Eigentlich sollte die neue NBA-Saison am 1. November beginnen. In diesem Jahr aber müssen sich die Basketball-Fans auf der ganzen Welt noch ein wenig in Geduld üben. Seit dem 1. Juli hat die Liga ihre Spieler nämlich ausgeschlossen, da der alte Tarifvertrag am 30. Juni ausgelaufen war. Wie lange der sogenannte Lockout noch dauern wird, ist ungewiss. Die bisherigen Verhandlungen zwischen den Klubbesitzern und der Spielergewerkschaft sind ergebnislos verlaufen. Selbst die Absage der ganzen NBA-Saison ist nicht ausgeschlossen.
Eigentlich sollten sie ja gemeinsam auf Korbjagd gehen. Doch die Basketballer und Klubbesitzer in der NBA haben sich eben den nächsten Korb gegeben. Das Chaos in den Tarifverhandlungen geht in die nächste Runde.
Am 20. Oktober haben beide Seiten ihre Gespräche nach fünf Stunden in New York ergebnislos abgebrochen. Daran änderte auch die Zuhilfenahme des Vermittlers George Cohan nichts. Weitere Spielabsagen und ein verlängerter Zwangsurlaub für Dirk Nowitzki und seine Kollegen dürften angesichts der total festgefahrenen Standpunkte die Folge sein. Die gesamte Preseason und der erste Monat der regulären Saison mussten bereits abgesagt werden. Dass die Begegnungen zu einem späteren Zeitpunkt nachgeholt werden, ist ausgeschlossen. Die Spieler werden somit mehrere Millionen Dollar an Einnahmen verlieren.
Wie der erfahrene Vermittler George Cohan der Presse gegenüber erklärte, waren beide Seiten nicht imstande, sich auf einen Kompromiss zu einigen. Beide beharrten auf ihren Positionen. In den Kernpunkten sind die beiden Parteien immer noch Welten voneinander entfernt. Derek Fisher, Spieler der Los Angeles Lakers und Präsident der Spielergewerkschaft, warf der Liga vor, derzeit gar kein Interesse zu haben, dass Basketball gespielt wird und dass die Angestellten zurück an ihre Arbeit gehen können.
Der Hauptstreitpunkt ist die prozentuale Aufteilung der jährlichen Gesamteinnahmen der Liga von 4,3 Milliarden Dollar. Die Spieler, die von der Liga seit dem ersten Juli ausgesperrt sind, haben bisher 57 Prozent der Gesamteinnahmen erhalten. Ein zu hoher Prozentsatz für die 30 Teambesitzer, von denen viele in den letzten Jahren rote Zahlen schreiben mussten. Sie haben in den Verhandlungen deutlich gemacht, den Spielern keinesfalls mehr als 53 Prozent zuzugestehen. Ihr 50-zu-50-Deal wurde von den Spielern jedoch klar abgelehnt. Die Spieler haben ihre ursprüngliche Forderung lediglich auf 52,5 Prozent gesenkt. Zudem weigern sich die Profis standhaft, die von den Besitzern gewünschte harte Gehaltsobergrenze von 45 Millionen Dollar pro Team zu akzeptieren.
Es ist erst das zweite Mal in der Geschichte der NBA, dass infolge eines Lockouts Partien gestrichen werden müssen. 1999 einigten sich die Liga und die Spielergewerkschaft erst Anfang Januar auf einen neuen Tarifvertrag. Insgesamt fielen damals 464 Spiele aus. Die Saison begann am 6. Februar anstatt am 1. November und musste von 82 auf 50 Partien pro Team reduziert werden.
Die ergebnislosen Verhandlungen sind nicht nur eine Riesenenttäuschung für alle Beteiligten, sondern auch für die Basketball-Fans auf der ganzen Welt. Der Lockout hat vielen Klubs in Europa und Asien aber auch die Chance gegeben, einen der momentan arbeitslosen NBA-Stars zu verpflichten. Bei den 24 Euroleague-Klubs sind gegenwärtig über 20 NBA-Spieler unter Vertrag, die es vorgezogen haben, in Europa auf Korbjagd zu gehen, anstatt in den Vereinigten Staaten auf das Ende des Arbeitskampfes zu warten. So haben sich beispielsweise der Spanier Rudy Fernandez, der Italiener Danilo Gallinari und der Franzose Nicolas Batum schon frühzeitig dazu entschieden, in ihre Heimatländer zurückzukehren und ihr Brot in der Euroleague zu verdienen.
Der frischgebackene deutsche NBA-Champion Dirk Nowitzki hat bisher einen Wechsel zurück in die Basketball-Bundesliga kategorisch ausgeschlossen. Die festgefahrenen Positionen in den Tarifverhandlungen haben aber auch beim Würzburger inzwischen zu einem Umdenken geführt. Nowitzki hat bereits angekündigt, in den kommenden Wochen zurück nach Deutschland zu fliegen und dort das Training wieder aufzunehmen. Das Werben um die Dienste des Blondschopfs der Dallas Mavericks hat schon lange begonnen. Vor allem der FC Bayern München zeigt großes Interesse am ehemaligen MVP.
Trotz dem abgesagten Saisonstart haben auch die Basketballfans in China Grund zum Jubeln. Yi Jianlian von den Washington Wizards wird in den nächsten Wochen nämlich für Guangdong in der chinesischen Profiliga CBA auf Korbjagd gehen. Der gebürtige Guangdonger hat einen Vertrag unterschrieben, der ihm die sofortige Rückkehr in die USA erlaubt, sobald die NBA-Saison beginnt. Kenyon Martin und J.R. Smith von den Denver Nuggets werden hingegen definitiv bis zum Ende der diesjährigen CBA-Saison Ende März für Xinjiang beziehungsweise Zhejiang auflaufen. Und zwar auch für den Fall, dass die neue NBA-Saison schon vorher beginnen sollte.
Dies könnte schon bald der Fall sein. Denn die Teambesitzer und die Vertreter der Spielergewerkschaft wollen sich nächste Woche erneut an den Verhandlungstisch setzen. Experten gehen davon aus, dass sich die Parteien über kurz oder lang einigen werden, da schlicht und einfach zuviel Geld auf dem Spiel steht. Es besteht also durchaus Grund zur Hoffnung, dass wir Nowitzki und Co. schon bald wieder auf dem NBA-Parkett bewundern können.

Übersetzt von Liwen
Gesprochen von Lu Ming



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