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„Erinnerungspflicht" – Französischer Historiker schreibt über die Plünderung des Yuanmingyuan
  2011-10-18 10:22:25  cri

 

Es war das Jahr 2000, als der bekannte Historiker und Journalist Bernard Brizay die Ruinen von Yuanmingyuan besuchte. Der Anblick hat den französischen China-Liebhaber schockiert. Gleichzeitig hat er sich ein wenig dafür geschämt, als Historiker nichts über das Ereignis gewusst zu haben. So kam es zu der Idee, ein Buch über den „Garten der vollkommenen Klarheit" zu schreiben.

„2010 habe ich zum ersten Mal die Ruinen von Yuanmingyuan besucht. Ich habe mich sehr traurig gefühlt. Ich schämte mich, dass es britisch-französische Truppen waren, die Yuanmingyuan – diese Schatzkammer der menschlichen Zivilisation – geplündert und verbrannt haben. Es ist so, als ob preußischen Truppen Versailles dem Erdboden gleichgemacht, Louvre geplündert und die französische Nationalbibliothek verbrannt hätten. Yuanmingyuan war eine Sammlung der zivilisatorischer Errungenschaften der Menschen jener Zeit. Nach der Rückkehr nach Paris konnte ich in Buchhandlungen nichts über Yuanmingyuan finden. Das hat mich veranlasst, ein Buch darüber zu schreiben."

In den folgenden zwei Jahren hat Brizay Bibliotheken und Archive in Großbritannien und Frankreich aufgesucht. Dort fand er zahlreiche Schriftzeugnisse von Offizieren, Soldaten und Dolmetschern aus jener Zeit. Manche Erkenntnisse waren zuvor auch in China nicht bekannt. Das Ergebnis der Arbeit von Bernard Birzay war ein systematisches Werk über das tragische Schicksal des alten Sommerpalastes. Das Buch erschien 2003 und bereits zwei Jahre später lag eine chinesische Übersetzung vor.

„Nach dem ich genügend Material beisammen hatte, habe ich innerhalb von sechs Monaten das Buch verfasst. Das Buch beruht auf Originalquellen. Das ist sehr wertvoll für einen Historiker. Während des Verfassens habe ich immer daran gedacht, dass das Buch ins Chinesische übersetzt werden muss. Es würde chinesischen Lesern bestimmt gefallen."

Das Buch unter dem Titel „1860: Die Große Katastrophe des Yuanmingyuan" hat in Europa ein großes Echo ausgelöst. Die 5000 Exemplare der Erstauflage waren im Nu ausverkauft. Der damalige französische Präsident Jacques Chirac hat Brizay gratuliert, „zur Klärung des gemeinsamen Geschichtsabschnitts beigetragen zu haben." Und der ehemalige Präsident Valery Giscard d'Estaing erklärt im Vorwort der chinesischen Version: „Die Zerstörung des Yuanmingyuan ist eine extrem schändliche und grausame Tat der kolonialistischen Truppen von Großbritannien und Frankreich. Ich hoffe, dass das Werk denjenigen Ländern von Nutzen sein kann, die einander noch Schaden zufügen." Und Brizay selbst ist froh, dass die meisten französischen Leser das Thema nicht mehr verdrängen können:

„Ich habe viele Briefe von Lesern erhalten, vor allem von den Nachkommen derjenigen, die an der Zerstörung von Yuanmingyuan beteiligt waren. Ihre Vorfahren waren Offiziere, Soldaten oder Dolmetscher der britischen und französischen Truppen. Sie haben mir die Tagebücher und Familienarchive ihrer Vorfahren gezeigt. Sie haben sich für die schmählichen Taten ihrer Vorfahren in China geschämt."

Bernard Brizay ist ein großer Fan der östlichen Kultur. Er hat 1979 China das erste Mal besucht und kommt seitdem immer wieder. In seiner Bibliothek stehen über 1200 Werke über chinesische Geschichte, Kunst und Literatur. Brizay hat mehrmals dazu aufgerufen, die gestohlenen Schätze von Yuanmingyuan bedingungslos an China zurückgegeben:

„Während der Katastrophe im Yuanmingyuan im Jahre 1860 hatte der französische Oberst Dupin die „Vierzig Szenen von Yuanmingyuan" gestohlen. Jetzt werden sie im Nationalmuseum in Paris aufbewahrt. Diese Kunstwerke sind die vollständigste Darstellung der kaiserlichen Gärten in der Qianlong-Periode. Ich habe dem damaligen Präsidenten Jacques Chirac einen Brief geschrieben und meine Hoffnung zum Ausdruck gebracht, dass die Regierung die Bilder an China zurückgibt. Allerdings habe ich keine Antwort bekommen."

In dem Vorwort schreibt Bernard Brizay, dass wenn die britisch-französische Expedition niemals stattgefunden hätte er auch kein Grund gehabt hätte, das Buch zu schreiben. „Wie schön das wäre!", ruft der ehemalige Journalist aus:

„In Frankreich gibt es den Begriff „Erinnerungsplicht". Er bedeutet, dass die Verbrechen an den Juden während dem 2. Weltkrieg nicht vergessen werden dürfen. Das sollte genauso für das Plündern von Yuanmingyuan gelten, wir sollten uns dieser Episode bewusst sein. Nicht nur China, sondern auch andere Staaten, auch Frankreich, die USA, Deutschland und Japan, sollten sich an die Katastrophe von Yuanmingyuan erinnern."

Übersetzt von Zhu Qingan

Gesprochen von Xi Jing

Forum Meinungen
• mengyingbo schrieb "Leben in Changshu"
seit etwas über einer Woche ist nun Changshu 常熟 in der Provinz Jiangsu 江苏 meine neue Heimat - zumindest erstmal für rund 2 Jahre.Changshu (übersetzt etwa: Stadt der langen Ernte) liegt ungefähr 100 km westlich von Shanghai und hat rund 2 Millionen Einwohner, ist also nur eine mittelgroße Stadt.Es gibt hier einen ca. 200m hohen Berg, den Yushan 虞山 und einen See, den Shanghu 尚湖...
• Ralf63 schrieb "Korea"
Eine schöne Analyse ist das, die Volker20 uns hier vorgestellt hat. Irgendwie habe ich nicht genügend Kenntnisse der Details, um da noch mehr zum Thema beitragen zu können. Hier aber noch einige Punkte, welche mir wichtig erscheinen:Ein riesiges Problem ist die Stationierung von Soldaten der USA-Armee in Südkorea...
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