
Die neuen Restriktionen beim Kauf von Immobilien sind unter Berücksichtigung der jeweiligen Marktverhältnisse bereits in über 30 chinesischen Städten in Kraft getreten. In Shanghai können neuerdings nur noch Einheimische eine Wohnung kaufen. Für Zugewanderte gibt es allerdings ein Hintertürchen. Shanghaier Immobilienmakler raten ihren auswärtigen Interessenten neu zur Firmengründung, um ihren Traum vom Eigenheim zu verwirklichen:
„Falls Sie kein Bürger der Stadt Shanghai sind, können Sie die Wohnung im Namen einer Firma kaufen. Im Moment ist das die einzige Möglichkeit zum Wohnungskauf für Leute, die nicht aus Shanghai stammen. Das Büro zur Registrierung von Eigentum benötigt von Ihnen nur die Lizenz Ihrer Firma und die Kopie der Identitätskarte vom Firmenchef."
Die neuen Regeln für den Kauf von Immobilien in Shanghai beschränken sich im Moment auf einheimische und zugewanderte Familien. Für Firmen hingegen gelten diese Einschränkungen nicht. Der Prozess zur Registrierung als Firmeninhaber beim Amt für Handel und Industrie dauert derzeit lediglich einen Monat. Das minimale Gründungskapital beträgt 20.000 Yuan RMB. Laut der Immobilienmaklerin ist die Gründung einer eigenen Firma zum Kauf einer Wohnung in Shanghai kein Einzelfall mehr, sondern schon längstens gängige Praxis:
„Viele unserer Kunden sind von den neuen Einschränkungen beim Wohnungskauf in Shanghai betroffen. Gleichzeitig haben diese Leute aber ihre eigenen Unternehmen. Daher kaufen sie in der Regel eine Wohnung im Namen ihrer Firma. Sie brauchen sich weder über den Buchungssatz noch das Gründungskapital ihrer Firma Gedanken zu machen."
Klingt eigentlich ganz einfach, ist es aber nicht. Es gibt nämlich auch Gefahren, etwa dann, wenn versucht wird, das Wohneigentum von der Firma auf eine Person zu übertragen. Privatpersonen und Firmen müssen bei einem Hauskauf ähnliche Gebühren und Eingangssteuern entrichten. Bei der Übertragung des Eigentums von einer Firma auf eine Privatperson wird jedoch eine horrende Steuer fällig.
Wenn die Firma ihr Wohneigentum verkaufen will, dann muss sie neben der Gewerbesteuer und einer Mehrwertsteuer auch noch eine Bodensteuer entrichten. Nehmen wir an, eine Wohnung wird für eine halbe Million über ihrem Kaufpreis verkauft. Wenn diese Wohnung von einer Person an eine andere Person verkauft wird, dann muss der Verkäufer eine Gewerbe- und Einkommenssteuer in Höhe von knapp 100.000 Yuan RMB entrichten. Wenn die Wohnung aber von einer Firma an eine Person verkauft wird, dann wird eine Steuer von bis zu 240.000 Yuan RMB fällig – also satte 140.000 Yuan mehr.
Zudem ist es für einen potentiellen Wohnungsverkäufer, der sich als Strohfirma tarnt, alles andere als einfach, von einer Bank eine Hypothek zu erhalten. Ein Insider meint dazu:
„Die Banken sind nicht so dumm, dass sie dir einfach so Geld geben, wenn du deine Firma eben erst gegründet hast. Zuerst musst du den gesamten Preis für deine Firma bezahlen. Erst dann kannst du dich um eine Hypothek bewerben."
Wenn die Wohnung einmal im Namen einer Firma gekauft ist, dann muss sie von dieser Firma am Jahresende auch in ihrem Finanzbericht als solche angegeben werden. Falls die Firma in finanzielle Schwierigkeiten geraten sollte, dann kann sie von der Bank auch verpfändet werden.
Ein weiteres Problem sind Firmen mit mehreren Inhabern. In diesem Fall sind bei der Eigentumsübertragung Querelen praktisch vorprogrammiert.
In Anbetracht all dieser Schwierigkeiten darf man sich ruhig fragen, ob es in Shanghai nicht einfach klüger wäre, seine Wohnung weiterhin zu mieten anstatt zu kaufen.
Übersetzt von Simon Gisler
Gesprochen von Lu Shan



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