
Die Versuche, die Familienplanung in China zu entspannen, haben einen gewissen Meilenstein erreicht: in Henan, der bevölkerungsreichsten Provinz des Landes, ist man kürzlich auf die im restlichen Festland gültige Linie eingeschwenkt. Demnach dürfen Eltern ein zweites Kind haben, sollten beide Elternteile Einzelkinder sein.
Experten sehen darin einen Schritt zur Begegnung der rasch voranschreitenden Alterung der Gesellschaft. Aber es gibt Bedenken, wie man angesichts limitierter Ressourcen einen Baby-Boom unterstützen kann.
Henan unternimmt die letzten erforderlichen Schritte, um die verbleibende Lücke innerhalb der nationalen Maßnahmen zur Familienplanung zu schließen. Entsprechende politische Anpassungen wurden am Ende November von den Provinzverantwortlichen eingeleitet. Dies erfolgte ganze 20 Jahre nachdem in Shanghai erstmals auf dem chinesischen Festland eine solche Jurisdiktion eingerichtet wurde.
Die Frage, ob nun diese Lockerung der Regelung einen Anstieg der bereits hohen Bevölkerungszahl zur Folge haben wird, hat durchaus Sorgen hervorgerufen. Wang Feng vom Brookings-Tsinghua Zentrum für Öffentliche Ordnung glaubt, die Maßnahmen der Familienplanung sollten bestehenbleiben:
„Viele in China glauben, dass wir einfach zu viele Menschen hier sind. Wir glauben nicht, dass die Fertilität niedrig genug ist, und wir glauben weiterhin, dass die Ein-Kind-Politik China enorme Vorteile gebracht hat - und dass dies fortdauern sollte."
Viele Lokalregierungen haben seit den 1990er Jahren die Maßnahmen gelockert. Mehr und mehr Paaren ist es nun erlaubt, zwei Kinder zu haben. Umso mehr verwundert es, dass viele berechtigte Eheleute noch unsicher sind, ob sie auch wirklich ein zweites Kind haben möchten. Die Freuden einer Elternschaft sind sicher wertvoll, doch wie Eltern rund um den Globus wissen, sind diese Freuden oft mit einem hohen Preis verbunden:
„Ich glaube nicht, dass ich ein zweites Kind haben werde, denn die wirtschaftliche Last ist einfach zu groß."
„Wenn ich nur ein Kind habe, kann ich ihm oder ihr eine bessere Ausbildung bieten. Für ein zweites Kind habe ich einfach nicht genug Geld."
Statistiken zufolge haben 2009 in Guangzhou nur 360 der insgesamt 14.000 berechtigten Paare sich dazu entschlossen, ein zweites Kind zu bekommen. 2010 hat etwa die Hälfte der Ehepaare die Möglichkeit eines zweiten Kindes ausgeschlagen: es sei „zu teuer und zu anstrengend, ein zweites Kind aufziehen", so lautete üblicherweise die Begründung.
Wang Feng erklärt:
„Ganz eindeutig hat der Druck zugenommen, was etwa eine passende Wohnung oder einen passenden Beruf betrifft, oder Bildung und Tagesstätten. All dies führt zu mehr Bedenken bei jungen Leuten, wenn sie überlegen, zu heiraten oder ein Kind zu bekommen – ganz zu schweigen von zwei oder drei Kindern."
Soziologen sind daher besorgt, denn in Agrarregionen wie Henan werden gerade Jüngere gebraucht, um die Produktivität in der arbeitsintensiven Landwirtschaft zu gewährleisten. Dagegen wächst in einigen Städten die Ungleichheit, dort gibt es eher zu wenig Junge, die sich um die Alten kümmern können. Die demographische Gleichheit in China wird sich bald aufheben. Der Mangel an jungen Arbeitskräften wird 2015 seinen Höhepunkt erreichen und anschließen das wirtschaftliche Wachstum in den kommenden Jahren etwas abschwächen.
Die Familienplanung kann aber nicht alle sozialen Probleme in China lösen, sie hat nur Auswirkungen auf die Zahl der Geburten.
Übersetzt von Christoph Limbrunner
Gesprochen von Lü Xiqian



Wir über uns






