In China gibt es kein ausreichendes System für die Prävention von psychischen Krankheiten. Und die Öffentlichkeit weiß nur sehr wenig über solche Krankheiten. Viele Menschen, die eigentlich Hilfe brauchen, erhalten keine: entweder weil sie es sich nicht leisten können, oder wegen dem Stigma, das der Psychiatrie anhaftet.
Das Problem wird dadurch verschlimmert, dass es Menschen gibt, die eigentlich gesund sind, aber als „geisteskrank" eingestuft werden, um sie illegal festzuhalten.
Jetzt wird in der Volksversammlung ein Gesetzesentwurf diskutiert, der die Rechte und die Interessen von psychischen Kranken festlegt. Er befasst sich auch mit der medizinischen Behandlung und der Unterstützung für die Betroffenen.
Die Rechte von psychisch Kranken sollen per Gesetz festgelegt werden. Und es soll sichergestellt werden, dass nur Profis mit einer entsprechenden Ausbildung darüber bestimmen dürfen, ob jemand an einer Geisteskrankheit leidet und ob er in ein Krankenhaus gebracht werden soll.
Tang Hongyu vom Institut für Psychiatrie der Peking Universität führt weiter aus:
„Zwingende Behandlung in einer Anstalt für psychisch Kranke soll nur auf Geheiß eines Gerichts stattfinden. Illegales Festhalten von gesunden Menschen als „geisteskrank" sollte als ein Verstoß gegen das Strafrecht behandelt werden."
Die Gesetzesinitiative beschäftigt sich ebenfalls damit, wie man die Behandlungsmethoden und die Überwachung von Patienten mit psychischen Leiden verbessert.
China schickt sich zur Zeit an, reich zu werden. Familien-Strukturen verändern sich, Millionen Menschen ziehen jedes Jahr aus den Dörfern in die Städte. Das alles belastet die Menschen, auch wenn es auf der Oberfläche oft unbemerkt bleibt.
Spezialisten machen den Unterschied zwischen den eigenen Erwartungen und der Wirklichkeit als den Hauptgrund für psychische Leiden verantwortlich. Fan Xiaodong ist Arzt am Institut für Psychiatrie der Peking Universität:
„Die Menschen sollen sich realistische Ziele fürs Leben setzen und nicht solche, die sie nicht erreichen können. Und das gilt sowohl fürs Lernen als auch für die Arbeit."
Der Psychiater sagt, dass es nicht wirklich schlimm ist, psychische Probleme zu haben. Schlimm ist es, sie zu ignorieren.
„Allgemein gesprochen, wenn man seine mentalen Probleme in der Frühphase erkennt und behandelt, ist es leicht, wieder gesund zu werden. Es ist genauso wie bei einer Erkältung. Aber wenn man sich zu spät behandeln lässt, dann ist die Gefahr groß, dass die Krankheit wiederkehrt."
Weitaus wichtiger ist es aber, dass die Gesellschaft psychischen Erkrankungen und den Menschen, die von ihnen betroffen sind, ohne Vorbehalte begegnet.
Übersetzt von Jörg Pensin
Gesprochen von Lü Xiqian



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