
Vor 21 Jahren, am 3. Oktober 1990 war die Einheit Deutschlands vollendet. Vor dem Schöneberger Rathaus in Berlin hielt der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker eine Rede.
„„Für unsere Aufgaben sind wir uns unserer Verantwortung vor Gott und den Menschen bewusst. Wir wollen in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt dienen."
In den Monaten zuvor hatten die Bürger der DDR in einer friedlichen Revolution die kommunistische SED-Regierung gestürzt und die Einheit erkämpft.
Bereits 1989 kam es zu einer regelrechten Ausreisewelle. Tausende politisch oder ökonomisch frustrierte DDR-Bürger flohen über Ungarn und Österreich in den Westen. Gleichzeitig kam es zu immer mehr Protesten in der DDR. In Leipzig begannen im September 1989 die Montagsdemonstrationen, auf denen die Menschen friedlich Reformen forderten. Der Ruf „Wir sind das Volk" ertönte bald in allen größeren Städten in der DDR. Der Druck auf die SED-Regierung nahm zu.
Am 9. November fiel die Berliner Mauer. Eigentlich wollte die DDR-Staatsführung die Öffnung der Grenzen nachts um 4 Uhr bekannt geben, zu einer Zeit, in der die meisten Bürger schlafen. Das Vorgehen war innerhalb des SED-Politbüros jedoch nicht genau abgestimmt. So gab Günter Schabowski, Mitglied des Politbüros eine folgenschwere Pressekonferenz.
„Dann haben wir uns dazu entschlossen Privatreisen heute eine Reglung zu treffen, die es jedem Bürger der DDR möglich macht über Grenzübergangspunkte der DDR auszureisen. Im Interesse der …hat der Ministerrat beschlossen, dass bis zum Inkrafttreten einer entsprechenden gesetzlichen Regelung durch die Volkskammer diese Übergangsregelung in Kraft gesetzt wird. "
Journalist: „Gilt das auch für Berlin West?", „Doch, doch. Ständige Ausreise… alle Grenzübergangsstellen der DDR zur BRD, bzw. zu Berlin West erfolgen."
Auf die Zwischenfrage eines Journalisten, ab wann diese Regelung in Kraft trete, antwortete Schabowski, diese Regelung trete seiner Kenntnis nach unverzüglich in Kraft.
Innerhalb kürzester Zeit strömten tausende Menschen an die Grenzübergänge der Berliner Mauer.
Obwohl die Menschen sowohl in Ost- als auch in Westdeutschland die Einheit wollten, musste die westdeutsche Regierung erst Überzeugungsarbeit leisten – sowohl bei der Sowjetunion als auch bei den westlichen Alliierten. Besonders Großbritannien und Frankreich sahen geeintes Deutschland mit Skepsis. In zahlreichen persönlichen Gesprächen konnten der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl und sein Außenminister Hans-Dietrich Genscher die Alliierten überzeugen. Auch die Sowjetunion stimmte schließlich der Wiedervereinigung zu. Mit dem Zwei-plus-Vier Vertrag wurden der Verlauf der deutschen Grenzen im Osten und der Verbleib Deutschlands in der Nato geregelt. Am 24. September wurde der Einheitsvertrag unterzeichnet.
Nach der Einheit herrschte in Deutschland zunächst Euphorie. Zur Einführung der D-Mark in Ostdeutschland versprach Bundeskanzler Helmut Kohl „Blühende Landschaften" in den neuen Bundesländern.
„Durch eine gemeinsame Anstrengung wird es uns gelingen, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen-Anhalt, Brandenburg, Sachsen und Thüringen schon bald wieder in blühende Landschaften zu verwandeln."
Der Euphorie folgte jedoch bald die Katerstimmung. Die Umwandlung einer maroden Planwirtschaft in eine dynamische Marktwirtschaft erwies sich schwieriger als angenommen. Trotz Milliardeninvestitionen in die Sanierung von Städten und Infrastruktur erlebte die ostdeutsche Wirtschaft einen Niedergang. Die Arbeitslosigkeit stieg rasant. Junge, gut ausgebildete Ostdeutsche wanderten zunehmend in den Westen ab.
Auch heute, 21 Jahre nach der Wiedervereinigung sind die Unterschiede zwischen Ost und West nicht beseitigt. Ostdeutsche verdienen im Durchschnitt immer noch rund ein Viertel weniger als Westdeutsche. Immer noch ist die Arbeitslosigkeit im Osten fast doppelt so hoch wie im Westen. 2010 waren dort im Durchschnitt 12 Prozent, im Westen nur 6,6 Prozent arbeitslos.
Die Deutsche Post und das Institut für Demoskopie Allensbach veröffentlichten kürzlich den „Glücksatlas 2011". Darin wurde die Zufriedenheit der Deutschen untersucht. Die Menschen in den ostdeutschen Bundesländern sind generell unzufriedener als die Menschen im Westen. Thüringen, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern liegen auf den hinteren Plätzen des Zufriedenheitsranking. Niedriges Einkommen und hohe Arbeitslosigkeit sind die Hauptgründe für die Unzufriedenheit. Doch die Studie zeigt auch, dass es aufwärts geht: Die Ostdeutschen waren insgesamt noch nie so zufrieden wie heute.
Am Ende werden die ostdeutschen Bundesländer vielleicht tatsächlich zu blühenden Landschaften. Nur noch 34 Prozent der Deutschen würden diesem Satz von Helmut Kohl widersprechen. 1998 waren es noch mehr als die Hälfte.
Übersetzt und gesprochen von Christoph Ricking



Wir über uns






