F: Herzlich willkommen zu unserem Fragenblock. Heute möchten wir auf Wunsch unserer Hörer Lutz Winkler aus Schmitten bei Taunus und Engelbert Borkner aus Hildesheim etwas mehr über den Wasserverbrauch und die Wasserquellen in Beijing sprechen. Herr Winkler schrieb uns vor kurzem in einer E-Mail: 
M: „In Deutschland ist das Trinkwasser von hoher Qualität. Experten behaupten sogar, dass das Wasser aus der Leitung trinkbar ist. Da bin ich aber persönlich sehr skeptisch. Aber die Qualität hat auch seinen Preis: Ein Wasserpreis von 3 € plus Abwassergebühren sind keine Seltenheit. Wieviel muss der chinesische Bürger für das wertvolle Gut Wasser bezahlen. Werden die Wasserwerke von den Städten betrieben, oder sind dies Privatfirmen?
Ich würde mich über eine Antwort freuen, auch über die Zusendung einer QSL Karte."
F: Und unser Stammhörer Engelbert Borkner fragte uns ebenfalls
in einem Brief:
M: „Woher erhält Beijing sein Wasser, wird es aus Flüssen entnommen und aufgearbeitet? Wie groß ist der tägliche Wasserverbrauch pro Person?"
F: Ja, liebe Hörer und liebe Herren Winkler und Borkner, diese Fragen beantworten wir Ihnen sehr gern. Zuerst zu den Wasserpreisen in China: Der Wasserpreis in China ist in verschiedenen Orten unterschiedlich hoch. Zum Beispiel beträgt der Wasserpreis in Beijing pro Kubikmeter vier Yuan RMB (umgerechnet etwa 50 Euro-Cent) plus Abwassergebühren. In der Stadt Guangzhou in Südchina kostet ein Kubikmeter Wasser 2,5 Yuan plus Abwassergebühren. Für Betriebe und Verwaltungsorgane ist der Wasserpreis etwas höher, in Beijing 5,8 Yuan und in Guangzhou 3,5 Yuan pro Kubikmeter.
M: Ja, ganz genau. Lieber Herr Borkner, da Beijing ein Ort ist, an dem es im Allgemeinen nicht viel regnet und es an Wasser mangelt, ist Wassersparen ganz wichtig für die Stadt. Statistiken zufolge liegt der monatliche Wasserverbrauch pro Person in Beijing bei ungefähr drei Tonnen, also 3.000 Litern. Mit allen Mitteln sparen viele Menschen hier zu Hause Wasser. Sie spülen zum Beispiel mit dem Wasch- oder Putzwasser die Toilette.
F: Ja. Und auch der Wasserpreis in Beijing wurde in den letzten Jahren schon mehrmals erhöht. Von nur einigen Fen pro Tonne nach Gründung der Volksrepublik bis auf jetzt vier Yuan. Die erhobenen Wassergebühren dienen in China hauptsächlich zu Erschließung, dem Aufbau, der sinnvollen Nutzung und dem Schutz von Wasserressourcen. Außerdem will man auch damit das Projekt der Wasserumleitung von Süd- nach Nordchina finanzieren. Dieses Projekt hatten wir Ihnen bereits vor kurzem bei CRI Kontakt vorgestellt.
M: Ja, genau. Lieber Herr Winkler, in China werden die Wasserwerke vom Land betrieben, sie sind Staatsbetriebe, keine Privatfirmen. Es gibt auch wenige Joint Ventures. Zum Beispiel ist das Wasserunternehmen der Stadt Beijing ein großer Staatsbetrieb, der für die Wasserversorgung der ganzen Hauptstadt verantwortlich ist.
F: Ja. Die Wasserversorgung in Beijing wurde in der Geschichte hauptsächlich durch Brunnenwasser gewährleistet. Das Wasserunternehmen der Stadt Beijing wurde erst Anfang des letzten Jahrhunderts gegründet. Bis zum Jahr 1949 gehörten nur zwei Wasserwerke dazu. Nach Gründung der Volksrepublik China, besonders seit der Reform- und Öffnung Chinas vor mehr als 30 Jahren, entwickelte sich das Wasserversorgungswesen in Beijing sprunghaft. Es wurden inzwischen mehr als zehn Wasserwerke gebaut. Besonders die Errichtung des 9. Wasserwerks im Jahr 1999 ist zu einer Art Symbol dafür geworden. Denn das Wasserversorgungswesen in der chinesisischen Hauptstadt hat damit in Hinsicht auf Technologie, Verwaltung und Wasserqualitätskontrolle Weltniveau erreicht.
M: Ja. Zum Wasserunternehmen der Stadt Beijing gehören jetzt insgesamt 22 Wasserwerke. Die Wasserversorgungsleistung erreicht 3,41 Millionen Kubikmeter pro Tag. Alle Stadtgebiete sowie die neuen Bezirke in den Vororten gehören zum Wasserversorgungsbereich des Beijinger Wasserunternehmens.
F: Ja. Nun sprechen wir etwas ausführlicher über die Wasserquellen von Beijing. Beijing erhält sein Wasser hauptsächlich aus einigen großen Stauseen, wie zum Beispiel dem Miyun-Stausee, dem Huairou-Stausee sowie dem Shisanling- und dem Guanting-Stausee. Das in privaten Haushalten verbrauchte Wasser kommt hauptsächlich aus den drei ersten Stauseen. Das Wasser des Guanting-Stausees wird in der Regel für die Bewässerung der Stadt und sowie in der Industrie verwendet.
M: Ja. Außerdem zählen die vielen Gebirgswasserläufe im Umland von Beijing auch zu den wichtigen Wasserquellen der Stadt. In den letzten Jahren wurden mehr als 100 Bäche reguliert. Sie sind zunehmend sauberer geworden. Ihre Wasserqualität ist nun höher und erfüllt die Trinkwassernormen. In ihrer Umgebung wurden viele Obstbäume gepflanzt. Das ist nicht nur gut für die Umwelt, sondern verbessert auch die Lebensbedingungen der Bauern. Ihr Einkommen ist stetig gestiegen.
F: Außerdem führt Beijing Wasser aus der Provinz Hebei ein. Der Kreis Chicheng ist ein Berggebiet der Provinz und verfügt über zahlreiche Flüsse. Man schenkt der Aufforstung und dem Umweltschutz große Aufmerksamkeit. Die Walddichte hier liegt bei über 35 Prozent. Der Kreis Chicheng befindet sich im Norden der Provinz Hebei, etwa 180 km von Beijing entfernt. Sämtliche Flüsse in Chicheng werden in zwei Stauseen in Beijing geleitet. Bei einem davon handelt es sich um den Miyun-Stausee.
M: Der Miyun-Stausee wird als die „Wasserquelle des Lebens" der Stadt Beijing bezeichnet. Er liegt im Norden des Kreises Miyun, etwa 100 km von Beijing entfernt. Der Miyun-Stausee wurde im Jahr 1960 fertig gebaut. Er hat eine Gesamtfläche von mehr als 180 qkm und ist damit der größte Stausee im Raum Beijing.
F: Ja. Die gesamte Wasserspeichermenge des Miyun-Stausees erreicht 4,38 Milliarden Kubikmeter und entspricht damit der 150-fachen Größe des Kunming-Sees im Sommerpalast in Beijing. Die Wassertiefe liegt bei 40 bis 60 Meter. Der Stausee ist in drei Gebiete unterteilt. Darüber hinaus wurden hier zwei große und fünf kleinere Staudämme sowie zwei Wasserkraftwerke gebaut. Der Miyun-Stausee versorgt die Stadt mit Wasser für die Industrie sowie für private Haushalte in Beijing, Tianjin sowie einige Gebiete in der Provinz Hebei.
M: Der Miyun-Stausee wird auch als „glänzende Perle des Yanshan-Gebirges" bezeichnet. Denn der Stausee liegt mitten in den Bergen. Mit einer malerischen Landschaft fasziniert er zahlreiche Touristen. Außerdem werden hier pro Jahr drei Millionen Kilogramm Fisch gefangen. Der Miyun-Stausee ist aus diesem Grund von einer vielseitigen wirtschaftlichen Effizienz geprägt. Dabei handelt es sich um den Hochwasserschutz, die Bewässerung und Wasserversorgung sowie die Stromerzeugung, die Fischzucht und den Tourismus.
F: Ja, soviel liebe Radiofreunde, zum Thema Wasserverbrauch und Wasserquellen in Beijing. Und das war die Rubrik „Sie fragen, wir antworten" für heute.



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