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Zu Besuch im Lu Xun-Museum Beijing
  2011-10-19 10:09:51  cri

 

Das Lu Xun-Museum Beijing befindet sich in einer Seitengasse der Fuchengmen-Straße, genauer: im Gongmenkou Ertiao Nummer 19, und besteht im Wesentlichen aus zwei Bereichen: Den Ausstellungsräumen in der Haupthalle des Hauses sowie die einstigen Wohn- und Arbeitszimmer des Literaten. Sowohl die Räumlichkeiten selbst als auch ihre Möblierung evozieren das Bild eines hart arbeitenden Intellektuellen: schlicht, funktional und frei von Dingen, die vom Wesentlichen ablenken könnten. Sun Yang ist einer der Mitarbeiter des Museums und nimmt uns auf einen Rundgang mit.

„Dieses Zimmer war das Arbeitszimmer und zugleich das Wohnzimmer Lu Xuns. Wie wir sehen können, ist die Ausstattung recht einfach und schlicht. An diesen Ort zog sich Lu Xun zum Schlafen zurück. Eigentlich ist es gar kein richtiges Bett, sondern nur zwei lange Bänke, auf die man einige Holzbretter gelegt hat."

Ein weiterer Abschnitt des Lu Xun-Museums Beijing beherbergt moderne Ausstellungsräume, einen englischen und chinesischen Überblick über das Leben des Zhou Shuren, wie Lu Xun eigentlich hieß, sowie ein Multimedia-Zentrum und eine Bibliothek mit 16.000 Werken.

Eröffnet wurde das Museum übrigens anlässlich des zwanzigsten Todestages Lu Xuns im Jahre 1956. Als Ort wählte man das Haus im Westen Beijings, in welchem er von 1924 bis 1926 lebte und arbeitete. Mittlerweile wurde das Gebäude renoviert. Frau Ye Shuhui arbeitet bereits über 30 Jahre für das Lu Xun-Museum. Sie kann uns berichten, dass Lu Xun zu jener Zeit 800 Silberdollar für den Kauf seines Hauses aufwenden musste.

„Damals hatte Lu Xun ein monatliches Einkommen von 300 Silberdollar, von denen er jedoch so gut wie nichts sparte. Um das Haus überhaupt kaufen zu können, musste er sich von zwei seiner engsten Freunde jeweils 400 Silberdollar leihen. Der Bezirk Xicheng im Westen Beijings zählte zu jener Zeit zu den ärmeren Stadtteilen. Die Immobilienpreise hier waren im Vergleich zu anderen Orten daher relativ niedrig."

Insgesamt bewahrt das Museum heute 97.000 Ausstellungsstücke auf, darunter Manuskripte, Briefe, Fotos, Möbel und die schärfsten Waffen des Schriftstellers: Stift und Papier. Der Besucher wird entlang eines Zeitstrahls durch das Leben Lu Xuns geleitet. Am Beginn der Ausstellung steht daher Shaoxing, die Heimatstadt des Autoren, sowie prägende Ereignisse wie die schwere Krankheit des Vaters. Die Kosten für die Behandlung mit traditioneller chinesischer Medizin verschlangen einen großen Teil der Besitztümer und Wertgegenstände der Familie, eine Besserung stellte sich jedoch nicht ein. Im Jahre 1909 kehrte Lu Xun aus finanziellen Gründen von seinem Studium in Japan zurück und übernahm die Leitung einer Schule in Shaoxing. 1924 siedelte er nach Beijing über, wo er viele seiner bekanntesten Werke verfasste. Huang Qiaosheng, der stellvertretende Museumsleiter, teilt uns mit:

„Herr Lu Xun lebte hier für mehr als zwei Jahre. Während seiner Zeit in Beijing hatte er viel Kummer zu erleiden. Die hier von ihm verfassten Werke bilden daher eine Sammlung und werden unter dem Titel 'Pang Huang', 'auf der Suche', zusammengefasst."

Neben seiner Arbeit als Autor war Lu Xun auch als Übersetzer klassischer Texte und als politischer Aktivist tätig. Ye Shuhui weiß zu berichten:

„Aus Erinnerungen alter Bekannter geht hervor, dass Lu Xun zu jener Zeit oftmals sehr spät zu Bett ging. Zudem schlief er häufig vollständig bekleidet und nur eine kurze Weile, bevor er seine Schreibarbeit wieder aufnahm. Fühlte er sich trotzdem müde, zündete er sich eine Zigarette an und setzte seine Arbeit fort."

Gleichzeitig wuchs im Laufe der Zeit sein Interesse an verschiedensten Formen der Kunst. Besonders interessierte er sich für die Arbeiten der deutschen Grafikerin und Bildhauerin Käthe Kollwitz. Von der Verehrung Lu Xuns durch andere Künstlerinnen und Künstler zeugen im Umkehrschluss die ihm gewidmeten Karikaturen und Zeichnungen, die ebenfalls im Museum ausgestellt sind. Nach den schaffensreichen Jahren in Beijing führten ihn seine letzten Stationen nach Guangzhou und schließlich Shanghai, wo er sich bis zu seinem Tode aufhielt.

In den Ausstellungsstücken des Museums, vor allem aber in den Büchern aus dem Privatbesitz Lu Xuns, zeigt sich ein starker ausländischer Einfluss: Nicht nur literarische, sondern auch wissenschaftliche Werke aus dem Ausland formten den Begründer der modernen chinesischen Literatur entscheidend. Vor dem Auge des Betrachters ersteht das Bild eines Intellektuellen und Universalgelehrten, der sich auf Seiten der Unterdrückten in die Tagespolitik einmischte. Sowohl in seinen Schriften, als auch in seinem Handeln bewies Lu Xun ein Leben lang größte Konsequenz. Er ordnete sich weder ein noch unter, sondern trat stets für den Fortschritt ein. Es war daher nur angemessen, dass man im ganzen Land Museen für ihn eröffnete. Neben Beijing, Guangzhou und Shaoxing wurde zuletzt auch in Shanghai ein Lu Xun-Museen eröffnet, welches sich noch dazu in einem sehenswerten und ebenfalls nach dem Autoren benannten Park befindet.

Insgesamt lässt sich sagen, dass das Museum in Beijing einen übersichtlichen Eindruck vom Leben Lu Xuns vermittelt. Die Lage in einem alten Wohnviertel unweit des Beijinger Zentrums, nordwestlich der U-Bahnstation Fuchengmeng, ist ebenfalls attraktiv und lädt zu einem Spaziergang ein. Direkt neben der einstigen Wohnstatt des großen Schriftstellers bietet ein kleiner Buchladen alte Ausgaben der Werke Lu Xuns in verschiedenen Sprachen an. Inzwischen ist die Spezialisierung des Ladens so weit vorangeschritten, dass man vergeblich nach Neuerscheinungen anderer Autoren sucht. Außerdem findet man in der näheren Umgebung auch den Tempel der Weißen Pagode (Baita Si).

Ein Abstecher zum Lu Xun-Museum sollte daher bei keinem Besuch in Beijing fehlen – das gilt nicht nur für Liebhaber der modernen Literatur Chinas, sondern auch für anderweitig Interessierte.

Übersetzt und gesprochen von Huang Gang

Forum Meinungen
• mengyingbo schrieb "Leben in Changshu"
seit etwas über einer Woche ist nun Changshu 常熟 in der Provinz Jiangsu 江苏 meine neue Heimat - zumindest erstmal für rund 2 Jahre.Changshu (übersetzt etwa: Stadt der langen Ernte) liegt ungefähr 100 km westlich von Shanghai und hat rund 2 Millionen Einwohner, ist also nur eine mittelgroße Stadt.Es gibt hier einen ca. 200m hohen Berg, den Yushan 虞山 und einen See, den Shanghu 尚湖...
• Ralf63 schrieb "Korea"
Eine schöne Analyse ist das, die Volker20 uns hier vorgestellt hat. Irgendwie habe ich nicht genügend Kenntnisse der Details, um da noch mehr zum Thema beitragen zu können. Hier aber noch einige Punkte, welche mir wichtig erscheinen:Ein riesiges Problem ist die Stationierung von Soldaten der USA-Armee in Südkorea...
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