
Xiao Zhang ist ein großer Freund digitaler Produkte. Schon seit einiger Zeit träumt er von einem iPhone, allerdings sprengt das mit 4.000 Yuan aufwärts seinen finanziellen Rahmen. Dann fiel ihm eines Tages in einem kleinen Geschäft für elektronische Geräte ein Informationsschalter auf, der für günstige Konsumentenkredite warb. Die Entdeckung versetzte ihn sofort in höchste Aufregung.
Nach Auskunft des Managers muss Xiao Zhang beim Kauf eine Anzahlung von 1.500 Yuan leisten, danach genügt eine monatliche Ratenzahlung von 330 Yuan. Diese Lösung kommt Xiao Zhangs Situation sehr entgegen.
„Ich hatte nicht damit gerechnet, dass ich so schnell an einen Kredit kommen würde. Es ist kein Problem für mich, eine Rate von 330 Yuan pro Monat zu zahlen. Ich werde das auch wieder in Betracht ziehen, wenn ich später andere elektrische Geräte kaufen möchte."
Keine 30 Minuten später ist Xiao Zhangs Traum von einem iPhone endlich Wirklichkeit geworden. Dabei muss er sich weder um Sicherheitsgarantien, noch um eine überzogene Kreditkartenrechnung Sorgen machen. Im Gegenteil, der gesamte Prozess der Kreditvergabe ist sehr überschaubar.
Während des letzten Jahres traten in China die ersten Unternehmen für Konsumfinanzierung auf den Plan, die vor allem persönliche Finanzdienstleistungen und eben auch Konsumentenkredite anboten. Yuan Zaozhang arbeitet als Manager für die Bank of Beijing Consumer Finance Company.
„Die kürzeste Bearbeitungsdauer für einen Konsumentenkredit beträgt 20 Minuten – genau das, was wir unseren Kunden anbieten wollen."
Für die Gründung eines solchen Finanzunternehmens selbst sind übrigens keine Kredite zulässig. Vielmehr müssen die Institute einen bestimmten Betrag als Startkapital vorweisen können. Erweisen sie sich nach einer festgelegten Laufzeit als rentabel, können sie sich bei den größeren Kreditinstituten und Banken zusätzliches Kapital leihen. Die Rückzahlungsmodalitäten variieren dabei und richten sich nach der Wirtschaftlichkeit des Unternehmens.
Auf Beschluss der chinesischen Bankenaufsichtsbehörde vom letzten Jahr dürfen Konsumentenkredite nicht beliebig vergeben werden, sondern sind an den Verkauf bestimmter Produkte geknüpft. Hierzu zählen etwa elektronische Geräte, Bildungsausgaben, Hochzeits- und Reisedienstleistungen oder Renovierungsarbeiten. Für Auto- oder Wohnungskäufe werden die Kredite hingegen nicht gewährt. Zudem darf der Kredit nicht mehr als das Fünffache des monatlichen Einkommens des Kreditnehmers betragen. Die Zinsen sind ebenfalls gedeckelt, als Obergrenze gilt das Vierfache der von den Banken festgesetzten Standardrate.
Bis Ende Juli 2011 hat die Bank of Beijing Consumer Finance Company bereits Konsumentenkredite im Wert von mehr als 140 Millionen Yuan RMB vergeben. Über 80 Prozent der Kreditnehmer haben ein monatliches Einkommen von weniger als 20.000 Yuan. 65 Prozent der Kredite belaufen sich auf maximal 20.000 Yuan und werden vor allem für die Anschaffung alltäglicher Dinge verwendet. Wie Yuan Yaozhang erklärt, gäbe es in China einen großen Markt für derartige Kredite.
„In der Zukunft werden wir uns nicht nur auf Dienstleistungen in den Städten konzentrieren, sondern auch die Vorstädte einbeziehen. Bezirke wie Tongzhou oder Daxing entwickeln sich sehr schnell und mit deutlicher Unterstützung der lokalen Behörden. Wir erwägen eine daher Expansion und wollen unser Unternehmen landesweit aufzustellen."
In europäischen Ländern sowie in Japan machen Konsumentenkredite immerhin 30 Prozent des Marktes für private Kredite aus. Daneben finden sich vor allem Kreditkartenanbieter und die großen Banken, die ebenfalls Kredite für kleinere Anschaffungen anbieten. In China hat diese Entwicklung jedoch gerade erst Fahrt aufgenommen. Dass sie ein Erfolg wird, dafür sprechen flexible Rückzahlmodalitäten und niedrige Zinssätze.
Übersetzt und Gesprochen von Lucas Göpfert



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