Wir über uns Kontakt Jobs Fragen? Archiv
Der Alltag als Inspiration – Autorin Wan Fang
  2011-12-22 14:40:31  cri

     

Die Beijingerin Wan Fang gehört zu Chinas bekanntesten Romanautorinnen und Dramaturginnen. Zahlreiche ihrer Werke wurden bereits verfilmt. „Der Baum von Niu Yuqin" (Niu yu qin de shu), eine Fernsehserie, die auf einem ihrer Romane basiert, wurde gar mit dem Sonderpreis der Asia-Pacific Broadcasting Union ausgezeichnet. Ebenfalls einer breiten Leserschaft bekannt sind „Das Glück ist vorbei" (Zou guo xing fu), „Der leere Spiegel" (Kong jing zi) und „Die Herzensangelegenheiten der Frauen" (Nv ren xin shi). Alle drei Romane befassen sich mit der Gedanken- und Gefühlswelt des weiblichen Geschlechts. Die auf ihnen basierenden Fernsehserien erzielten allesamt hohe Einschaltquoten.

Die inzwischen 59-jährige Wan Fang ließ sich als Schriftstellerin stets von ihren eigenen Erlebnissen und Gefühlen inspirieren. Der Übergang zwischen Fakten und Fiktion in ihren Romanen ist oft fließend. Eine Tatsache, die mit ihrer eigenen Wahrnehmung der Dinge aufs engste verbunden ist:

„Wenn man älter wird, merkt man, dass Vieles gar nicht so wichtig war, wie es ursprünglich schien. Man erkennt, dass Vieles an Bedeutung verloren hat. Nehmen wir zum Beispiel meinen Roman „Der leere Spiegel". Frauen schauen sich gerne im Spiegel an und Mädchen noch mehr. Aber ist das, was man im Spiegel sieht auch wirklich echt? Dann denke ich an den „Leeren Spiegel". Er vermittelt genau mein Gefühl vom Leben."

Im Vergleich zu ihren Romanen wirken die Theaterstücke von Wan Fang eher flach und unauffällig. Ein Umstand, welcher der ehrgeizigen Schriftstellerin keine Ruhe lässt, ist doch das Theater schon von klein auf ihre heimliche Leidenschaft. Ihr Vater Cao Yu war Direktor des Beijinger Volkstheaters als sie drei oder vier Jahre alt war. Er nahm sie nicht nur ins Theater mit, sondern zeigte ihr auch gleich, wie es auf und hinter der Bühne aussieht. Besonders gerne schaut sich Wan Fang Aufführungen von Künstlern der älteren Generation wie Yu Shizhi oder Lan Tianye an.

Obwohl Wan Fang schon lange zu Chinas bekanntesten Schriftstellerinnen und Drehbuchautorinnen gehört, hat sie ihr erstes Theaterstück erst im Alter von 54 geschrieben. Der Kassenschlager mit dem Titel „Es gibt ein Gift" (You yi zhong du yao) wurde nach seiner Uraufführung im Jahr 2006 gleich 30 Mal hintereinander aufgeführt. Wan Fangs erstes Bühnenstück war so erfolgreich, dass es mit dem Cao Yu-Dramapreis ausgezeichnet und zusammen mit den berühmtesten Produktionen ihres Vaters in das Sammelwerk „100 Jahre Chinesisches Theater" aufgenommen wurde. Trotz dieses Erfolges blieb Wan Fang stets mit beiden Beinen auf dem Boden. Vergleiche mit ihrem berühmten Vater ließ sie erst gar nie zu:

„Am liebsten würde ich immer Theaterstücke schreiben. Aber ich tue das nicht, weil ich nicht gut schreiben kann. Mir fehlen die Fähigkeiten dazu. Wenn ich mit dem Verfassen eines Theaterstücks beginne, dann schreibe ich so, als ich einen Roman schreiben würde. Das Theater hat einen ganz besonderen Platz in meinem Herzen. Nicht alle meine Ideen schaffen es auf die Bühne, auch wenn ich das natürlich immer hoffe. Auf jeden Fall aber sammle ich alle meine Ideen. Erst im Alter von über 50 schaffte es mein erstes Theaterstück – „Es gibt ein Gift" – auf die Bühne."

Die bisher letzten beiden Theaterstücke von Wan Fang heißen „Beziehungen" (Guang xi) und „Jemand erstattet Anzeige" (Bao jing zhe). Das letztere wird am Ende dieses Jahres im Nationalen Zentrum für Darstellende Kunst in Beijing erstmals aufgeführt. Wie ihr bekannter Vater ließ und lässt sich Wan Fang stets von den Menschen und ihren Alltagserfahrungen inspirieren:

„Was ich von meinem Vater gelernt habe, das für das Schreiben nützlich ist, ist sein Interesse an den Menschen. Mein Interesse an den Menschen hat großen Einfluss auf mich im Alltag. Als mein Vater alt war, begleitete ich ihn einst auf einem Spaziergang. Plötzlich war er nicht mehr da. Ich sah ihn dann einige Meter hinter mir und fragte ihn: „Was siehst du da?" Und er antwortete: „Wie schön doch die Jugend ist!" Er meinte damit ein junges Liebespaar."

Wie ihr Vater interessiert sich auch Wan Fang für das Innenleben und das Wesen der Menschen. Um sich künstlerisch weiterzuentwickeln, schaut sich die 59-jährige Beijingerin häufig Theaterstücke aus dem In- und Ausland an. Auf diese Weise hofft sie, ihr Blickfeld erweitern zu können.

Ein Theaterstück zu kreieren gilt als anspruchsvoller als das Verfassen eines Romans oder eines Drehbuchs. Was aber macht ein gutes Bühnenstück aus? Wan Fang hat auf diese Frage ihre ganz eigene Meinung:

„Zeit ist am wichtigsten. Ob ein Theaterstück gut ist oder nicht, wird letztendlich vom Faktor Zeit entschieden. Der Begriff Zeit hat zwei Bedeutungen: einerseits wie lange nach dem Erlöschen der Lichter und dem Schließen des Vorhangs denken die Zuschauer noch ans Stück? Zum Anderen: über welchen Zeitraum hinweg wird ein Stück aufgeführt? Das Stück „Thunderstorm" von meinem Vater wird bereits 70 Jahre lang gespielt. Es ist also ein gutes Stück. Ich hoffe natürlich, dass ich Werke von noch längerer Lebensdauer schaffen kann."

Übersetzt von Zhong Xi 

Gesprochen von Xiao Lan

Forum Meinungen
• mengyingbo schrieb "Leben in Changshu"
seit etwas über einer Woche ist nun Changshu 常熟 in der Provinz Jiangsu 江苏 meine neue Heimat - zumindest erstmal für rund 2 Jahre.Changshu (übersetzt etwa: Stadt der langen Ernte) liegt ungefähr 100 km westlich von Shanghai und hat rund 2 Millionen Einwohner, ist also nur eine mittelgroße Stadt.Es gibt hier einen ca. 200m hohen Berg, den Yushan 虞山 und einen See, den Shanghu 尚湖...
• Ralf63 schrieb "Korea"
Eine schöne Analyse ist das, die Volker20 uns hier vorgestellt hat. Irgendwie habe ich nicht genügend Kenntnisse der Details, um da noch mehr zum Thema beitragen zu können. Hier aber noch einige Punkte, welche mir wichtig erscheinen:Ein riesiges Problem ist die Stationierung von Soldaten der USA-Armee in Südkorea...
Meistgelesene Artikel
• Keine Lebenszeichen vom gesunkenen indischen U-Boot
• Snowdens Vater erhält Visum für Russland
• Getötete Chinesen: Afghanistan bekundet Beileid
• Vermittlungsversuche in Ägypten gescheitert
• Gipfel abgesagt: Russland enttäuscht von USA
Fotos
Luxusausstellung 2013 in Beijing eröffnet
Fotoausstellung „Chinesischer Traum - Schönes China" in Brüssel
Wiederaufbau neuer Wohnhäuser nach Erdbeben in Min
Lujiagou: Ein neues Wohngebiet mit günstigen Lebens- und Verkehrsbedingungen
© China Radio International.CRI. All Rights Reserved.
16A Shijingshan Road, Beijing, China