Wir über uns Kontakt Jobs Fragen? Archiv
Fahrgemeinschaften und Mitfahrzentralen in China auf dem Vormarsch
  2012-04-13 16:24:11  cri

Fahrgemeinschaften und Mitfahrzentralen sind in China noch weitgehend unbekannt. Einige sozial Gleichgesinnte haben sich jedoch zusammengetan und eine Kampagne gegründet, um diese umweltfreundliche und kostensparende Form der Fortbewegung im Alltag der Chinesen bekannter zu machen.

In den USA haben Pendler eine Möglichkeit gefunden, den steigenden Benzinpreisen etwas entgegenzusetzen und sich gleichzeitig umweltfreundlich zu verhalten. In manchen Städten wurden sogar sogenannte „High Occupancy Vehicle Lanes" bereitgestellt, dabei handelt es sich um eine Fahrspur für Fahrzeuge, welche mit mindestens vier Personen besetzt sind. In China ist das Bilden von Fahrgemeinschaften oder Mitfahrzentralen noch eher unbekannt; ja, das Mitfahren mit einem Unbekannten wird von vielen sogar als gefährlich angesehen:

„Bevor ich zu einem Fremden ins Auto steige, muss ich mir das Ganze schon sehr gut überlegen."

„Wenn sie zu einem Fremden ins Auto wollen, hält sie der Fahrer vielleicht für gefährlich."

„Ich möchte es schon ausprobieren, aber mir hat bisher noch niemand eine kostenlose Mitfahrgelegenheit angeboten."

Das bedeutet aber natürlich nicht, dass es in China keine Fahrgemeinschaften gibt. Viele sehen darin sogar eine willkommene und inspirierende Abwechslung. Der 37-jährige Wang Yong ist Generalsekretär der Brand China Industry Union, und er bietet seit 14 Jahren Pendlern eine kostenlose Mitfahrgelegenheit. Er sagt, in dieser Zeit habe er vielleicht 10.000 Menschen mitgenommen:

„100.000 haben mir vielleicht die kalte Schulter gezeigt, und eine Million haben meine Hilfe abgelehnt. Aber ich habe etwa 10.000 Mal Erfolg gehabt. Die Ermutigung, Akzeptanz und das Vertrauen, dass mir diese Menschen gegeben haben, waren und sind für mich ein großes Glück. Jeden Morgen teilen unterschiedliche Leute mit mir ihre Erfahrungen und Themen, die sie interessieren. Ich kann mich jeden Tag mit jemand anderen unterhalten."

Um den stets anfallenden Druck, der durch das Pendeln entsteht, zu minimieren, hat Wang Yong mit vier Bekannten eine Aktion gestartet, um Gleichgesinnte auf Sina Weibo, einem bekannten chinesischen Mikroblog, zusammenzubringen. Dort können Personen mit Auto ihre geplanten Fahrten angeben, zusammen mit der Anzahl der freien Sitze. Mitfahrer können ihrerseits ihren Arbeitsplatz oder ein anderes gewünschtes Ziel angeben. Seit dem Start des Blogs im Januar haben sich 18.000 Personen registriert, und allein während des Frühlingsfestes haben 500 Autobesitzer mehr als 1.000 Personen eine kostenlose Mitfahrgelegenheit angeboten.

Eine von ihnen ist die 19-jährige Guo Mingyan:

„Viele haben mich gefragt, ob ich denn nicht Angst hätte, zu einem Fremden ins Auto zu steigen. Ich denke, es ist eine gute Eigenschaft, dass diese Autofahrer jemandem helfen wollen. Mutig genug zu sein, dieses Angebot anzunehmen, ist ebenfalls eine gute Eigenschaft."

Wang Yong und die Mitinitiatoren wollen Fahrgemeinschaften nun zur Normalität machen.

„Zuerst müssen wir auf den „grünen Verkehrsplan" der Beijinger Stadtregierung reagieren. Dies hilft auch dabei, Energie zu sparen, die Umwelt zu schützen und die Verkehrsbelastung zu reduzieren. Und es führt zu gegenseitigem Vertrauen."

Die Aktion soll nach und nach umgesetzt werden, zuerst unter den Pendlern in Beijing, dann auch in anderen Städten in ganz China. Die Organisatoren haben sich dazu extra den Namen „Charity Miles" einfallen lassen. Die Idee dahinter funktioniert in etwa so wie eine „Zeitbank": dort kann man durch eine freiwillige Tätigkeit wie das Anbieten einer Dienstleistung oder durch Hilfe für andere quasi stundenweise auf ein Konto einzahlen. Möchte man dann selbst Hilfe in Anspruch nehmen, „hebt" man einfach die Zeit von anderen ab. Bei Charity Miles wird jeder Kilometer, welches das Auto mit Pendlern zurücklegt, dem Besitzer gutgeschrieben. Diese Kilometer können gegen kleine Geschenke eingetauscht werden, etwa Telefonkarten oder Benzingutscheine. Passenderweise sponsern Öl- und Fluggesellschaften die Aktion.

Außerdem soll eine eigene Webseite aufgebaut werden, auf der Informationen über Autobesitzer und Mitreisende aufgeführt werden. In Zusammenarbeit mit mehreren IT-Unternehmen wurde auch ein Programm für Mobiltelefone entwickelt, die es Autobesitzern und Mitfahrern erleichtern soll, zusammenzukommen.

Voller Selbstvertrauen über ihr Vorhaben haben Wang und sein Team den 6. Juni zum „Internationalen Tag der Fahrgemeinschaft" ausgerufen:

„Noch vor zehn Jahren wäre es mir unmöglich gewesen, so ein Vorhaben umzusetzen, aber heute bin ich zuversichtlich über unsere Ressourcen, über die Plattform und unsere Fähigkeiten, das Ganze zu bewältigen. Außerdem haben wir das Umweltprogramm der Vereinten Nationen kontaktiert, und sie unterstützen unsere Initiative. Ich hoffe also, dass der „Internationale Tag der Fahrgemeinschaft" - von uns Chinesen initiiert - weltweite Aufmerksamkeit finden wird."

Aber auf Gelegenheiten folgen immer auch Herausforderungen. Wang Yong gibt unumwunden zu, dass sie auch Risiken und Schwierigkeiten gegenüberstehen:

„Die drei Hauptschwierigkeiten sind Vertrauen, Sicherheit und Richtlinien."

In China werden Fahrer von nicht lizenzierten Privattaxis bestraft, wenn sie bereitwilligen Kunden eine Fahrt anbieten. Daher ist die Gefahr groß, dass einige Autobesitzer ihre Mitfahrer betrügen könnten. Aus diesem Grund müssen alle Beteiligten dem Club der Fahrgemeinschaft beitreten und ihre persönlichen Angaben hinterlassen. So können sich Fahrer und Mitfahrer problemlos gegenseitig identifizieren, etwa über das Handy.

Auch verschiedene offizielle Einrichtungen unterstützen die Kampagne, unter ihnen die Beijinger Verkehrsbehörde. Deren stellvertretende Leiterin, Liu Jin, sagt, die Stadtregierung werde dieser Initiative mit Rat und Tat zur Seite stehen:

„Wie kann man zum Beispiel Mitfahrgelegenheiten von illegalen Taxis unterscheiden? Wie geht man mit den Auswirkungen auf die Taxianbieter um? Wie unterstützt man die Aktion, um Verkehrsstaus zu reduzieren? All diese Fragen müssen gelöst werden. Als Vertreter der Stadtregierung schenken wir der Aktion der Mitfahrzentrale große Aufmerksamkeit und bieten gleichzeitig unsere Hilfe und Unterstützung an."

Wang Yong und sein Team sind sich bewußt, dass es noch einige Zeit dauern wird, bis ihre Idee tatsächlich umgesetzt ist und funktioniert. Aber sie sind zuversichtlich und bleiben gleichzeitig umsichtig.

Oder, wie es Zhao Pu, ein weiterer Mitorganisator und bekannter Moderator von CCTV, ausdrückt:

„Wir können es nicht erlauben, dass auch nur ein Unfall passiert. Jeder Unfall könnte all unsere Bemühungen zerstören."

Forum Meinungen
• mengyingbo schrieb "Leben in Changshu"
seit etwas über einer Woche ist nun Changshu 常熟 in der Provinz Jiangsu 江苏 meine neue Heimat - zumindest erstmal für rund 2 Jahre.Changshu (übersetzt etwa: Stadt der langen Ernte) liegt ungefähr 100 km westlich von Shanghai und hat rund 2 Millionen Einwohner, ist also nur eine mittelgroße Stadt.Es gibt hier einen ca. 200m hohen Berg, den Yushan 虞山 und einen See, den Shanghu 尚湖...
• Ralf63 schrieb "Korea"
Eine schöne Analyse ist das, die Volker20 uns hier vorgestellt hat. Irgendwie habe ich nicht genügend Kenntnisse der Details, um da noch mehr zum Thema beitragen zu können. Hier aber noch einige Punkte, welche mir wichtig erscheinen:Ein riesiges Problem ist die Stationierung von Soldaten der USA-Armee in Südkorea...
Meistgelesene Artikel
• Keine Lebenszeichen vom gesunkenen indischen U-Boot
• Snowdens Vater erhält Visum für Russland
• Getötete Chinesen: Afghanistan bekundet Beileid
• Vermittlungsversuche in Ägypten gescheitert
• Gipfel abgesagt: Russland enttäuscht von USA
Fotos
Luxusausstellung 2013 in Beijing eröffnet
Fotoausstellung „Chinesischer Traum - Schönes China" in Brüssel
Wiederaufbau neuer Wohnhäuser nach Erdbeben in Min
Lujiagou: Ein neues Wohngebiet mit günstigen Lebens- und Verkehrsbedingungen
© China Radio International.CRI. All Rights Reserved.
16A Shijingshan Road, Beijing, China