
Das Gemälde "Nummer 5" von Jackson Pollock ist das teuerste Gemälde der Welt. Es wurde in 2006 für etwa 140 Millionen US-Dollar an einen unbekannten Sammler verkauft. Davor wurden für Picasso, Gustav Klimt oder Van Gogh ähnlich hohe Summen bezahlt. Es kann aber sein, dass in der Zukunft Kunsthistoriker aus dem Westen sich mit dem Namen von teuersten Objekten schwer tun: weil sie aus China kommen. Hierzulande werden mittlerweile ähnlich schwindelerregende Summen für Kunst erzielt. Und das ist kein Einzelfall, sondern ein neuer Trend. Der Schwerpunkt des Kunstmarktes scheint sich nach Osten zu verschieben.
Die Finanzkrise von 1997 hat ganz Asien schwer getroffen und im Jahr 2008 stand die ganze Welt unter Schock. Auch in China war die Krise zu spüren. Eine Ausnahme bietet jedoch der chinesische Kunstmarkt. Seit 2009 entwickelt er sich geradezu explosionsartig. In diesem Jahr wurde chinesische Kunst zum ersten Mal für mehr als 100 Millionen Yuan verkauft. Und 2010 war ein neuer Rekordjahr. So wurden die Schriftrollen „Dizhuming" des Kalligraphen Huang Tingjian aus der Song-Dynastie für sage und schreibe 437 Millionen Yuan verkauft. Im November desselben Jahres erzielte die Vase aus der Zeit des Qing-Kaisers Qianlong 1,6 Millionen Pfund, was etwa 550 Millionen Yuan entspricht. Das war der höchste Preis, der jemals für ein asiatisches Kunstwerk erzielt wurde. Der berühmte Sammler Ma Weidu führt weitere Millionenpreise auf:
„Im Jahr 2010 wurde ein Kunstwerk für mehr als 500 Millionen Yuan verkauft, ein anderes für über 400, eins für 300 und zwei für 200 Millionen Yuan. Ein Dutzend weitere Kunstwerke erzielten über 100 Millionen Yuan."
Der Aufschwung der Kunstszene in China geht natürlich auf die Politik von Reform- und Öffnung zurück, erlebt aber vor allem in den 90er Jahren einen Aufschwung. Zu der Zeit sind in China verschiedene Auktionshäuser und Galerien entstanden. Auch ausländisches Kapital hat der Entwicklung in China geholfen.
Am 11. Oktober 1992 organisierte die Beijinger Behörde für Kulturgüter die erste große Versteigerung nach der Wiedereröffnung von Auktionshäusern. Im Jahr 1997 ist das Gesetz über Auktionen in Kraft getreten und in 2010 gab es im ganzen Land knapp 700 Kunstversteigerungen. Werke im Wert von 40 Milliarden Yuan haben ihre Besitzer gewechselt.
Im November hat das berühmte Auktionshaus Christie's eine große Herbstauktion in Hongkong veranstaltet. Der Leiter der Asienabteilung von Christie's, Ye Zhengyuan, berichtet vom Erfolg der chinesischen Kunst. Seit drei Jahren in Folge steigt ihr Anteil immer mehr.
„Die Sammler aus den USA und Europa schätzen Kunst aus China sehr. Chinesische Kunstwerke erzielen geschätzt zwei Drittel der gesamten Preise. Ich bin davon überzeugt, dass die Auktion im November ein Erfolg wird."
Laut der Firma ArtPrice, die Informationen über den Kunstmarkt sammelt, werden in China bereits mehr Kunstwerke als in Großbritannien und in den USA gehandelt. China ist bereits der weltweit führende Markt. Dazu Ye Zhengyuan:
„Es ist schon jetzt klar, dass die chinesischen Kunstwerke einen großen und wichtigen Platz im globalen Markt einnehmen. Der Schwerpunkt des globalen Markts hat sich bereits nach China verlagert."

Der Anstieg der Auktionspreise hat über die Kunstszene hinaus einen positiven Einfluss. So wird dem Schutz der Kulturgegenstände größere Aufmerksamkeit geschenkt. Auch der Sammler Ma Weidu bewertet die Entwicklung positiv. Er glaubt, dass sie der Verbreitung der chinesischen Kultur dienlich sein kann. Auch die Museen würden davon profitieren.
„In Museen wird der wertvolle Teil unserer Kultur ausgestellt. Die Museen nehmen zwar nicht an dem Handel teil, aber sie locken viele Besucher an, die sehen möchten, warum unsere Kultur so viel Geld wert ist. Sie werden nach der Besichtigung auf unsere Kultur stolz sein."
Seit den siebziger Jahren erlebt der chinesische Kunstmarkt eine schnelle Entwicklung. Zwar kann man den Wert der Kunst nicht durch Preise festmachen, aber dennoch kann man an ihnen das größere Interesse in der Welt festmachen. Sie sind ein Ausdruck der wachsenden kulturellen Stärke des Landes.
Übersetzt von Li Qian
Gesprochen von Liu Yuanyuan



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