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Teures Leben – Inflation aus der Sicht chinesischer Angestellter
  2011-12-09 16:38:26  cri
     

„Früher konnte man sich für zwei oder drei Yuan RMB einen frittierten Teigfladen kaufen, den Jianbing, jetzt kostet er schon drei Yuan fünfzig. Eine Kollegin hat mir erzählt, dass sie im letzten Jahr gemeinsam mit einer Freundin für 70 bis 80 Yuan in diesem Restaurant dort drüben prächtig getafelt hat. Aber in diesem Jahr mussten sie 100 Yuan hinblättern, um sich satt zu essen. Die Inflation wird an so etwas sehr deutlich."

Yao Ying ist 27 Jahre alt und arbeitet bei einer Zeitung. Ihr Freund ist in einem Verlag tätig, das gemeinsame Haushaltseinkommen beträgt knapp 20.000 Yuan. Allein die Rückzahlung des Kredites, mit dem sich die beiden ihre Wohnung gekauft haben, beansprucht 10.000 Yuan. Es bleiben etwa 10.000 Yuan, um alle übrigen Ausgaben abzudecken. Yao Ying erklärt, dass sie mit der momentanen Preisentwicklung noch mithalten könnten. Besonders offensichtlich sei für sie der Anstieg der Lebensmittelpreise. Und in der Tat macht die Verteuerung von Nahrungsmitteln den Löwenanteil der Preissteigerungen aus.

Dr. Xu Ce arbeitet für das staatliche Informationszentrum und ist hier für Wirtschaftsprognosen zuständig. Er betont, dass die Situation Yao Yings keineswegs repräsentativ ist. Besserverdienende Büroangestellte würden die Inflation weniger zu spüren bekommen als Arbeiter im mittleren und niedrigen Einkommenssektor.

 „Am deutlichsten ist der Einfluss der Inflation für Menschen mit mittleren und niedrigen Einkommen. Die Ausgaben für Lebensmittel machen einen relativ großen Teil ihrer Einkommen aus."

Xu Ce ist in diesem Jahr 30 Jahre alt geworden, sein Fachgebiet ist die Makrowirtschaft Chinas. Allerdings war er allzu häufig auf trockene Wirtschaftsdaten beschränkt, weshalb er sich in letzter Zeit einen eigenen Eindruck auf den Märkte verschafft. Seiner Ansicht nach lässt sich die Inflation in diesem Jahr hauptsächlich auf zwei Faktoren zurückführen.

„Der erste Faktor ist die lockere Währungspolitik, mit der auf die Wirtschaftskrise reagiert wurde. Zweitens erleben wir einen übermäßigen Ausstoß von US-Dollar, was zum Preisanstieg auf den internationalen Märkten führt. Import, Export sowie die wirtschaftliche Struktur Chinas offenbaren, dass diese zwei Faktoren einen deutlichen Einfluss auf die Inflation in China haben."

Da die Preise steigen, erhofft sich Yao Ying nun auch eine Erhöhung ihres Gehalts und ihrer Bonuszahlungen. Und tatsächlich war ihr Arbeitgeber in der Vergangenheit bereit, dies zu berücksichtigen.

„Unser Monatsgehalt ist von ursprünglich 5000 Yuan RMB um jeweils 500 bis 1000 Yuan erhöht worden. Die Preissteigerungen wurden dabei in Erwägung gezogen. Auch die Boni werden etwas erhöht. Zum Beispiel bekam früher jeder Mitarbeiter zum Geburtstag einen Gutschein für einen Geburtstagskuchen im Wert von 100 Yuan. In diesem Jahr hatte der Gutschein schon einen Wert von 200 Yuan."

Bis Ende 2011 wurden die Mindestlöhne in allen Landesteilen um durchschnittlich 21,7 Prozent erhöht. Dennoch können die Einkommenszuwächse längst nicht mit dem Tempo der Inflation Schritt halten, wie Yao Ying verärgert feststellen musste.

„Früher hat man 5.000 Yuan verdient und 2.000 davon ausgegeben, also waren 3.000 übrig. Aber heute gibt man von 6.000 Yuan Gehalt auf einmal 4.000 Yuan aus, es bleibt also weniger Geld übrig. So ist das doch!"

Wie Xu Ce erklärt, führten breit gefächerte Gehaltserhöhungen in einer bereits von Inflation betroffenen Wirtschaft üblicherweise zu weiteren Preisanstiegen. Frau Yao Ying ist trotz der spürbaren Verteuerung auch weiterhin nicht bereit, auf das gemeinsame Essen mit Freunden in Restaurants zu verzichten.

„Wenn man zusammen mit Freunden in einem normalen Restaurant isst, muss man seine Ausgaben vielleicht von 200 auf 400 Yuan erhöhen. Aber ich will darauf nicht verzichten und werde mich deswegen auch nicht seltener verabreden."

Yao Ying und ihr Freund erwägen derzeit, besonders stark von Preissteigerungen betroffene Artikel auf Vorrat zu kaufen. Alternativ wäre es möglich, sich günstigen Ersatz für preisintensive Waren zu suchen. Vor allem soll aber Geld eingespart und angelegt werden.

„Wenn ich allein esse, versuche ich, in die Kantine zu gehen. Ich will auch weniger ausgehen und konsumieren. Mein Freund investiert jetzt am Börsenmarkt. Es gibt auch Freunde von mir, die Silber kaufen. Das ist sicher stabiler als die Börsen. Ich halte es für sehr lohnenswert, in Gold zu investieren."

Als Wirtschaftsbeobachter empfindet Xu Ce die Investitionsmöglichkeiten für normale Bürger als mangelhaft.

„Angesichts der verstärkten Kontrolle auf dem Immobilienmarkt und der Börsenflaute können wir kaum gute Investitionsmöglichkeiten finden. Wir sind also gezwungen, Gold zu kaufen. Eine Alternative wäre, am Währungsmarkt zu investieren. Aber die Schwankungen der internationalen Währungen sind relativ stark."

Mit dem derzeit verlangsamten Anstieg des Preisindexes besteht die Hoffnung, dass sich die Warenpreise in Zukunft stabilisieren könnten. Wie Xu Ce erklärt, würden die umfassenden Steuerungsmaßnahmen des Staates nun erste Ergebnisse zeigen.

Viele Büroangestellte wie Yao Ying sind außerdem bereit, in einem kostspieligen Umfeld zu leben. Yao Ying plant, innerhalb der nächsten zwei Jahre zu heiraten – und hat nun begonnen, die Kosten ihrer Hochzeit vorauszuberechnen.

Übersetzt von Qiu Jing

Gesprochen von Huang Gang 

Forum Meinungen
• mengyingbo schrieb "Leben in Changshu"
seit etwas über einer Woche ist nun Changshu 常熟 in der Provinz Jiangsu 江苏 meine neue Heimat - zumindest erstmal für rund 2 Jahre.Changshu (übersetzt etwa: Stadt der langen Ernte) liegt ungefähr 100 km westlich von Shanghai und hat rund 2 Millionen Einwohner, ist also nur eine mittelgroße Stadt.Es gibt hier einen ca. 200m hohen Berg, den Yushan 虞山 und einen See, den Shanghu 尚湖...
• Ralf63 schrieb "Korea"
Eine schöne Analyse ist das, die Volker20 uns hier vorgestellt hat. Irgendwie habe ich nicht genügend Kenntnisse der Details, um da noch mehr zum Thema beitragen zu können. Hier aber noch einige Punkte, welche mir wichtig erscheinen:Ein riesiges Problem ist die Stationierung von Soldaten der USA-Armee in Südkorea...
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