Neben Aktien und Gebäuden nutzen auch immer mehr Menschen in China Kunstgegenstände als Investitionsobjekte. Die hohen Gewinnraten sind verlockend. Doch trotz der guten Entwicklungstendenz des Kunstmarktes warnen Experten auch vor Risiken.
Seit Jahren werden Kunstgegenstände als Investitionsobjekte in China beliebter. Steigende Einkommen und ein wachsendes Kulturbewusstsein haben dazu geführt, dass immer mehr Chinesen private Kulturschätze kaufen und verkaufen, um Investitionsgewinne zu erzielen. Dem entsprechend sieht der Kunstmarkt einem Aufschwung entgegen. Und die schnelle wirtschaftliche Entwicklung des Landes wird nach Experten-Meinungen das Investitionspotential der Kulturschätze noch weiter ausweiten. Gründe für die immer beliebter werdende Geldanlage in Kunst sind die makrowirtschaftliche Kontrolle des Immobilienmarktes sowie der schwache Aktienmarkt. Herr Jin ist seit mehreren Jahren als Investor in dem Bereich tätig. Für ihn ist vor allem der hohe Investitionsgewinn attraktiv:
„Meine Wenwan-Walnuss kostete vor einigen Jahren 1.200 Yuan. Seitdem ist der Preis rasant in die Höhe geschnellt. Heute bekommt man noch nicht mal eine unechte Wenwan-Walnuss für 6.000 oder 7.000 Yuan."
Der Aufschwung des Kunsthandels ist in vielen Landesteilen Chinas zu spüren, wie auch in Beijing auf dem Panjiayuan-Antikmarkt. Jeden Tag strömen Besuchermassen auf das Gelände, unter ihnen auch Antiquitätenkenner auf der Suche nach alten Schätzen. Der Panjiayuan-Antikmarkt wurde im Jahr 1992 auf Initiative von ein paar Antiquitätenliebhabern gegründet und hat sich in den 20 Jahren zu einem ausgewachsenen Markt entwickelt. Auf der 48.500 Quadratmeter großen Fläche stehen den Besuchern mehr als 3.000 Stände zur Verfügung. Hier könne man fast alles erwerben, von Schmuckstücken bis hin zu Kaligraphien, erklärte Wang Limei, die Direktorin des Verwaltungskomitees des Marktes.
„Jeden Tag kommen zahlreiche Antiquitätenhändler zu uns. Die meisten Stände sind bereits morgens um halb fünf geöffnet. Auf unserem Markt werden sehr viele Gegenstände aus Jadeit verkauft und aus weißer Jade, wie beispielsweise Schmuckstücke. Sachen mit revolutionärer Prägung sind ebenfalls bei den Besuchern sehr beliebt, wie beispielsweise das Wappen und das Zitatenbuch des Vorsitzenden Mao. Das billigste kostet weniger als zehn Yuan."
Nach Experten ist die Leidenschaft der chinesischen Bevölkerung für die Kapitalanlage in Kunstgegenstände hauptsächlich auf hohe Gewinnraten zurückzuführen. Einer Statistik zufolge erreicht die jährliche Durchschnittsrate 26 Prozent, höher als die des Aktien- oder Immobilienmarktes. Auf dem chinesischen Markt soll es duzend Millionen Kunst-Investoren geben. Wenn jedem von ihnen mindestens ein Kunstwerk gehören würde, wäre die Zahl dieser Werke um einiges höher als in Museen. Bei den Antiquitätensammlern sind oft wertvolle Kunstwerke zu finden. Deshalb leistet der Handel mit Antiquitäten auch einen großen Beitrag zum Kulturgutschutz.
Trotz des aktuellen Investitionsfiebers in Kunstgegenstände warnen Experten vor Risiken. Cao Jianhai, dem Direktor der Abteilung für Marketing und Industrie an der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften:
„Meiner Meinung nach geht es zu weit, wenn der Kunsthandel als Investitionsanlage gesehen wird. Der Kaufwunsch hat nichts mit der Schätzung der Kulturgegenstände zu tun und zielt lediglich darauf ab, durch den Handel mehr Geld zu verdienen. Falls die Preise der Kunstgegenstände absichtlich nach oben getrieben werden, dann könnten sie als pfandbare Sachen gelten, mit denen man Bankkredite erhalten kann. Dies würde die zukünfigte Entwicklung des Finanzwesens beeinträchtigen."
Um eine gesunde Entwicklung des Kunsthandels in China voranzutreiben, schlägt Cao Jianhai vor:
„Man kann entsprechende politische beziehungsweise wirtschaftliche Maßnahmen zur Standardisierung des Kunsthandels erlassen. Um großen Preisschwankungen der Kunstgegenstände entgegenzuwirken, wären juristische Mittel einzuführen. Das wichtigste ist, unsere Volkswirtschaft und das Eigentum vieler Familien zu schützen."
Übersetzt und gesprochen von Zhang Chen



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