Smartphones sind nicht nur für ihre hohe Qualität und ihr Spitzendesign bekannt, sondern auch für ihre stolzen Preise – zumindest bis anhin. Seit kurzem bieten die Mobiltelefonhersteller auch Smartphones an, die nur rund eintausend Yuan RMB kosten. Umgerechnet also lediglich 115 Euro.
Zhang Liang ist als Manager für die chinesische Computerfirma Lenovo tätig. Sein Arbeitgeber ist gerade dabei, den Markt für Smartphones auszuloten:
„Der Markt für Smartphones sollte in China noch immer als Einstiegsmarkt betrachtet werden. Wir haben einige Umfragen gemacht. Diesen Umfragen zufolge ist ein Preis von eintausend Yuan oder ein wenig mehr für ein Smartphone für die meisten Kunden akzeptabel."
Einer Statistik von Motorola zufolge kaufen über 67 Prozent der inländischen Käufer Mobiltelefone, die weniger als eintausend Yuan RMB kosten. Über die Hälfte aller Smartphones, die derzeit in China verkauft werden, kosten weniger als 1.500 Yuan RMB.
Um mehr Kunden zu gewinnen, will sich Lenovo nicht nur auf seinen Namen verlassen. Eine weitere Strategie des chinesischen Computer-Riesen besteht im Anbieten von qualitativ hochwertigen Handys zu Tiefpreisen. Dazu Manager Zhang Liang:
„Wir werden bei unseren Mobiltelefonen nicht nur die Qualität von Funktionen wie etwa der Speicherkarte verbessern, sondern das gesamte System. Unsere Kunden werden feststellen, dass sie fast alle Software, die auf dem Markt erhältlich ist, auf unsere Handys installieren können."
Einer der härtesten Konkurrenten von Lenovo auf dem chinesischen Markt ist Motorola. Das Unternehmen mit Sitz im amerikanischen Illinois verfolgt eine andere Strategie. Motorola konzentriert sich auf Kunden, die ihre Handys oft wechseln oder zumindest upgraden. Den Grund für diese Strategie erklärt uns Liu Shuji, der stellvertretende Verantwortliche bei Motorola für den chinesischen Markt:
„Viele Handynutzer in den westlichen Ländern verlassen sich auf die Angebote von bestimmten Netzbetreibern. Sie behalten ihre Handys tendenziell länger und wechseln sie in der Regel auf der Basis einer bestimmten Angebotskombination. Der chinesische Mobiltelefonmarkt hingegen ist viel flexibler. Chinesen wechseln ihre Handys wann immer sie wollen, unabhängig von ihrem Netzbetreiber. Ein Chinese wechselt sein Handy in der Regel alle zwölf bis 18 Monate."
Während einige chinesische Handyhersteller ihr Interesse am Markt für preisgünstige Smartphones bereits signalisiert haben, warten viele andere erst einmal ab. Die meisten von ihnen haben sich entschieden, ihre Smartphones zu Preisen von über 2.000 Yuan RMB anzubieten, und die Preise erst im Falle einer unbefriedigenden Nachfrage zu senken. Branchenkenner gehen davon aus, dass diese Situation nicht allzu lange dauern wird.
Lu Libin von der Firma Yiguan International Communication ist vom Potenzial von Tiefpreis-Smartphones überzeugt. Nach Meinung des Kommunikationsexperten ist es nur eine Frage der Zeit, bis alle namhaften chinesischen Handyanbieter dieses Marktsegment für sich entdecken werden:
„Smartphones werden in Zukunft beliebter und günstiger werden. Der Trend geht ganz klar in diese Richtung. In vielen chinesischen Städten, vor allem in den zweit- und drittrangigen, haben Smartphones mit niedrigen Preisen ein stärkeres Entwicklungspotenzial."
Szenekenner rechnen damit, dass die Preise für ausländische Topmarken wie iPhone und Nokia auch in absehbarer Zukunft hoch bleiben werden. Inländische Anbieter hingegen haben bereits den Billigmarkt ins Visier genommen. Eine Marktnische, in der sie sich nicht gegen die harte Konkurrenz aus dem Ausland behaupten müssen, und die ein hohes Wachstumspotenzial verspricht.
Übersetzt und gesprochen von Xi Jing



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