
Tritt man ins China Barista Coffee hinein, strömt einem sogleich der Duft von frischem Kaffee entgegen. Der Besucher wird von riesigen Espresso-Maschinen und kleineren, mehrteiligen Kannen aus Italien empfangen. Es gibt sogar einen blubbernden, brasilianischen Siphon, der an ein Labor eines verrückten Wissenschaftlers erinnert.
China Barista Coffee liegt in der Mitte des hippen Szeneviertels 798. Jedes Jahr absolvieren 200 Menschen einen Kurs zum Barista.
Ji Ming ist der stellvertretende Leiter des Trainingskurses und schon seit zehn Jahren im Kaffee-Geschäft. Er sagt, dass die chinesischen Kunden nach wie vor mit dem Kaffe nicht vertraut sind.
„Sie geben dir Kaffee, sie geben dir Milch, sie mischen es zusammen und sie trinken es. Und sie denken: „Das ist also Kaffee. Das schmeckt aber bitter". Und manchmal kann man es überhaupt nicht trinken. Deswegen habe ich beschlossen, einen Kaffee-Shop aufzumachen, um den Leuten zu zeigen, was ein wirklich guter Kaffee ist. Ohne Milch, ohne Zucker, nur wirklich guter Qualitätskaffee."
Doch langsam beginnt sich die Beziehung zum Kaffee zu wandeln, so die Managerin des Barista Coffees, Fu Yu.
„Kaffee kam das erste Mal in den Neunzigern nach Beijing. Doch damals haben die Leute Kaffee nur auf Parties oder bei Geschäftstreffen getrunken. Es hat bis in 2000er gedauert, bis der Kaffee auf einem ziemlich niedrigen Niveau in der Freizeit getrunken wurde. Aber auch damals hat man es als etwas Bourgeoises angesehen. Als während den Olympischen Spielen viele Ausländer nach China gekommen sind, haben viele junge und ältere Menschen mehr über Kaffee erfahren. Heute denken die Leute, dass herumsitzen und Kaffeetrinken ein gutes Mittel ist, um sich vom Arbeitstress zu erholen."
Nick ist 21 Jahre alt und heißt eigentlich Wu Binxiang. Er ist den ganzen Weg aus der Provinz Qinghai gekommen, um in Beijing alles über Kaffee zu lernen. Er ist auch der Gewinner des Barista-Wettbewerbs im letzten Jahr.
„Gut, es war vor sechs Jahren, als ich das erste Mal mit dem Kaffee in Berührung kam. Und ich bin vollständig seinem Zauber, dem Geschmack und dem Aroma verfallen. Ich habe mich damals in Kaffee verliebt. Jede Arbeit, die ich danach gemacht habe, hatte irgendwas mit Kaffee zu tun."
Heute ist Nick ein echter Kaffee-Kenner und träumt davon, eines Tages ein eigenes Geschäft zu eröffnen.
In dem Kurs lernen die Teilnehmer alles über die Kaffeebohnen, das Aroma, Maschinen und die Vorlieben der verschiedenen Länder.
Li Furong ist der Leiter des Kurses und sagt, dass die Schüler bei ihm mehr lernen, als sie es in einem gewöhnlichen Coffee-Shop getan hätten.
„Hier bei uns gibt es alle möglichen Arten von Kaffeemaschinen und unterschiedliche Arten von Kaffeebohnen mit unterschiedlichem Aroma. Wir haben auch unterschiedliche Rezepte für die Zubereitung von Kaffee. Die Kursteilnehmer können lernen, Kaffee von verschiedenem Geschmack zu machen, um auf die verschiedenen Bedürfnisse ihrer zukünftigen Kunden einzugehen. Wenn man es in einem gewöhnlichen Cafe lernt, ist es anders, weil man dort immer dieselben Arten von Bohnen und Rezepten benutzt. Es ist sehr eingeschränkt. Hier in der Barista Schule lernt man nicht nur die Grundlagen, sondern auch professionelles Wissen. Die Absolventen können danach überall arbeiten, sogar in anderen Ländern."
Für manche ist der Kurs ein guter Karriere-Schritt. Zhao Yazhou hat zum Beispiel nur ein Monat nach dem Kurs eine Arbeit im Hi Cafe gefunden, das ebenfalls im Kunstviertel 798 liegt. Zhao hat immer das volle Kaffee-Aroma genossen. Seitdem er mal ein kaltes Kaffeegetränk aus der Flasche probiert hat, ist er ein eingefleischter Kaffee-Fan.
„Ich glaube, dass das, was ich bei China Barista Coffee gelernt habe, mir in der Zukunft sehr nützlich sein wird. Vor allem wenn ich meine eigene Bäckerei eröffne. Die Gesellschaft in China schreitet immer weiter voran und Kaffee wird auch in einer Bäckerei immer wichtiger. So können die Leute dasitzen und ihre Kuchen genießen."
Und wenn das nicht genug ist, um den Erfolg der Barista-Schule am coolen Ende von Beijing zu demonstrieren: Es vergeht kein Monat, ohne dass ein Absolvent von China Barista in Beijing oder anderswo in China ein Cafe eröffnet. Es ist wirklich ein Wendepunkt für eine Kultur, die tief im Tee verwurzelt ist. Der gewiefte Kaffee-Entrepreneur sollte jetzt nicht abseits stehen.
Übersetzt von Jörg Pensin
Gesprochen von Lü Xiqian



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