
Seit 2010 zeigt Chinas Kunstmarkt einen erfreulichen Aufwärtstendenz. Die wachsenden Preise und das zunehmende Handelsvolumen deuten auf einen großen Entwicklungsspielraum sowie eine breite Zukunft für den Kunstmarkt in China hin. Der gegenwärtige Boom kann allerdings nicht verbergen, dass auf der Verwaltungsebene noch vieles im Argen liegt.
Anfangs November fand in Beijing die Herbst-Versteigerung „Guardian" statt. Im Rahmen dieser Versteigerung wurden am 13. November wertvolle chinesische Kalligraphien und Bilder versteigert. Allein an diesem Tag konnten die Veranstalter Einnahmen in Höhe von über einer Milliarde Yuan RMB verbuchen. Angesichts der globalen Finanzkrise ein hervorragendes Resultat, findet Wang Dingqian, der Vizepräsident der Vereinigung der taiwanesischen Kunstsammler:
„Aufgrund der Gesamtsituation in der zweiten Jahreshälfte – besonders in jüngerer Vergangenheit – hätte der Abschluss im Vergleich zur Versteigerung im Frühjahr eigentlich nicht so hoch ausfallen dürfen. Es hat mich überrascht, dass vor Jahresende schon ein Umsatz von einer Milliarde Yuan RMB erreicht wurde. Das ist schon eine ganz gute Leistung."
Nicht nur das Geschäft mit alten Kunstwerken läuft derzeit sehr gut. Auch die Nachfrage nach moderner Kunst ist stark im Zunehmen begriffen. Auf der Auktion „China im 21. Jahrhundert" wurden moderne Kunstwerke mit einem Gesamtwert von umgerecht über 43 Millionen US-Dollar versteigert. Der Handel mit moderner Kunst ist trotz der hohen Nachfrage nicht ganz risikolos. Liu Xinhui, der ehemalige Geschäftsführer der Beijinger Auktionsfirma Changfeng, weiß warum:
„Die Zahl der alten Kunstwerke ist praktisch limitiert. Man kann sie nicht wieder produzieren. Daher ist es viel einfacher, ihren Wert zu bestimmen. Ihr hoher kultureller Wert fordert einen entsprechend hohen Preis. Moderne Kunstwerke können hingegen einfach reproduziert werden. Weder ihr ideologisches noch ihr künstlerisches Gehalt können mit letzter Sicherheit bestimmt werden. Hinter dem Preis verbergen sich immer gewisse Risiken."
Ein weiteres Risiko neben den unberechenbaren Preisen für moderne Kunst ist laut Liu Xinhui das unvollständige Verwaltungssystem:
„Der Kunsthandel in China ist noch nicht vollständig ausgereift, weil es noch kein vollständiges Verwaltungssystem gibt. Wo es an einem solchen System fehlt, wird der Markt mehr von menschlichen Faktoren beeinflusst, was zu Instabilität führt. Je sachlicher der Wert eines Kunstwerks von einem Markt eingestuft wird, desto größer das Entwicklungspotential dieses Markts."
Das rapide Wirtschaftswachstum hat auch Chinas Kunstmarkt ganz neue Perspektiven eröffnet. Neuesten Zahlen zufolge hat das Volumen von Chinas Kunsthandel bereits jenes des bisherigen Marktführers USA überholt. China ist damit im Kunsthandel weltweit neu die Nummer eins. Mit dieser unerwarteten Entwicklung nicht Schritt zu halten vermochte einzig das Verwaltungssystem. Das weiß auch Professor Qi Shuyu, der am Institut für Kulturelle Innovationen an der Chinesischen Volksuniversität lehrt.
„Zuerst sollten wir einmal Normen für den Kunstmarkt einführen. Das gegenwärtig größte Problem besteht darin, dass wir im Kunsthandel noch keine vollständigen politischen Richtlinien haben. Daher sollten wir zur Verwaltung des Kunstmarktes entsprechende Normen ausarbeiten. Wie der Kunstmarkt richtig verwaltet werden soll, ist eine dringende Frage."
Laut Professor Qi Shuyu befindet sich die Entwicklung von Chinas Kulturindustrie erst im Anfangsstudium. Einer ihrer zentralen Bestandteile ist seiner Meinung nach der Kunstmarkt. Qi warnt eindringlich davor, sich vom gegenwärtigen Boom auf dem Kunstmarkt blenden zu lassen:
„Der Kunstmarkt wächst an vielen Orten in China nicht normal. Das kann am System, an der Verwaltung oder an der Unausgereiftheit der lokalen Märkte liegen. Die Entwicklung der Kulturbranche sollte mit der Reform ihres Verwaltungsapparats einhergehen. Die Reform dieses Systems ist in China aber noch nicht vollständig abgeschlossen. Es wäre daher falsch anzunehmen, dass die kulturellen Aktivitäten in einer vollständig ausgereiften Marktwirtschaft stattfinden. Der derzeitige Boom ist nur äußerlich. Hinter ihm verbergen sich systembedingte Probleme."
Übersetzt von Liu Xinyue
Gesprochen von Xu Wei



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