Spätestens seit dem weltweiten Kassenschlager Avatar von James Cameron führt kein Weg mehr an der 3D-Technik vorbei. Einige innovationshungrige Firmen gehen bereits einen Schritt weiter. Die amerikanische Firma Organic Motion zum Beispiel hat ein System zur Bewegungserfassung in Echtzeit ohne Marker erfunden. Mit der von Organic Motion erfundenen Technologie können die Bewegungen eines Schauspielers in einem riesigen Raum erfasst werden, ohne dass der Schauspieler ein Gerät an seinem Körper tragen muss, das seine Bewegungen einschränkt. Das System könne von jeder Mann und jeder Frau ganz einfach benutzt werden, sagt Andrew Tschesnok, der CEO von Organic Motion:
„Im Science Fiction Museum in Seattle haben wir beispielsweise bei der Avatar-Ausstellung ausgeholfen. James Cameron hat dort ein System installieren lassen, das es jedem Besucher erlaubt, ein Na'vi zu werden. Die Besucher können frei herumlaufen. In einer Szene können sie sogar Pflanzen berühren. Die Pflanzen verschwinden wie in der einen Szene im Film, wo die Monster auftauchen. Es ist wirklich toll, weil jede Person kommen und diese Art von Technik selbst erleben kann."
Auch die Forschungsabteilung von Disney befasst sich seit längerem mit der 3D-Technik. Sie hat ein System erfunden, mit dem 3D-Bilder in nahezu jede Art von Raum gebeamt werden können. Die Erfindung von Disney könnte schon bald die Art und Weise verändern, wie wir beispielsweise Fotos und Kunstwerke präsentieren, und sie zu einem lebendigen Bestandteil unserer Wohn- und Arbeitsräume machen.
Die Franzosen beherrschen die Kunst des Pfannkuchenbackens bekanntlich perfekt. Wissenschaftler des Institut national de recherche en informatique et en automatique (INRIA) haben nun ein Programm entwickelt, mit dem sich die leckeren Crêpes auch in der virtuellen Welt herstellen lassen. Mit ihrem Programm wollen die französischen Forscher jedoch weit mehr als nur Kochlektionen erteilen.
In ihrem Programm kommt eine Technik zur Anwendung, die als haptische Wahrnehmung bezeichnet wird. Sie beruht auf einem Feedback ans System, das durch Berührungen durch den User erzeugt wird. Das Crêpe-Programm von INRIA vermittelt dem User bei der Interaktion mit Flüssigkeiten wie Butter, Ahornsirup und Caramel das Gefühl, als würde er tatsächlich einen Crêpe herstellen.
Das Programm wurde allerdings nicht zu Unterhaltungszwecken erfunden, sondern für eine ganze Reihe von praktischen Anwendungen, wie Gabriel Cirio vom INRIA betont.
„Es ist absehbar, dass diese Technik in der Medizin zu Simulationszwecken eingesetzt wird – etwa zur Ausbildung von Chirurgen; bei virtuellen Operationen, wo Blut oder andere Körperflüssigkeiten benötigt werden. In Fällen also, wo der Chirurg das Feedback spüren kann, das er durch seine Interaktion erzeugt. Unsere Technik eignet sich auch für Manipulationszwecke in der Industrie, wo Leute ausgebildet werden müssen, die mit teuren oder gefährlichen Flüssigkeiten hantieren müssen. Mit anderen Worten: sie benutzen virtuelle Gegenstände, die nichts kosten."
Ein Team japanischer Wissenschaftler hat ein frei in der Luft schwebendes Gerät entwickelt, das die Online-Kommunikation revolutionieren könnte. Wenn wir heute Skype oder ähnliche Programme benutzen, bedienen wir uns in der Regel Laptops oder anderer tragbarer Elektrogeräte. In Zukunft könnte es durchaus sein, dass wir zur Online-Kommunikation unsere Gesichtsbilder auf frei schwebende Geräte projizieren. Wie genau das funktionieren soll, erklärt uns Hiraoki Tobita von der Forschungsabteilung des japanischen Großkonzerns Sony:
„Wie Sie vielleicht wissen, basiert das von uns entwickelte Geräte auf einem Ansatz, welcher der Kameraeinstellung „Talking Head" sehr ähnlich ist. Wir benutzen einen roboterhaften Ansatz. Beim „Talking Head" bewegt sich das Gerät am Boden und die Gesichtsausdrücke verändern sich dynamisch. Unser Gerät hingegen schwebt in der Luft. Dadurch werden viele Hindernisse vermieden. Unser Ansatz unterscheidet sich ganz grundlegend vom traditionellen Ansatz."
Hiraoki Tobita und sein Team haben jahrelang an der Entwicklung ihres fliegenden Gerätes getüftelt. Als besonders schwierig erwies sich der Einbau von Kameras und der zum Fliegen notwendigen Antriebe. Ob die japanischen Erfinder mit ihrem Gerät zum globalen Höhenflug ansetzen werden oder auf die Nase fliegen, wird sich zeigen.
Übersetzt von Simon Gisler
Gesprochen von Lu Shan



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