
In der Stadt Dengfeng in der Provinz Henan befindet sich Chinas wohl berühmtester buddhistischer Tempel: der Shaolin-Tempel. Dengfeng wird gemeinhin auch als „Heimat der Kampfkunst" genannt, weil es in der Stadt zahlreiche Kungfu-Schulen gibt. Wir haben zwei dieser Schulen besucht, um mehr über das Leben der Kungfu-Schüler zu erfahren.
Im Ausbildungszentrum für Kungfu-Mönche, das zum Shaolin-Tempel gehört, beginnt jeder Arbeitstag mit einem Musikstück aus dem klassischen Kungfu-Film „Der Shaolin-Tempel". Das Zentrum wurde 1997 gegründet. Es untersteht direkt dem Shaolin-Tempel und dient dazu, die Shaolin-Kultur zu verbreiten. Regelmäßig werden hier Vorführungen durchgeführt.
Die über 12.000 Schüler, die das Ausbildungszentrum für Kungfu-Mönche besuchen, werden bei weitem nicht nur in Kungfu unterrichtet, sondern auch in herkömmlichen Fächern. Zusätzlich zur Kungfu-Ausbildung bietet das Zentrum den Schülern wöchentlich noch ein bis zwei Male Unterricht im Buddhismus an. Die Absolventen dieses Lehrgangs setzen ihre Ausbildung oft an Sportuniversitäten fort. Nur wenige sind gut genug, um die extrem schwierige Kungfu-Prüfung zum Shaolin-Mönch zu bestehen.
Kungfu mag einfach und leicht aussehen, ist in der Tat jedoch unvorstellbar schwierig. Bis man nur schon die Grundtechniken beherrscht, ist jahrelanges hartes Training erforderlich. Xu Peng ist der Vorsteher der Wirtschaftsfakultät des Zentrums. Für viele Schüler sei der Anfang nicht leicht, sagt Xu:
„Am Anfang ist es bestimmt gewöhnungsbedürftig. Es ist in etwa so, wie wenn ein Junge wegen der Wehrpflicht in die Armee kommt. Die Schüler kommen aus allen Teilen des Landes. Nach ein bis zwei Monaten gewöhnen sie sich allmählich ans Leben hier."
In der großen Schar der vielen Jungen mit kurzem Haar sind auch einige langhaarige Mädchen auszumachen. Jiao Xiaohong trainiert die Mädchen. Von einem Qualitätsunterschied zwischen den Geschlechtern will sie nichts wissen:
„Sie können genauso gut sein wie die Knaben. Nur manchmal sind sie ein bisschen verweichlicht. Doch mit strenger Disziplin können auch sie schnell und gut lernen."
Im Vergleich zum Ausbildungszentrum der Kungfu-Mönche ist das Shaoliner Epo-Institut für Kungfu internationaler. Das im Jahr 1977 gegründete Institut ist eines der ältesten Kungfu-Institute der Volksrepublik. Etwa 1.100 der insgesamt über 7.000 Kungfu-Lehrlinge stammen aus dem Ausland.

Obwohl einige der Lehrlinge noch wie Milchbubis aussehen, gehen sie schon zur Sache als wären sie gestandene Kungfu-Meister. Mehrere hundert von ihnen trainieren gemeinsam auf einem Platz. Wenn man das Institut zum ersten Mal betritt, fühlt man sich, als würde man eine andere Welt betreten. Außer dem Kungfu-Unterricht unterscheidet sich das Institut überhaupt nicht von einer gewöhnlichen Schule. Wie an anderen Schulen gibt es auch im Epo-Institut für Kungfu eine Radiostation. Shen Weina ist mitverantwortlich für das tägliche Programm. Den Kungfu-Schülern fehle es an nichts, sagt Shen:
„In jedem Zimmer sind sechs Kinder untergebracht. Alle Zimmer sind klimatisiert. Wir haben Fernseher, Telefone und separate Waschräume. Es gibt täglich 24 Stunden heißes Wasser zum Waschen und auch zum Trinken."
Die guten Bedingungen erlauben es den Schülern, sich voll auf das Lernen zu konzentrieren. Dass ihre Kinder im Institut wohnen, finden die meisten Eltern gut. Das würde sie zu mehr Selbständigkeit erziehen, so der allgemeine Tenor.
Dagegen hätte wohl auch Tomas Storek nichts einzuwenden. Der Tscheche ist in seiner Heimat ein bekannter Kungfu-Kämpfer. Von der Besichtigungstour durch das Institut zeigt sich Storek stark beeindruckt:
„Ich mag die Trainingsmethoden hier. Es gibt hier viele Schüler. Sie müssen die Grundtechniken immer wieder üben. Nur so lernt man Kungfu richtig. Es war für mich eine tolle Sache, die Schule hier besuchen zu dürfen. Meiner Meinung nach gehört sie zu den besten der Welt. Die Schüler hier lernen Kungfu nicht zur Aufführung. Sie lernen richtiges Kungfu. Das ist was ganz Anderes."
Bis die tausenden von Kungfu-Schülern in Dengfeng so gut sind wie Tomas Storek aus Tschechien, müssen sie allerdings noch lange fleißig üben. Doch wie heißt es doch so schön: Übung macht den Kungfu-Meister.
Übersetzt von Xi Jing
Gesprochen von Zhang Chen



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