches Talent.
Chen Weihua war Lin Dan's erster Trainer. Er führte ihn in die Welt des Badmintons.
„Einmal ist Lin Dan auf und weg von einem Sportgerät gesprungen. Meine Frau ist auch Trainerin. Sie schrie ihn an, ‚Es ist zu hoch! Du kannst nicht von dort springen!' Aber er ist ohne einen Kratzer hinunter gesprungen. So sagte ich seinen Eltern, dass er Badminton lernen soll."
Mit acht Jahren begann Lin mit dem Vollzeit-Badminton-Training. Im Alter von zwölf Jahren wurde er von der Sportabteilung der chinesischen Volksbefreiungsarmee aufgenommen. Sechs Jahre später war er Mitglied der chinesischen Badminton-Nationalmannschaft.
2001 kennzeichnete den Start seiner beispiellosen Badminton-Karriere. Zwei Jahre später gewann Lin seine erste internationale Meisterschaft, die Dänemark Open, und kletterte 2004 auf den ersten Platz der Weltrangliste. Das Interesse der Welt war geweckt, immer mehr Menschen verfolgen aufmerksam den aufgehenden Stern am Sportlerhimmel.
Aber die Karriere des Spitzensportlers verlief nicht immer reibungslos. Die neue Nr.1 konnte sich im Jahr 2004 nicht für das Halbfinale der Malaysia Open qualifizieren. Anschließend beendete er als größter Favorit seine erste olympische Teilnahme in der ersten Runde in Athen.
„Wenn Sie zum ersten Mal an den Olympischen Spielen teilnehmen, fühlen Sie sich ganz anders als in anderen Spielen. Wenn Sie psychisch nicht bereit sind und im Spiel auf Schwierigkeiten stoßen, werden Sie nervös. Sie können dann Ihre Emotionen nicht gut kontrollieren und die Nervosität schnell überwinden."
Xie Xingfang, Lin Dans Frau, ist ehemalige Badminton-Meisterin. Sie sagt, nach der Niederlage in Athen sei er ruhiger geworden.
„Nachdem er in Athen die Niederlage erlitten hatte, konzentrierten sich unsere Gespräche hauptsächlich aufs Badminton. Es war wirklich ein schwerer Schlag für ihn. Als er zurück war, sagte er mir, dass Konzentration sein größtes Problem war."
Danach trainierte das Badminton-Ass noch härter. Ohne Fleiß, kein Preis. Während der Olympischen Spiele in Beijing im Jahr 2008 war Lin Dan reifer geworden und bei jedem einzelnen Ballwechsel, Spiel und Match hoch konzentriert. Mit der Qualifizierung für das Finale in der Tasche sagte Lin Dan, der von seinen Rivalen und Medienvertretern schon als „arrogant" bezeichnet wurde, dass ihm zumindest die Silbermedaille sicher sei. Zu guter Letzt holte er dann Gold.
In seiner Freizeit singt Lin gern und hört Musik. Den Badminton-Schlager „Re Li Zhan Fang" hat er mit dem berühmten Sänger Zhou Xiao'ou gesungen. Nach den Olympischen Spielen in London und 12 Jahren Sportlerleben veröffentlichte er schließlich die Biografie „Bis zum Ende der Welt".
Niemand weiß, wie lange Lin Dan noch Badminton spielen wird. Aber in seinem Buch steht: „Selbst wenn dies mein letztes Mal wäre, an den Olympischen Spielen teilzunehmen, selbst wenn mein Name in Vergessenheit geraten würde, die herrlichen Tage, als wir zusammen gekämpft haben, existieren. Und unsere gemeinsamen Erinnerungen werden bis zum Ende der Welt anhalten."



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