
Im Juni dieses Jahres wurden die letzten Arbeiten an einem Tunnel und einer Brücke vollendet, welche beide Ufer der Bucht von Jiaozhou verbinden. Seit der Freigabe für den Verkehr am 30. Juni sichern sie eine unkomplizierte Verkehrsanbindung zwischen Qingdao und den Bezirken Hongdao und Huangdao ab. Die Brücke selbst stellt zugleich einen neuen Rekord in der Geschichte des chinesischen Brückenbaus dar.
An sich war der 30. Juni 2011 ein Tag wie jeder andere auch. Doch in Qingdao wurde dieses Datum seit 20 Jahren mit Spannung erwartet. Acht Millionen Menschen reagierten mit Jubel und Begeisterung, als es endlich soweit war: Um genau 10 Uhr 8 Ortszeit verlas der Sekretär des Parteikomitees der Provinz Shangdong Jiang Yikang in Qingdao die entscheidenden Worte.
„Ich gebe hiermit die Brücke über die Bucht von Jiaozhou für den Verkehr frei."
Bei der Qingdao-Jiaozhou-Brücke handelt es sich um die erste Meeresbrücke im Norden Chinas. Mehr als zehn Milliarden Yuan RMB wurden in das Großbauprojekt investiert, welches mit einer Strecke von 36,48 Kilometern die Stadt Qingdao mit den Bezirken Huangdao und Hongdao verbindet. Der Tunnel unter der Bucht von Jiaozhou hingegen erstreckt sich über eine Gesamtlänge von 7,8 Kilometern, wovon vier Kilometer unter dem Meeresboden verlaufen. Der Bau, in dessen Konstruktion 3,3 Milliarden Yuan RMB flossen, bricht sämtliche bisherigen Rekorde in China und gilt zudem als drittlängster Meerestunnel der Welt. Qu Liqing, stellvertretender Direktor der zuständigen Verkehrsgesellschaft, teilt uns hierzu mit:
„Von allen Meerestunneln in China weist dieser die höchste Qualität auf. Sowohl hinsichtlich der Stärke als auch des Stahls und der Nutzdauer erfüllt er die höchsten Standards."
Zhou Fengjun ist für die chinesische Akademie der Ingenieurswissenschaften tätig und fügt hinzu:
„Dieser Tunnel bietet uns wertvolle Erfahrungen für den Bau des Tunnels Penglai-Dalian. Außerdem symbolisiert er die Fortschritte des Tunnelbaus in China."
Obwohl der Abstand zwischen beiden Ufern der Bucht nur drei Kilometer beträgt, mussten Generationen von Anwohnern die gesamte Bucht umfahren oder sich mit einer Überfahrt per Fähre begnügen. Die nun eröffnete Brücke verkürzt die Verbindung Qingdao-Huangdao um 30 Kilometer und spart damit mehr als 20 Minuten ein. Die Vorteile des Tunnels sind noch offensichtlicher: Während man für die Strecke von Qingdao nach Xuejiaodao im Bezirk Huangdao bisher eine Stunde und zehn Minute benötigte, beträgt die Fahrzeit heute gerade einmal zehn Minuten. Damit ist ein Wirtschaftskreis zwischen Qingdao und den angrenzenden Bezirken etabliert worden, innerhalb dessen keine Verbindung mehr als eine Stunde in Anspruch nimmt.
Noch am Tag der Eröffnung der beiden neuen Verkehrswege begab sich der 76-jährige Shi Lianwu aus Huangdao gemeinsam mit seiner Frau auf den Weg, um seinen Enkelsohn in Qingdao zu besuchen.
„Früher gab es oft starken Wind und große Wellen, häufig wurden wir bei der Überfahrt seekrank. Aber jetzt müssen wir uns nicht mehr darum sorgen, ob die Fähre auslaufen kann oder ob die Wetterverhältnisse für eine Überfahrt geeignet sind."
Für den High-Tech-Standort der Bucht von Jiaozhou bergen sowohl die Qingdao-Jiaozhou-Brücke als auch der Tunnel die Aussicht auf ein weiteres Wirtschaftswachstum. Der für die wirtschaftliche Entwicklung des Gewerbegebietes Qingdao zuständige Sui Bin erläutert:
„Die Brücke lockt viele zusätzlichen Investitionen hierher. Zurzeit gibt es insgesamt 240 Projekte im Bereich der digitalen Datenverarbeitung, der Biomedizin und des High-Tech-Zubehörs. Der Umfang der hier getätigten Investitionen beträgt 60 Milliarden Yuan RMB."
Es lässt sich also mit Fug und Recht behaupten, dass Qingdao durch die beiden Verkehrsprojekte nicht nur Anschluss zu seinen Außenbezirken, sondern vielmehr zur ganzen Welt gefunden hat.
Übersetzt von Zhong Xi
Gesprochen von Lü Xiqian



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