
Zu Feudalzeiten war es nicht erlaubt, dass junge Männer und Frauen vor der Hochzeit zusammentrafen. Also hing eine Ehe von der Wahl der Eltern und den Künsten der Vermittler ab. Wenn beide Elternpaare nach Begutachtung der jeweils anderen Familienumstände der Hochzeit zustimmten, wurden Verlobungsgeschenke ausgetauscht und man verpflichtete sich zur Heirat. Die Verlobung war insofern rechtlich bindend, als damit die spätere Heirat der beiden jungen Leute unabänderlich besiegelt war. Das bedeutet, sie durften sich danach nicht mehr anderweitig verloben. Sollte dies doch geschehen, würde es den Ruf beider Familien ruinieren. Dann wurde ein glückverheißender Tag für die Trauung ausgewählt. Normalerweise wurde die Hochzeit an einem Tag während des traditionellen chinesischen Neujahrs- oder Frühlingsfestes veranstaltet.
Die Hochzeitszeremonie sollte der Höhepunkt der Feierlichkeiten sein. Bisher kannten sich die beiden jungen Leute nicht persönlich. Die junge Frau durfte den Bräutigam vor der Hochzeit nicht sehen. An dem bedeutsamen Tag bereiteten sich beide Familien seit Tagesanbruch auf die Hochzeit vor. Angesagt war die Farbe Rot für Braut und Bräutigam. Rot bedeutet in China nicht nur Fröhlichkeit, sondern vertreibt auch böse Geister. Rote Schriftzeichen "Glück", eine rote Oberseite der Steppdecke, rote Papierlaternen, rote Kleidung, rote Schuhe und so weiter... Die Braut trug sogar einen roten Brautschleier. Die Familie des jungen Mannes musste dann die Braut vor 12 Uhr von ihrer Familie abholen. Wenn die Braut mit Brautschleier auf dem Kopf ihre Familie verließ, durfte und musste sie weinen, um ihren Trennungsschmerz zu zeigen. Nachdem die Braut bei der Familie des Bräutigams eingetroffen war, begann die offizielle Hochzeitzeremonie.
Die Braut musste zuerst über ein Becken mit Feuer schreiten. Damit sollte alles Unglückliche verbrannt und ein blühendes Leben nach der Heirat beschworen werden. Das künftige Ehepaar sollte dann in der Halle des Hauses den Himmel und die Erde anbeten, dann die Eltern beider Seiten und schließlich auch einander.
Nach dem zeremoniellen Kotau während der Vermählung wurden sie in die so genannte Brauthöhle geschickt. Und erst dort, also im Schlafzimmer, lüftete der Bräutigam zum ersten Mal den Schleier seiner Braut. Nach dem Hochzeitstrunk schneideten sie sich gegenseitig einige Haarsträhnen ab, um sie als Eheunterpfand aufzubewahren. Das Streuen von Reis und Bohnen auf dem Bett sollte Glück und Fruchtbarkeit bringen.
Die Hochzeitsfeier fand am Abend statt, und zwar in Gestalt eines Hochzeitbanketts genannt. Dieses Bankett war Höhepunkt der Hochzeitzeremonie. Bei dem Bankett musste die Braut persönlich den Gästen Schnaps einschenken, um sich für die Anwesenheit zu bedanken. Bonbons, Tee und Zigaretten: Sogar arme Familien stürzten sich in Unkosten, nur um das Gesicht zu wahren. Zum Schluss kam dann noch etwas Interessantes:
Die Chinesen nennen das "Nao Dongfang", auf Deutsch also ungefähr "das Brautpaar am Hochzeitabend necken und aufziehen". Die Teilnehmer sind normalerweise junge ledige Leute. Sie stellten dem Brautpaar harte Proben, so mussten zum Beispiel interessante oder knifflige Aufgaben gelöst oder etwas vorgeführt werden.
China hat eine lange Geschichte. Und im Verlauf einer so langen Geschichte gibt es viele Veränderungen und immer wieder neue Entwicklungen. Das gilt natürlich auch für die Sitten und Gebräuche rund ums Heiraten.
Heute haben junge Männern und Frauen natürlich das Recht auf freie Partnerwahl. Die meisten Hochzeiten werden von einem Hochzeitsplaner organisiert und geplant, da die chinesischen Hochzeiten üblicherweise sehr groß ausfallen. 200 Hochzeitsgäste sind keine Seltenheit.
Monate vorher werden die Gäste über die bevorstehende Hochzeit informiert – die höfliche Einladung verpflichtet gleichzeitig zu einem Geschenk. Vor dem großen Tag wird das Hochzeitszimmer geschmückt. Zur Dekoration verwenden die Chinesen Drachen- und Phönixdarstellungen als Symbole für das Brautpaar.
Am Morgen des Hochzeitstages klopft der Bräutigam an die Tür der Brauteltern, um seine zukünftige Braut abzuholen. Die Braut wird aber von der Familie nicht so leicht freigegeben. So muss der Bräutigam allerlei Hürden überwinden und die von den Eltern versteckte Braut finden.
Im Anschluss an die Bewährungsprobe fährt die ganze Hochzeitsgesellschaft zum Ort der Trauung.
Dann findet die chinesische Hochzeitszeremonie statt.
Die Braut ist anfangs ganz in Weiß gekleidet. Im Laufe der Hochzeitsfeier wechselt sie allerdings bis zu zehn Mal ihre Hochzeitsrobe, bis sie schlussendlich die Hochzeitsfeier in einem roten Brautkleid beendet – Rot, die Farbe des immer währenden Glücks. Während der Hochzeitsfeier müssen sich Gäste und Freunde hinterlistige Spiele für das junge Paar ausdenken und mit ihnen zusammen spielen. Die Verlegenheit des Hochzeitspaares sorgt für viel Gelächter.
Neben der Hochzeit selber legen Chinesen sehr viel Wert auf die Hochzeitsfotos. Die Hochzeitsfotos werden einige Zeit vor der Hochzeit geschossen. Auf dem Fest selbst gibt es dann schon Poster, Schlüsselanhänger, Fotoalben und sonstige Accessoires mit dem Abbild des Brautpaars.
Heute sind die Hochzeitsbräuche viel einfacher geworden oder verlaufen gar nach westlicher Sitte. Dennoch: Die Atmosphäre bei einer Hochzeit, die Feierlichkeit, Herzlichkeit und Fröhlichkeit sind wohl bleibende Werte.
Übersetzt von Wang Yaqi
Gesprochen von Lü Xiqian



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