Unerbittlich weht der Wind aus Sibirien und der Mongolei. Im Norden von China ist es kalt geworden. Glücklicherweise hat in den Städten bereits die Heizsaison begonnen. Doch weil Energie nicht unendlich ist, muss man Wege finden, um sie zu sparen.
Kosten sind immer ein guter Anreiz, nicht mehr zu verbrauchen, als man wirklich benötigt. Bei der Heizung war das bis jetzt nicht möglich, weil man einen Pauschalbetrag zahlte, der von der Fläche der Wohnung und nicht vom tatsächlichen Verbrauch abhing. Das soll sich nun ändern.
Wang Zhenhua lebt in der Stadt Tianjin. Er sagt, dass er mit einem Wärmezähler die Temperatur in seiner Wohnung regulieren könne. Wenn er zu Hause sei, drehe er die Heizung auf und wenn er seine Wohnung verlasse, senke er die Temperatur.
Auf diese Weise hat er sogar etwas sparen können, weil bei seiner Rechnung nicht mehr die Fläche der Wohnung ausgerechnet wird, sondern der tatsächliche Energieverbrauch. Und weil seine Wohnung ganze 120 Quadratmeter groß ist, ist er ganz froh um die neue Zahlmethode:
„Ich kriege etwas von meinem Geld zurück, mindestens 170 oder 200 Yuan im Jahr. Weil ich Energie gespart habe."
Wenn Wang Zhenhua sein Thermostatventil zurückdreht, registriert es die Heizstation in seinem Wohnviertel. Dort wird genau erfasst, wie viel Energie die Bewohner in der Gegend verbrauchen.
Zurzeit werden in Tianjin Wohnungen mit einer Gesamtfläche von 30 Millionen Quadratmetern mit dem neuen System geheizt. Seit 2000 müssen in allen neuen Häusern Heizkörper mit regulierbarer Temperatur installiert werden. Jiang Xuekun vom Büro für Fernwärmelieferung der Stadt Tianjin erklärt:
„Probeversuche haben gezeigt, dass man mit der regulierbaren Heizung sieben bis fünfzehn Prozent Energie sparen kann. 60 bis 80 Prozent der Haushalte im Versuchsgebiet konnten damit Energie sparen."
Doch es bleibt schwierig, das neue System flächendeckend einzusetzen. In alten Gebäuden müssen dafür die Heizkörper erneuert werden. Und das kostet natürlich sehr viel Geld, weswegen viele lokale Regierungen es sich nicht leisten können.
Doch es gibt auch andere Schwierigkeiten. Der Einbau von Thermostatventilen würde die Wartungskosten der Anbieter in die Höhe treiben und gleichzeitig ihre Einnahmen senken. Pang Zhuo vertritt ein Energieunternehmen aus Tianjin:
„Letztes Jahr konnten sechzig Prozent der Verbraucher Geld zurückbekommen. Damit haben wir zehn Prozent der Einnahmen den Kunden wiedererstattet."
Dazu kommt, dass die Kosten für Energieunternehmen immer mehr steigen. So zahlte man zum Beispiel für eine Einheit Kohle vor einigen Jahren um die 400 Yuan. Heute sind 730 fällig. Auch die Kosten für Arbeit, Elektrizität und Wasser sind gestiegen.
Seit 2005 fördert die Zentralregierung Einsparung von Energie. In allen Neubauten muss Heizung mit Wärmeregulierung eingebaut werden. Doch die letzten Zahlen zeigen, dass nur die Hälfte der neu installierten Geräte tatsächlich in Betrieb genommen wurden.
Übersetzt von Jörg Pensin
Gesprochen von Lü Xiqian



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